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Bankenkrise Schuldige und ihre Komplizen

8. Teil: Die Anleger

Sie sind jetzt Opfer. Aber sie waren auch Mittäter. Die kleinen Privatanleger, Menschen wie Sie und ich, die sich mit den Erträgen von Bundesschatzbriefen nicht zufrieden geben wollten und den Banken nur zu gern die kaum durchschaubaren Zertifikate abkauften. Vor allem aber die Großen, die sogenannten institutionellen Investoren, die Versicherer, die Pensions- und sonstigen Fonds. Im gnadenlosen Wettbewerb um Kunden werben sie mit satten Renditen. Doch die Zinsen, die mit sicheren Anlagen zu verdienen waren, reichten nicht, um diese Versprechen einzulösen. Also drängten sie auf höhere Erträge, und die Investmentbanken lieferten. Dumm nur, dass die nur mit höheren Risiken zu erzielen waren.

Wall-Street-Händler: Kapitalismus ist lernfähig
AP

Wall-Street-Händler: Kapitalismus ist lernfähig

Und damit sind wir bei uns selbst angelangt. Bei den westlichen Gesellschaften, die jetzt gern alles auf die Banker schieben wollen. Diese Gesellschaften aber sind es, die das Immer-mehr zum primären Lebensinhalt gemacht haben, die in weiten Teilen nicht weniger gierig sind als ihre Geldeliten.

Es sind die Amerikaner der Main Street, nicht nur der Wall Street, die seit Jahren mehr konsumieren, als sie erwirtschaften, zur Freude der Chinesen und der deutschen Autoindustrie.

Es sind die Deutschen und die Europäer, die nicht wahrhaben wollen, dass Rohstoffe, speziell Energie, immer knapper und damit teurer geworden sind, weil Milliarden neuer Konsumenten nun als neue Nachfrager mitmischen; die glauben, ihre Einkommen könnten so weiter wachsen wie in den Jahrzehnten zuvor, obwohl Arbeit heute auf einem offenen Weltmarkt reichlich zu günstigeren Preisen zu haben ist als hierzulande. Und schließlich: Es sind weltweit die Top-Manager in der sogenannten Realwirtschaft, die sich in den vergangenen Jahren an der ungebremsten Einkommensmehrung der Investmentbanker orientierten und alle Proportionen bei ihrer Besoldung verloren haben.

Die Industriegesellschaften müssen zurückfinden zu Maß und Mitte. Bislang hat sich die Wettbewerbswirtschaft, vulgo Kapitalismus, stets als lernfähig erwiesen. Das hat das offene System seit jeher ausgezeichnet und seinen Siegeszug ermöglicht. Die Krise wird irgendwann überwunden sein, mit welchen Schäden auch immer. Aber dann haben nicht nur die Banker Anlass zur Selbstprüfung.

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insgesamt 117 Beiträge
Strichnid 08.10.2008
Soso, die Journalisten sind also mit Schuld, den Autor eingeschlossen? Sehr schön, diese Einsicht, aber auch sehr spät. Es ist ja nicht so, dass es GAR keine Journalisten oder Politiker gab, die die heraufziehende Gefahr korrekt [...]
Soso, die Journalisten sind also mit Schuld, den Autor eingeschlossen? Sehr schön, diese Einsicht, aber auch sehr spät. Es ist ja nicht so, dass es GAR keine Journalisten oder Politiker gab, die die heraufziehende Gefahr korrekt beschrieben und davor warnten. Aber es waren eben jene Journalisten, denen jetzt hier eine Mitschuld gegeben wird, die damals sich über die Kritiker lächerlich machten, sie als linke Spinner und Träumer abwatschten. Wird es dann nicht Zeit, nicht nur für eine Selbstkritik, sondern für eine saftige Entschuldigung, zB bei Lafontaine? Herr Jörges vom Stern hat das geschafft, im Presseclub am Sonntag. Schafft der Spiegel es auch?
Libertin 08.10.2008
Ein guter und wichtiger Artikel, der die Ursachend er Finanzkrise wesentlich differenzierter darstellt als dies in einigen anderen Publikationen der Fall ist. Es zeigt sich mal wieder dass niedrige Volatilitaet nicht niedriges [...]
Ein guter und wichtiger Artikel, der die Ursachend er Finanzkrise wesentlich differenzierter darstellt als dies in einigen anderen Publikationen der Fall ist. Es zeigt sich mal wieder dass niedrige Volatilitaet nicht niedriges Risiko bedeutet. Das fundamentale Problem ist doch, dass Wahrscheinlchkeitsverteilungen nicht direkt beobachtbar sind. Durch eine lange Periode niedrigen Risikos wurden wir dazu verfuehrt zu glauben, dieses niedrige Risiko sei die Normalitaet. Geschrumpfte Risikopraemien drueckten auf die Gewinne, diese liessen sich nur durch mehr Leverage halten. Ich denke es ist wichtig zu betonen, dass Banker alleine garnicht die Macht gehabt haetten eine Krise von derartigen Aussmassen auszuloesen, sondern dies nur durch eine weitreichende (unabsichtliche) Kollaboration moeglich war.
Pinarello 08.10.2008
Daß jetzt ausgerechnet Wolfgang Kaden den Finger auf andere zeigt und angeblich Schuldige aufzählen will, ist ja schon an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Ausgerechnet der Herr Kaden hat ja jahrelang dem Freien Markt [...]
Zitat von Strichnid..... Wird es dann nicht Zeit, nicht nur für eine Selbstkritik, sondern für eine saftige Entschuldigung, zB bei Lafontaine? Herr Jörges vom Stern hat das geschafft, im Presseclub am Sonntag. Schafft der Spiegel es auch?
Daß jetzt ausgerechnet Wolfgang Kaden den Finger auf andere zeigt und angeblich Schuldige aufzählen will, ist ja schon an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Ausgerechnet der Herr Kaden hat ja jahrelang dem Freien Markt und der hemmungslosen Globalisierung das Wort geredet und geschrieben und alles, aber auch wirklich alles was irgendwie staatlich reguliert oder gar gelenkt war, in das Reich der Hölle geschickt. Ausgerechnet dieser schnieke Herr Kaden, ich glaub es einfach nicht.
rosarinimara 08.10.2008
schöner Artikel nur die Schlußfolgerung fehlt mir.. Kapitalismus begründet sich auf ständigen Wachstum, irgendwann ist auch in den Schwellenländern und der dritten Welt das Ende der Fahnenstange erreicht. Dann gibts noch [...]
schöner Artikel nur die Schlußfolgerung fehlt mir.. Kapitalismus begründet sich auf ständigen Wachstum, irgendwann ist auch in den Schwellenländern und der dritten Welt das Ende der Fahnenstange erreicht. Dann gibts noch Kriege,(alles kaputtbomben danach is Wiederaufbau nötig^^) Nicht zu vergessen die weniger werdenden Rohstoffe. Meiner Meinung nach (ja ich bin ein Schwarzseher und Ökofreak) gelangt dieses System spätestens in 50 - 100 Jahren an sein Ende
nupuk 08.10.2008
Vielen Dank für diesen guten Artikel und vor allem das Schlussplädoyer. Tatsächlich leben wir mittlerweile in einer Gesellschaft wo jeder es für sein gutes Recht erachtet, alles kaufen zu müssen/können/dürfen und das zu [...]
Vielen Dank für diesen guten Artikel und vor allem das Schlussplädoyer. Tatsächlich leben wir mittlerweile in einer Gesellschaft wo jeder es für sein gutes Recht erachtet, alles kaufen zu müssen/können/dürfen und das zu billigsten Preisen. Wer kauft denn heute noch regulär und ohne Rabatt? Wer überlegt denn noch, dass es bei den Dumping-Angeboten von Aldi, Tchibo & Co nicht mit rechten Dingen zu gehen kann und wirklich niemand mehr verdient? Umsatz ohne Marge ist das Stichwort und solange Manger nicht an qualitativen Zielen gemessen werden, werden wir weiterhin in diesem Sog bleiben.
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