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06.10.2008
 

Rettungspaket für Hypo Real Estate

Experten fordern globalen Krisenplan

Von Susanne Amann

In letzter Minute hat sich Finanzminister Steinbrück mit den Banken auf ein milliardenschweres Rettungspaket für die Hypo Real Estate geeinigt. Experten begrüßen den Plan im Ansatz - sind aber skeptisch, ob es ausreicht. Sie fordern, weltweit gemeinsam zu handeln.

Hamburg - Bis tief in die Nacht haben sie verhandelt, doch das Rettungspaket von Banken, Bund und Finanzaufsicht scheint die Anleger nicht überzeugt zu haben: Die Aktien der angeschlagenen Hypo Real Estate sind bei Börsenbeginn um mehr als 40 Prozent eingebrochen, von neuem Vertrauen war nicht viel zu spüren.

Logo der Hypo Real Estate: Von neuem Vertrauen nicht viel zu spüren
DPA

Logo der Hypo Real Estate: Von neuem Vertrauen nicht viel zu spüren

Noch hält der Großaktionär des Immobilienfinanzierers, die Investorengruppe um J.C. Flowers, zwar an seinem Anteil von 24,9 Prozent fest. Doch die Skepsis über die Zukunft der Hypo Real Estate (HRE) ist trotz des Rettungspakets von 50 Milliarden Euro nicht nur bei Anlegern groß. "Es gibt nach wie vor große Zweifel, ob dieses Geld ausreichend ist, um den Liquiditätsbedarf der Bank zu decken", sagt Rudolf Hickel, Wirtschaftsprofessor an der Universität Bremen. "Das Geld reicht jetzt erstmal für 2008, aber es gibt erste Hinweise, dass es neue Risiken für das Jahr 2009 gibt."

Dass die Rettung der HRE trotz allem unvermeidbar war, bezweifelt jedoch niemand: "Die Bundesbank hat völlig zu Recht den strategischen Stellenwert der Bank betont, ein Bankrott hätte katastrophale Kettenreaktionen hervorgerufen", sagt Hickel. Auch Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), hält das Vorgehen für "vernünftig": "Vom Prinzip ist das richtig - vor allem, weil der Bund auch den Bankensektor in die Pflicht nimmt."

"Skandalöses Fehlverhalten bei Bankern"

Tatsächlich wird das neue Rettungspaket vor allem für die Banken teuer: Denn sie sind es, die der HRE einen weiteren besicherten Liquiditätskredit von 15 Milliarden Euro zur Verfügung stellen und damit das erste Rettungspaket von 35 Milliarden Dollar aufstocken. "Mich hat erstaunt, dass die Bundesregierung selbst nicht noch mehr auf den Tisch legt", sagt Hans-Peter Burghof, Experte für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. "Denn die Banken können gar nicht mehr so viel zur Verfügung stellen, sie haben ja selbst Liquiditätsengpässe."

So deutlich das Lob für das Handeln der Bundesregierung ausfällt, so deutlich die Kritik am Verhalten der HRE-Bankvorstände: Als "skandalöses Fehlverhalten" bezeichnet Hickel die Tatsache, dass "die Bänker die Liquiditätslücke falsch eingeschätzt haben". Und Burghof zeigt sich "erstaunt", dass die Bankenaufsicht BaFin bisher so wenig in Erscheinung tritt. Die BaFin könnte etwa den glücklosen Vorstandschef Funke problemlos auswechseln.

"Das Eingreifen des Staates muss Konsequenzen für den Bankenvorstand und die Aktionäre nach sich ziehen", sagt auch Volker Wieland, Geldpolitik-Experte an der Universität Frankfurt am Main. Und das heißt: "Die Ernennung neuer Vorstände, die das Vertrauen der Regierung genießen." Außerdem müssten die Interessen der Aktionäre hinter die Rückzahlung für die Unterstützung des Staates gestellt werden.

"Krise ist nicht mehr national zu lösen"

Neben dem grundsätzlichen Lob am Vorgehen der Bundesregierung regt sich aber auch Kritik: "Ich fände es sinnvoller, wenn man ein geregeltes Verfahren entwirft für die Rettung oder Abwicklung von Banken, die in Not geraten", sagt Wieland. "Statt weiterhin für die Einzelfälle über Nacht unter Beteiligung der Kanzlerin Einzellösungen auszuhandeln, wäre es sinnvoller, ein europaweites Verfahren zu entwickeln." Dabei müsse man sich auch auf eine Vorgehensweise zur Aufteilung der Kosten über die Länder hinweg einigen, sonst komme es dazu, dass die Länder versuchten, sich gegenseitig auszuspielen.

Denn tatsächlich scheint die finanzpolitische Kleinstaaterei der Kreditkrise nicht mehr gerecht zu werden: "Wir müssen uns endlich von der Illusion befreien, dass diese Krise noch national zu lösen ist", sagt IMK-Chef Horn. Es gebe keinen Sektor, der so globalisiert sei wie die Finanzmärkte - deshalb mache isoliertes Handeln keinen Sinn. "Wir brauchen eine Zusammenarbeit der G-8-Staaten, dem Internationalen Währungsfond und den Regierungen der führenden Wirtschaftsnationen."

Immerhin: Finanzminister Steinbrück hat inzwischen eine Absicherung der gesamten Finanzbranche in Aussicht gestellt: "Wir müssen jetzt versuchen, über eine singuläre Lösung bei Hypo Real Estate in Deutschland insgesamt einen Schirm zu spannen, damit wir nicht von einem Fall zu dem anderen Fall geraten", sagte Steinbrück am Montag im Deutschlandfunk. Mit singulären Lösungen komme man nicht mehr weiter.

Das war es dann aber auch schon mit der Einsicht. Denn gemeinschaftliche Lösungen - etwa einen Auffang-Fonds innerhalb der EU - lehnte er weiterhin ab.

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