Berlin - DGB-Chef Michael Sommer zeigt sich selbstbewusst: "Wenn Milliardenbeträge für Banken vorhanden sind, dann ist auch Geld für die Arbeitnehmer da." Er sagte der "Berliner Zeitung": "Forderungen an die Beschäftigten, den Gürtel enger zu schnallen, sind falsch." Auch in der Finanzkrise müssten Arbeitnehmer ihre Interessen wahren. Die Forderung der IG Metall nach acht Prozent mehr Lohn sei realistisch. An diesem Montag beginnen die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektrobranche im Gewerkschaftsbezirk Küste.
"Außerhalb der Finanzmärkte ist die wirtschaftliche Lage nicht schlecht", sagte Sommer. "Und die Metallindustrie in Deutschland gehört zu den produktivsten Europas. Deshalb haben die Beschäftigten Anspruch auf gerechten Lohn." Sommer kritisierte die Ausgabenpolitik der Bundesregierung. "Die Regierung erklärt, sie habe kein Geld, um die Konjunktur zu stützen, und die Neuverschuldung dürfe nicht steigen. Und plötzlich kann sie sich verschulden, um marode Banken zu retten. Das kann nicht sein, denn entweder es gibt Geld, oder es gibt keins."
Die Forderungen Sommers gehen über reine Lohnpolitik hinaus. Er verlangt, dass nicht nur Geld für Banken bereitgestellt werden dürfe, sondern dann auch für Sozialpolitik, Bildung, Infrastruktur, oder um die Konjunktur zu stützen. Der DGB sei aber nicht "prinzipiell dagegen, stützend einzugreifen". Es müsse verhindert werden, dass die Finanzkrise auf die Realwirtschaft übergreife. Gleichzeitig müssten "die Europäer jetzt endlich eine starke staatliche Regulierung der Finanzmärkte in Angriff nehmen".
Wie Sommer beharrt auch der Vizechef der IG Metall, Detlef Wetzel, auf den bisherigen Forderungen für die Arbeitnehmer: "Wer jetzt auf die Idee kommt, dass die Arbeitnehmer für die Geldgier von Bankern geradestehen sollen, ist schiefgewickelt." Er sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", die Krise finde bislang im Bankensystem und nicht in der Realwirtschaft statt. "Heute schon so zu tun, als würde alles zusammenbrechen, wäre fatal."
Die deutsche Autoindustrie zeigt sich wegen der Tarifforderungen der IG Metall besorgt. "Eine Forderung in der Höhe, wie sie jetzt bekannt wurde, wäre außerhalb jeder Reichweite und würde nur zu enttäuschten Erwartungen führen", sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, der "Welt".
Wissmann warnte, die Forderungen sollten nicht so gefasst sein, dass die in den vergangenen Jahren erzielten Produktivitätssteigerungen schnell wieder zerrönnen. Der letzte Tarifabschluss mit mehr als vier Prozent Lohnsteigerung und einer Einmalzahlung habe die Unternehmen schon belastet. Die aktuellen hohen Tarifforderungen kämen zu einem außerordentlich kritischen Zeitpunkt. "Denn die Automobilindustrie ist an einer Weggabelung: Entweder fahren wir 2009 aus dem sich abzeichnenden Konjunkturtal heraus, oder wir stehen vor einer Situation, die dann weitreichende strukturelle Maßnahmen in der Industrie erforderlich machen könnte."
Die IG Metall fordert in den beginnenden Tarifgesprächen in Hamburg für die etwa 150.000 Beschäftigten der norddeutschen Betriebe acht Prozent mehr Geld. Die bundesweit erste Metall-Tarifrunde war am Donnerstag in Darmstadt nach knapp zweistündiger Verhandlung ohne Annäherung zu Ende gegangen.
Die IG Metall dringt auf ein schnelles Ergebnis in der diesjährigen Tarifrunde für die insgesamt 3,5 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie und strebt noch im Oktober einen Abschluss an. Für Anfang November hat die IG Metall bereits Warnstreiks angekündigt.
ler/ddp/AP
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