Frankfurt am Main - Hohe Verluste an den Weltbörsen haben auch am deutschen Aktienmarkt für einen schwachen Start gesorgt. Der Dax sackte in den ersten Handelsminuten um über vier Prozent ab und stand zeitweise auf den tiefsten Stand seit Juli 2006. Auch der Nebenwerte-Index MDax
und der TecDax
verbuchten Verluste.
Börsianer in Frankfurt am Main: "Zugespitzte Rezessionsängste"
Auch andere europäische Finanzplätze gingen auf Talfahrt. Für den EuroSTOXX 50 ging es in den ersten Handelsminuten um rund vier Prozent abwärts, der STOXX 50 verlor im frühen Handel um 3,5 Prozent. Der französische CAC-40-Index rutschte mehr als vier Prozent ab, ebenso die Londoner FTSE 100.
Zuvor hatten die Börsen in Fernost im Minus geschlossen . Auch an der Moskauer Börse brachen die Kurse ein: Der MICEX sackte um mehr als sieben Prozent ab. Die US-Märkte hatten am Freitag ebenfalls mit Verlusten den Handel beendet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Freitag 1,5 Prozent im Minus bei 10.325 Punkten.
Händlern zufolge konnte die Annahme des Bankenrettungspakets durch das US-Repräsentantenhaus dem Markt keinen Schwung mehr verleihen, da dessen Zustimmung erwartet worden sei. "Mit grünem Licht für das US-Rettungspaket war fest gerechnet worden", sagte ein Marktteilnehmer. "Gegen die zugespitzten Rezessionsängste nach zuletzt schwachen Wirtschaftsdaten kommen die Impulse nicht an."
Angesichts der nervösen Finanzmärkte hat die Bundesregierung am Sonntag erstmals eine Komplettgarantie für private Spareinlagen in Aussicht gestellt. So sollen die Bürger beruhigt werden.
Hinzu kommen erneute Sorgen um einen Zusammenbruch der Hypo Real Estate (HRE), der durch ein neues Rettungspaket ein zweites Mal erst in letzter Minute verhindert wurde. "Ein Desaster", kommentierte ein Börsianer mit Blick auf offensichtliche Fehleinschätzungen des Finanzierungsbedarfs. "Es bleibt offen, ob das Volumen des Rettungspakets diesmal ausreicht." Die HRE-Aktie erlitt zum Handelsauftakt entsprechend Verluste von über 40 Prozent.
Die internationale Ausbreitung der Krise schreitet nach Einschätzung der Commerzbank voran. Der grenzübergreifende Charakter der Krise könnte auch zu einer international koordinierten Reaktion der Notenbanken und Regierungen führen, schreibt Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner in einer aktuell veröffentlichten Studie. Bei den Regierungen scheine sich abzuzeichnen, dass die Staaten zumindest die Einlagen von Privatpersonen garantieren wollen, um das Vertrauen in den Finanzsektor zu stabilisieren.
Die internationale Dimension der Krise gerate mit den Turbulenzen am europäischen Bankenmarkt jetzt immer mehr in den Fokus, betonte der Experte. Für die US-Notenbank rückten neuerliche Zinssenkungen in den Bereich des Möglichen.
Die Finanzmarktkrise belastet auch den Euro. Im frühen Handel kostete Gemeinschaftswährung 1,3605 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag noch auf 1,3834 Dollar festgesetzt.
suc/dpa-AFX/dpa
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