Bonn/Mainz - Telekom-Chef René Obermann steht nach den Datenpannen der vergangenen Monate unter Zugzwang. Das Thema entwickelt sich aus seiner Sicht mittlerweile "geschäftskritisch", zitiert die Finanznachrichten-Agentur dpa-AFX Konzernkreise.
Obermann reagiert nun mit einem Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Datensicherheit, das er am Freitag vorstellen will. Dabei werde er sich umfassend zu den Vorfällen äußern, hieß es. Ein Telekom-Sprecher bestätigte, dass eine Pressekonferenz für den Tag in Bonn geplant ist. Zu Details machte er keine Angaben.
Nach dem Auftauchen weiterer Missstände wolle Obermann die Datensicherheit "massiv verbessern" und führe dazu eine umfassende Untersuchung der Vorfälle durch, hieß es aus Konzernkreisen weiter. Geprüft werde eine Bündelung der bislang getrennten Bereiche Datenschutz und Konzernsicherheit. Dies könne dahin gehen, dass eigens ein Vorstandsposten für diese Funktion geschaffen werde. Personelle Konsequenzen schließe Obermann wegen der Datenpannen nicht mehr aus.
Nach Informationen der Agentur ist der am Wochenende bekanntgewordene Diebstahl von 17 Millionen Kundendaten kein Einzelfall. Alleine in diesem Jahr habe die Telekom drei Anzeigen wegen Datendiebstahls gestellt, hieß es. Neben einem bekannten Fall in Bremerhaven seien die Staatsanwaltschaften in Berlin und München eingeschaltet worden. In München sei ein Datenträger mit rund 70.000 Kundendaten aufgetaucht.
Gestohlene Daten sollen gelöscht werden
Die Telekom wird seit Monaten von mehreren Datenskandalen erschüttert. Im Mai hatte das Unternehmen bestätigt, dass Telefondaten von Journalisten und Aufsichtsräten ausgewertet worden waren. Auf diese Weise sollten Informationslecks gefunden werden. Am Wochenende war dann bekanntgeworden, dass über 17 Millionen Daten der Mobilfunksparte T-Mobile gestohlen wurden. Die Staatsanwaltschaft Bonn prüft derzeit, ob das zwischenzeitlich von der Staatsanwaltschaft Köln eingestellte Verfahren neu aufgerollt wird.
Der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte Edgar Wagner kündigte unterdessen die Löschung der Kundendaten an, die sich im Besitz eines Mainzer Erotikunternehmers befinden. Erste Ermittlungen hätten ergeben, dass der 27-jährige Tobias Huch tatsächlich seit 2006 im Besitz der Daten sei. Weshalb die Daten über zweieinhalb Jahre im Besitz des Unternehmers bleiben konnten, obwohl die Telekom informiert gewesen sei, sei nicht nachzuvollziehen.
Die Vorgänge um die Kundendaten seien skandalös. "Die Staatsanwaltschaft Bonn wird in den nächsten Tagen das zu Beweissicherungszwecken Nötige veranlassen", sagte Wagner am Donnerstag. Anschließend würden die T-Mobile-Kundendaten unter Aufsicht des Landesdatenschutzbeauftragten gelöscht.
amz/dpa/dpa-AFX/AP
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