Eine Analyse von Wolfgang Kaden
Sie sind jetzt Opfer. Aber sie waren auch Mittäter. Die kleinen Privatanleger, Menschen wie Sie und ich, die sich mit den Erträgen von Bundesschatzbriefen nicht zufrieden geben wollten und den Banken nur zu gern die kaum durchschaubaren Zertifikate abkauften. Vor allem aber die Großen, die sogenannten institutionellen Investoren, die Versicherer, die Pensions- und sonstigen Fonds. Im gnadenlosen Wettbewerb um Kunden werben sie mit satten Renditen. Doch die Zinsen, die mit sicheren Anlagen zu verdienen waren, reichten nicht, um diese Versprechen einzulösen. Also drängten sie auf höhere Erträge, und die Investmentbanken lieferten. Dumm nur, dass die nur mit höheren Risiken zu erzielen waren.

Wall-Street-Händler: Kapitalismus ist lernfähig
Es sind die Amerikaner der Main Street, nicht nur der Wall Street, die seit Jahren mehr konsumieren, als sie erwirtschaften, zur Freude der Chinesen und der deutschen Autoindustrie.
Es sind die Deutschen und die Europäer, die nicht wahrhaben wollen, dass Rohstoffe, speziell Energie, immer knapper und damit teurer geworden sind, weil Milliarden neuer Konsumenten nun als neue Nachfrager mitmischen; die glauben, ihre Einkommen könnten so weiter wachsen wie in den Jahrzehnten zuvor, obwohl Arbeit heute auf einem offenen Weltmarkt reichlich zu günstigeren Preisen zu haben ist als hierzulande. Und schließlich: Es sind weltweit die Top-Manager in der sogenannten Realwirtschaft, die sich in den vergangenen Jahren an der ungebremsten Einkommensmehrung der Investmentbanker orientierten und alle Proportionen bei ihrer Besoldung verloren haben.
Die Industriegesellschaften müssen zurückfinden zu Maß und Mitte. Bislang hat sich die Wettbewerbswirtschaft, vulgo Kapitalismus, stets als lernfähig erwiesen. Das hat das offene System seit jeher ausgezeichnet und seinen Siegeszug ermöglicht. Die Krise wird irgendwann überwunden sein, mit welchen Schäden auch immer. Aber dann haben nicht nur die Banker Anlass zur Selbstprüfung.
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