Detroit/New York - Chrysler verstärkt die Suche nach einem Retter: Der angeschlagene US-Hersteller ist offenbar mit mehreren Autobauern wie Renault und General Motors (GM) in Gesprächen. Dabei gehe es um den Verkauf von Teilen oder des Gesamtkonzerns bis hin zur Gründung von Allianzen, heißt aus Verhandlungskreisen. Die Gespräche seien aber noch in einem frühen Stadium.
Chrysler-Produktion: Beschleunigte Partnersuche
GM und Chrysler haben einem Pressebericht zufolge ihre Fusionsgespräche beschleunigt. GM sei an einer schnellen Einigung interessiert, da die Drittquartalszahlen "trist" ausfallen dürften und der Konzern auf der Suche nach neuen Finanzierungsquellen sei, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ) unter Berufung auf Verhandlungskreise. Dies treibe den ehemals weltweit größten Automobilkonzern an, die Transaktion noch im Oktober fest zu machen. Auch einige kreditgebende Chrysler-Banken wie JP Morgan Chase unterstützten einen Zusammenschluss.
Wie das "WSJ" weiter berichtet, ist der Chrysler-Mehrheitsaktionär Cerberus daran interessiert, an einem künftigen Konzern GM-Chrysler beteiligt zu sein. Allerdings seien beide Seiten von einer festen Vereinbarung noch weit entfernt. Einige GM-Aufsichtsratsmitglieder stünden einer solchen Verbindung nach wie vor ablehnend gegenüber. Beide Unternehmen wollten den Bericht nicht kommentieren.
Chrysler-Chef Bob Nardelli wollte sich zu Einzelheiten der laufenden Partnersuche nicht äußern, bestätige aber, dass das Unternehmen für eine entsprechende Lösung offen sei. Das Marktumfeld erlaube eine Konsolidierung der Branche, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. "Nicht nur in den USA, sondern weltweit", sagte Nardelli.
Im Falle einer Fusion rückt auch ein Verkauf der restlichen Chrysler-Anteile von Daimler an Cerberus näher. Denn eine Einigung in den Gesprächen hänge davon ab, dass Cerberus auch den verbleibenden Anteil von knapp 20 Prozent von Daimler erwerbe. Der Stuttgarter Konzern hat offenbar kein Interesse daran, an einem Zusammenschluss zwischen Chrysler und einem anderen Wettbewerber beteiligt zu sein.
Cerberus hatte Chrysler erst vor einem Jahr von Daimler
gekauft und zieht informierten Kreisen zufolge nun mehrere Möglichkeiten in Betracht, die auch zu einer Zerschlagung seiner Tochter führen könnten. Als Alternative für eine Übernahme des gesamten Chrysler-Konzerns könnte GM etwa die absatzstarke Minivan-Reihe oder das mexikanische Lastwagenwerk des drittgrößten US-Autobauers kaufen.
Der starke Abschwung am US-Automarkt hat den Druck auf die Hersteller erhöht. Der GM-Absatz im Heimatmarkt fiel nach den ersten neun Monaten um 18 Prozent auf 2,43 Millionen Fahrzeuge. Chrysler büßte von Januar bis September 25 Prozent auf 1,18 Millionen Fahrzeuge ein.
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