Frankfurt am Main - Die Kursverluste am deutschen Aktienmarkt haben sich am Mittwoch deutlich ausgeweitet. Der Dax gab am Vormittag zunächst um 360 Punkte oder mehr als acht Prozent nach und fiel auf 4870 Punkte. Das war der tiefste Stand seit drei Jahren. Händler sprachen von "panikartigen Verkäufen".
Nach dem Durchbrechen der Marke von 5000 Punkten etwa 45 Minuten nach Handelseröffnung rauschte der Index zunächst immer weiter nach unten. Gegen 10.30 Uhr stabilisierte sich die Lage allerdings wieder etwas und der Index eroberte die 5000-Punkte-Marke zurück.
Die Kursverluste zogen sich durch alle Branchen. Unter Verkaufsdruck standen erneut Finanzwerte. Deutsche Bank
notierte bei 11,7 Prozent im Minus, Allianz
verlor 10,8 Prozent. Diese beiden Werte waren damit bis zum Mittag die größten Verlierer. Drittgrößter Verlierer war der neue Dax-Wert Kali + Salz
mit einem Minus von 10,3 Prozent.
Auch Autowerte verloren kräftig: BMW-Papiere
fielen um sechs Prozent, Daimler
um 9,6 Prozent. Gegen den Trend stiegen erneut Volkswagen
, die 2,8 Prozent zulegten; damit waren Volkswagen-Aktien neben SAP
(plus 0,1 Prozent) die einzigen Papiere im Dax in der Gewinnzone. Siemens
verlor mit 8,4 Prozent überdurchschnittlich und notierte bei 54,54 Euro.
Auch die anderen Indizes brachen ein. Der MDax
verlor fast sieben Prozent und der TecDax
knapp zehn Prozent.
Aber auch an den anderen europäischen Märkten rasten die Kurse in die Tiefe: In Frankreich brach der CAC 40
um mehr als acht Prozent ein, in der Schweiz ging es 6,6 Prozent abwärts, in Großbritannien sechs Prozent. Das Rettungspaket der britischen Regierung für die führenden Banken bremste den Kursverfall nur zum Handelsbeginn etwas.
Panik hatte zuvor bereits auf den asiatischen Märkten geherrscht. In Japan brach der Leitindex Nikkei
um 9,4 Prozent ein. Das war der größte Tagesverlust seit 1987. Der Index schloss um 952,58 Punkte tiefer bei 9203,32 Punkten. Das war der tiefste Stand seit fünf Jahren. Auch das wichtigste indonesische Börsenbarometer JSX stürzte um mehr als zehn Prozent ab. Die Kurse in Australien, Hongkong, China und Indien fielen ebenfalls stark.
Nach erneut heftigen Abstürzen zu Handelsbeginn hat die Moskauer Hauptbörse den Aktienindex MICEX gleich bis Freitag ausgesetzt. In der ersten halben Stunde nach Öffnung war der MICEX um mehr als 14 Prozent eingebrochen. Der RTS-Index verlor innerhalb von 30 Minuten mehr als elf Prozent und wurde für eine Stunde ausgesetzt. Die Börsen hatten am Montag ihre bislang schwersten Eintagesverluste verzeichnet. Am Dienstag hatte es dann nur noch leichte Verluste gegeben, nachdem Präsident Dmitrij Medwedew neue Maßnahmen angekündigt hatte, um die Liquidität im Bankensystem zu verbessern.
Die Wall Street hatte am Dienstagabend schlechte Vorgaben gegeben: Der Dow-Jones-Index
verlor mehr als 500 Punkte und schloss bei 9447,11 Punkten. Das war der niedrigste Stand des wichtigsten Börsenbarometers der Welt seit fünf Jahren.
kaz/ddp/AP
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