New York - Der amerikanische Pharmakonzern Eli Lilly will die US-Biotechfirma Imclone Systems für rund 6,5 Milliarden Dollar (umgerechnet 4,8 Milliarden Euro) in bar übernehmen. Der Krebstherapie-Spezialist Imclone empfiehlt seinen Aktionären die Annahme des Angebots. Eli Lilly überbietet damit eine bereits nachgebesserte Offerte des US-Rivalen Bristol-Myers Squibb
, die Imclone rund eine Milliarde Dollar niedriger bewertet.
Eli-Lilly-Medikament Cymbalta: Bieterschlacht gewonnen
Klärungsbedarf könnte noch bei dem umsatzstarken Imclone-Krebsmittel Erbitux bestehen, das der Konzern in den USA und Kanada gemeinsam mit Bristol-Myers vertreibt. Außerhalb dieser Region besitzt der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck seit 1998 die Entwicklungs- und Vermarktungsrechte. Merck wollte sich wie auch Bristol-Myers nicht zu dem Fall äußern.
Merck hatte erst kürzlich erklärt, sich möglicherweise an einer Imclone-Übernahme zu beteiligen, falls der Konzern dazu eingeladen werde. Bristol-Myers arbeitet bereits seit rund sieben Jahren mit Imclone zusammen und hält 17 Prozent an dem Unternehmen. Die weltweiten Erlöse von Erbitux lagen im vergangenen Jahr bei 1,3 Milliarden Dollar.
Die Krebssparte macht neben den Diabetes - und den Neurologie-Mitteln das Kerngeschäft von Eli Lilly aus und steht relativ gut da. Allerdings verliert das wichtigste Onkologie-Produkt Gemzar 2012 seinen Patentschutz. Wie andere Pharmariesen hat das Unternehmen zudem mit der Konkurrenz durch günstigere Nachahmer-Produkte zu kämpfen.
Vergangene Woche erst hatte Eli Lilly sein Angebot von 70 Dollar je Aktie offiziell auf den Tisch gelegt und damit die Bristol-Myers-Offerte über mittlerweile 62 Dollar übertrumpft. Zuvor hatte Imclone-Chairman Carl Icahn die Neugier der Anleger geschürt, als er von einem mysteriösen zweiten Bieter sprach ohne einen Namen zu nennen. Medien machten Eli Lilly als den unbekannten Interessenten aus.
Als Reaktion auf das Übernahmeabkommen legte die Imclone
-Aktie vorbörslich rund sechs Prozent auf 68,70 Dollar zu. Imclone hat in den vergangenen Jahren häufig Schlagzeilen gemacht. So wurden Unternehmensgründer Sam Waksal und seine Freundin, die US-Lifestyle-Ikone Martha Stewart, wegen Falschaussagen im Zusammenhang mit einem dubiosen Verkauf eines Imclone-Aktienpakets zu Haftstrafen verurteilt.
Auch ein sich hinziehender Machtkampf im Konzern sorgte für Schlagzeilen, in dem der einflussreiche Großinvestor Icahn eine Ablösung der früheren Konzernführung erzwang. Die Aktionäre erlebten eine Achterbahnfahrt der Kurse, die über die Jahre zwischen einem Tief bei sechs und einem Hoch bei 87 Dollar schwankten.
amz/Reuters/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH