Tokio/New York - Im Alleingang lässt sich die Krise nicht bewältigen. Zu diesem Schluss kam angesichts der rasanten Talfahrt des Nikkei-Index jetzt auch der japanische Finanzminister. "Die Folgen der Kreditkrise breiten sich in der ganzen Welt aus", sagte Shoichi Nakagawa am Freitag vor dem Treffen der G7-Ressortchefs in Washington. "Um die Kettenreaktion einzudämmen, ist Japan zu einer Führungsrolle bereit, um Ländern Finanzmittel zur Verfügung zu stellen."
Händler an der Tokioter Börse: Hoffen auf das US-Rettungspaket
Er werde sich bei dem G7-Treffen für eine engere internationale Zusammenarbeit aussprechen, sagte Nakagawa. Die Hilfen sollten dann über den Internationalen Währungsfonds (IWF) verteilt werden. Die Zeitung "Nikkei" berichtete, Japan werde vorschlagen, mehrere Billionen Dollar an Währungsreserven in Asien und dem Nahen Osten für IWF-Notpakete bereitzustellen.
Genügend Mittel wären in Asien durchaus vorhanden: Allein Japan hält 995 Milliarden Dollar an ausländischen Devisen, China verfügt derzeit über zwei Billionen Dollar.
In Washington kommen die G7-Finanzminister am Freitag zu ihrem turnusgemäßen Treffen vor der Jahrestagung von IWF und Weltbank zusammen. Von dem Treffen werden Entscheidungen zum weiteren Vorgehen im Kampf gegen die Finanzkrise erwartet.
Asiens Börsen im freien Fall
Der Druck ist allerdings enorm - und er wächst ständig. Denn an den Börsen weltweit herrscht weiterhin Ausverkaufsstimmung. Nach der steilen Talfahrt der US-Börse am Donnerstag brach am Freitag auch der Nikkei
ein.
Zur Handelsmitte notierte der 225 führende Werte umfassende Leitindex am Freitagvormittag um 11 Uhr Ortszeit ein Minus von 974,12 Punkten oder 10,64 Prozent bei 8183,37 Punkten. Besonders stark betroffen waren Aktien von Exportartikelherstellern, die auch unter dem starken Yen litten. Der Hang Seng in Hongkong rutschte in den ersten 30 Handelsminuten mehr als acht Prozent ab. Zum Börsenschluss verzeichnete der Nikkei mit 881,06 Punkten oder 9,62 Prozent den bisher drittgrößten Tagesverlust überhaupt und ging bei 8276,43 Punkten in ein verlängertes Wochenende.
Auch die neuerliche Finanzspritze der japanische Zentralbank konnte die Talfahrt nicht stoppen. Um die Liquiditätsversorgung sicherzustellen, hatte die Bank of Japan erneut Geld in den Markt gepumpt, diesmal 3,5 Billion Yen (25,5 Milliarden Euro). Die Bank führte die Liquiditätsversorgung am Vormittag dabei in zwei Runden durch, was als ungewöhnlich gilt. Auf diese Weise versucht sie, die Banken dazu zu bewegen, sich gegenseitig Geld zu leihen.
Erstmals hat die Finanzkrise auch ein japanisches Unternehmen der Finanzbranche in den Bankrott getrieben. Das mittelgroße Versicherungsunternehmen Yamato Life meldete am Freitag Konkurs an. Das Unternehmen erklärte, es sei wegen unerwarteter Verluste bei Wertpapiergeschäften im Zuge der Finanzmarktkrise in die Schieflage geraten. Als Folge der Wertverluste an den Börsen hätten sich Schulden in Höhe von rund 2,7 Milliarden Dollar angehäuft.
Händler ratlos
Händler zeigten sich ratlos angesichts des neuerlichen Kurseinbruchs. "Niemand kauft mehr, fundamentale Daten spielen keine Rolle mehr, und es gibt keine Erklärung für einen solchen Absturz", sagte der Chefstratege von Daiwa Securities Group
Asset Management, Yoshinori Nagano.
Nagano hofft jetzt auf eine schnelle Umsetzung des 700-Milliarden-schweren Rettungspakets für die US-Finanzbranche. "Die US-Regierung diskutiert immer noch, ob sie Geld in Finanzinstitute pumpen soll. Sie muss handeln, selbst wenn das gegen das Gesetz wäre", sagte der Experte.
Zuvor hatten auch die US-Börsen den Handel den siebten Tag in Folge mit massiven Verlusten beendet. Die drei wichtigsten Indizes schlossen auf dem tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren. So verlor der Dow-Jones-Index der Standardwerte 7,3 Prozent auf seinen mit 8579 Punkten tiefsten Stand seit Juni 2003.
US-Präsident George W. Bush will wegen der Finanzkrise und der Börseneinbrüche am heutigen Freitag erneut eine Ansprache halten. Wie die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, am Donnerstag sagte, will Bush versichern, "dass alle Anstrengungen unternommen werden, die Märkte zu stabilisieren".
Die US-Regierung erwägt angesichts der immer bedrohlicheren Lage inzwischen eine direkte Beteiligung des Staates an Banken. Einen solchen Rettungsplan hatte zuvor bereits Großbritannien verkündet.
mik/dpa/Reuters/AFP
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