Washington - Bis zu 250 Milliarden Dollar will das US-Finanzministerium zur Rettung angeschlagener Banken bereitstellen. Doch wer sich retten lassen will, muss offenbar mehr Bedingungen akzeptieren als bislang bekannt war. Nach einem Bericht der "New York Times" will die US-Regierung die Finanzbranche nicht nur stabilisieren - sie will sie auch restrukturieren.
US-Finanzminister Paulson: Restrukturierung statt Stabilisierung
"Das Finanzministerium will keine schwachen Banken stützen", zitiert die "New York Times" einen ihrer Informanten. Sie wolle die "Konsolidierung vorantreiben". Eine offizielle Stellungnahme der Regierung gab es vorerst nicht.
Ohnehin hat sich die Finanzkrise bislang als Konsolidierungs-Katalysator erwiesen. Abstürzende Aktienkurse und der zeitweilige Zusammenbruch des Interbankenmarkts, also des Kapitalaustausches der Banken untereinander, brachten viele Institute an den Rand des Bankrotts.
In der Folge kauften unter anderem der Finanzkonzern JP Morgan Chase die fünftgrößte Investmentbank Bear Stearns, und die bisher drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch rettete sich in die Arme der Bank of America. Später übernahm JP Morgan auch noch das Bankgeschäft von Washington Mutual, der ehemals größten US-Sparkasse.
Wall Street feiert Aussicht auf neues Konjunkturprogramm
Während Paulson an der Finanzfront kämpft, setzt sich US-Notenbankchef Ben Bernanke für ein weiteres Konjunkturprogramm für Verbraucher ein. "Da die Wirtschaft wahrscheinlich über mehrere Quartale hinweg schwach bleibt und angesichts eines gewissen Risikos eines ausgedehnten Abschwungs, scheint es angemessen, dass der Kongress ein Konjunkturpaket erwägt."
Mit seinen Äußerungen im Haushaltsausschuss stellte Bernanke sich hinter Forderungen der US-Demokraten. Die Partei hatte eine weitere Konjunkturstütze im Umfang von bis zu 150 Milliarden Dollar ins Gespräch gebracht. Präsident George W. Bush zeigte sich grundsätzlich offen für ein neues Paket. "Wir sind offen für Ideen und werden uns anschauen, was auf den Tisch kommt", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, am Montag.
Der US-Kongress hatte Anfang des Jahres ein erstes Konjunkturprogramm mit einem Gesamtvolumen von 168 Milliarden Dollar (125 Milliarden Euro) verabschiedet, das vor allem Steuergeschenke beinhaltete.
Der Wall Street gab Bernankes Forderung Auftrieb: Mit der Aussicht auf weitere Stützen für die schwächelnde Konjunktur durch die US-Regierung legten die New Yorker Börsen deutlich zu. Der Dow Jones
stieg am gestrigen Montag um 4,67 Prozent auf 9265 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 kletterte um 4,77 Prozent auf 985 Stellen. Der Technologie basierte Nasdaq Composite
gewann 3,43 Prozent auf 1770 Zähler.
ssu/AP/dpa/Reuters
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