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13.10.2008
 

Finanzkrise

Banken-Notpläne heben Asiens Börsen ins Plus

Kursgewinne in Seoul, Singapur und Hongkong: Die geplanten Rettungsmaßnahmen für das internationale Finanzsystem haben den meisten Börsen im Asien-Pazifik-Raum Auftrieb verliehen - vor allem die Aktien von Banken legten zu. Jetzt hoffen Händler auf einen positiven Start auch in Frankfurt.

Sydney/Seoul - Ist das die Trendwende nach Tagen dramatischer Verluste? Der internationale Aktienhandel ist mit steigenden Kursen in die neue Woche gegangen. Die Börsen im Asien-Pazifik-Raum reagierten positiv auf die weltweit von verschiedenen Regierungen geplanten Rettungsaktionen für das vom Kollaps bedrohte Finanzsystem.

Börseninteressierter vor Kurstafel (in Shanghai): "Viele Aktien sind so billig wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr"
REUTERS

Börseninteressierter vor Kurstafel (in Shanghai): "Viele Aktien sind so billig wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr"

Die Börsen in Sydney, Singapur und Seoul meldeten teilweise kräftige Kursgewinne. Shanghai und Taiwan setzten den von Rezessions-Sorgen getriebenen Abwärtstrend der vergangenen Woche fort. Tokios Börse blieb wegen eines Feiertags geschlossen. Die Stimmung in Asien gilt als wichtiger Indikator für die Eröffnung der europäischen Börsen.

Sydney, Seoul, Singapur und Hongkong legten zunächst teils kräftig zu. Der australische ASX-200-Index stieg zeitweise um mehr als sechs Prozent - so stark wie in so kurzer Zeit seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Gegen Mittag tendierte der Index dann bei 4101 Punkten, rund 3,5 Prozent höher als am Freitag, als er 8,3 Prozent verloren hatte. Der Kospi in Südkorea zog zunächst 2,5 Prozent an, fiel aber gegen Mittag auf 1259 Punkte oder plus 1,4 Prozent zurück. Der Straits Times Index in Singapur gab auch nach frühen Gewinnen nach und tendierte gegen Mittag bei 1959 Punkten, 0,5 Prozent höher als Freitag. Der Hang Seng in Hongkong gab frühe Gewinne von zwei Prozent schnell auf und stand am Mittag fast unverändert bei 14819 Punkten.

Vor allem Banken schnitten nach den angekündigten Kapitalspritzen der reichsten Länder überdurchschnittlich gut ab. National Australia Bank und ANZ legten in Sydney fast zehn Prozent zu. Die Regierung in Australien hatte am Sonntag nach allen anderen Industrieländern ebenfalls Garantien für Bankeinlagen abgegeben. "Es gibt viele Schnäppchen", sagte Analyst Craig James im australischen Rundfunk.

"Wir dürften ziemlich an der Talsohle sein, und viele Aktien sind so billig wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr."

An der Wall Street signalisierten steigende Kurse von Indexoptionsscheinen eine Trendwende. Die Dow-Jones-Futures legten um 2,8 Prozent auf 8.605 zu. Der Dow-Jones-Index war am Freitag um 1,5 Prozent auf 8.451,49 gefallen. In den vergangenen acht Handelstagen hat der Dow-Jones-Index 22,1 Prozent an Wert verloren. Seit dem Rekordhoch von 14.164,53 am 9. Oktober 2007 betrugen die Einbußen 40,3 Prozent.

Die G-7-Finanzminister hatten bei der Tagung von IWF und Weltbank am Wochenende beschlossen, wichtige Finanzinstitutionen vor dem Untergang zu bewahren, eingefrorene Kreditmärkte aufzutauen und staatliches Kapital für Banken in Aussicht gestellt. Der Krisengipfel der 15 Euro-Länder beschloss anschließend in Paris einen Schutzschirm für das gesamte Bankensystem.

Einige Börsianer wie David Kotok von der Firma Cumberland Advisors äußerten die Erwartung, dass der Aktienmarkt jetzt seinen Boden gefunden habe. Andere Experten waren hingegen weniger optimistisch und wiesen auf den Crash von 1987 hin. Damals stürzte der Aktienmarkt nach Zwischenphasen der Erholung immer wieder in ein neues Tief.

Zum Auftakt der neuen Börsenwoche will die Bundesregierung die Finanzwirtschaft mit einem beispiellosen Rettungspaket vor dem drohenden Zusammenbruch bewahren. Die Regierung setzt damit den Beschluss eines Krisengipfels der 15 Euro-Staaten in Paris um.

Der Rettungsplan soll ein Volumen von 300 bis 400 Milliarden Euro haben, wie Unionsfraktionschef Volker Kauder am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will" bestätigte. Er enthält in Übereinstimmung mit dem Pariser EU-Beschluss staatliche Bürgschaften für Kredite zwischen den Banken und Unterstützung bei der Ausstattung mit Eigenkapital. Außerdem sollen die Bilanzierungsregeln gelockert werden, damit die Banken wertlos gewordene Papiere nicht zum aktuellen Marktpreis verbuchen müssen und dadurch in die roten Zahlen rutschen.

hen/dpa/AP

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