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Millennium Firmen-Milliarden bannten den Bug

Die deutsche Wirtschaft hat den Doppelnull-Sprung offenbar ohne größere Probleme überstanden. Eine Umfrage der Deutschen Presseagentur ergab: Die milliardenteuren Abwehrmaßnahmen der Unternehmen gegen den Millennium-Bug haben sich bewährt.

Frankfurt am Main - Beim Deutschen Industrie- und Handelstag (DHIT) in Berlin lagen nach Angaben eines Sprechers zunächst keine Hinweise auf Umstellungsprobleme vor. Auch beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) gingen keine Berichte über Probleme ein.

Ein Jahr nach dem Start der Europäischen Währungsunion bestand das Euro-System eine weitere große Bewährungsprobe. Dank umfangreicher Vorarbeiten berichtete die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main von einem gelungenen Jahreswechsel. "Alle Systeme funktionieren einwandfrei", teilte die EZB mit. Sie hatte zur Sicherheit ihr Großzahlungssystem Target über den Jahreswechsel geschlossen.

"Entwarnung", hieß es quer durch die Branchen. "Es ist zu früh, eine endgültige Bilanz zu ziehen", gab allerdings Christiane Hinze vom Computer-Unternehmen IBM in Stuttgart zu bedenken. "Bisher hatten wir weltweit keine Probleme. Aber viele Unternehmen werden ihre Computer erst jetzt hochfahren."

Ein Sprecher des Versicherungskonzerns Allianz sagte: "Wir haben intern keinerlei Probleme, und auch von Kunden wurden uns bisher keine Schäden gemeldet." Auch bei ausländischen Töchtern seien keine Schwierigkeiten aufgetreten.

Ohne Probleme bewältigten die Banken den Datumssprung. Zahlungsverkehr, Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker funktionierten einwandfrei. "Alles läuft bestens", sagte Commerzbank-Sprecher Dieter Schütz in Frankfurt. Die Banken hatten sich mit großem Aufwand vorbereitet.

Hatte wenig zu tun: Y2K-Schichtleiter Matthias Herrmann im Kontrollzentrum der Dresdner Bank in Frankfurt
DPA

Hatte wenig zu tun: Y2K-Schichtleiter Matthias Herrmann im Kontrollzentrum der Dresdner Bank in Frankfurt

"Das hat sich gelohnt", sagte Klaus Thoma, Pressesprecher der Deutschen Bank. Allein dieses Geldinstitut habe rund eine Milliarde Mark in die Vorsorge investiert. "Wir haben keinerlei Probleme", sagte ein Sprecher der HypoVereinsbank in München. Das Unternehmen hatte mehr als 100 Millionen Mark für die Vorsorge ausgegeben.

Die Deutsche Postbank verzeichnete zwar Probleme, allerdings hingen diese nicht mit dem 2000-Sprung zusammen. Das Computersystem sei zeitweise überlastet gewesen, da viele Kunden zeitgleich die Zinsgutschriften auf ihre Sparkonten vornehmen wollten, sagte ein Postbank-Sprecher dem "Tagesspiegel".

Entspannt reagierte auch die deutsche Autoindustrie. Ein BMW-Sprecher erklärte, es gebe keine Schwierigkeiten. Der Autoproduzent will in der kommenden Woche die Produktion wieder angefahren. Der Konzern habe im Vorfeld 16.000 Computerprogramme überprüft und 200 Millionen Mark ausgegeben.

Auch bei DaimlerChrysler lief alles nach Plan. "Aber man kann es erst genau wissen, wenn alle Systeme einmal gelaufen sind", sagte eine Sprecherin in Stuttgart. "Bei uns ist es völlig störungsfrei gelaufen", hieß es auch bei Volkswagen in Wolfsburg.

Die Dresdner Chipfabrik des US-Halbleiterproduzenten Advanced Micro Devices (AMD/Sunnyvale) schaffte problemlos den Jahreswechsel, sagte ein Sprecher. Auch die größte deutsche Werft Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) schaffte nahezu reibungslos den Übergang in das neue Jahr. "Nur bei unserem Stücklistensystem hat der Rechner das Datum 2000 nicht akzeptiert", sagte Sprecher Jens Peters in Kiel.

Der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Frankfurt am Main lagen keine Meldungen über Störungen vor. "Es ist alles in Ordnung", berichtete Hans-Joachim Reinhardt, der Jahr-2000-Beauftragte. Allerdings müsse man noch die nächsten Tage abwarten. Bei der IHK für München und Oberbayern gingen nur wenige Anrufe ein. "Dabei ging es nur um kleinere technische Fragen", sagte eine Sprecherin. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Leipziger Region gab es ebenfalls keine Schwierigkeiten. "Offenbar hatten sich viele Firmen sehr gut vorbereitet", sagte ein Sprecher in Leipzig.

Auch auf den internationalen Aktien- und Devisenmärkten klappte der Start ins Jahr 2000 reibungslos. Zuerst hatten die asiatischen Märkte Entwarnung gegeben. Auch die am Montag wegen Feiertagen geschlossenen Börsen in Sydney, Tokio, Zürich und London zeigten sich zuversichtlich nach umfangreichen Testläufen, an diesem Dienstag ohne Probleme handeln zu können.

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