Teheran/Berlin - Der Gasmarkt steht vor einer grundsätzlichen Neuordnung: Russland, Iran und Katar stehen vor der Gründung eines Gaskartells nach dem Vorbild der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Die drei größten Gas-Förderländer der Welt hätten sich auf die Grundlagen einer solchen Organisation geeinigt, erklärten hochrangige Vertreter der Staaten am Dienstag nach einem Treffen in Teheran. Eine Kommission soll nun die Details ausarbeiten.
"Es gibt einen Bedarf für eine Gas-Opec, und wir sind uns einig, dass wir eine Gas-Opec gründen werden", sagte Irans Ölminister Gholamhossein Nosari. Der Chef des russischen Energiekonzerns Gazprom, Alexej Miller, sprach von "der Gründung einer bedeutenden Gas-Troika".
Miller nannte als erstes mögliches Gemeinschaftsprojekte die Suche nach neuen Vorkommen, das Raffinieren und den Verkauf von Gas. "So Gott will, wird man beim nächsten Treffen der Gas exportierenden Länder die Gründung der Organisation bestätigen", sagte Katars Energieminister Abdullah Al-Attija.
Russland und Iran streben seit längerem an, aus dem wenig einflussreichen Forum der Gas exportierenden Länder (GECF) eine mächtigere Organisation nach Opec-Vorbild zu machen. Weitere potentielle Mitglieder sind Algerien, Venezuela, Nigeria, Ägypten, Indonesien und Libyen. Europa und die USA sind gegen das Bündnis. Die Verbraucherländer fürchten Preismanipulation und die Gefährdung ihrer Energieversorgung.
Bald höhere Gaspreise in Deutschland
Tatsächlich bleibt die Lage an den Gasmärkten weiter angespannt. Verbraucher in Deutschland müssen sich auf höhere Kosten einstellen. 75 Versorger planen in den kommenden Monaten Preiserhöhungen von bis zu 23 Prozent, berichtet das Verbraucherportal Toptarif am Dienstag. Neben mehreren kleinen und mittleren Stadtwerken gehörten auch sechs E.on-Tochterunternehmen sowie der Energiekonzern EnBW
zu den Anbietern, die Preissteigerungen angekündigt hätten. Bereits im September und Oktober hatten fast 500 Anbieter die Preise erhöht.
Laut Toptarif steigen bei den betroffenen Verbrauchern in den kommenden Monaten die Preise in der Grundversorgung mit Gas durchschnittlich um elf Prozent. Für eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeute das jährliche Mehrkosten von rund 170 Euro.
Toptarif-Experte Thorsten Bohg sagte, Gas bleibe vorerst einer der größten Inflationstreiber. "Im Vergleich zu November 2007 liegt die Teuerungsrate für den durchschnittlichen Endverbraucher in Deutschland bei 23,2 Prozent", fügte Bohg hinzu. Für Familien ergäben sich dadurch zusätzliche Belastungen von bis zu 310 Euro im Jahr.
Kampf für niedrigere Gaspreise
Für Gaskunden sind diese Erhöhungen besonders bitter: Der Gaspreis ist eigentlich an den Ölpreis gekoppelt - und der kennt derzeit nur eine Richtung: nach unten. Im Sommer lag er zeitweise noch bei 145 Dollar, am Dienstag kostet ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) rund 74 Dollar. Es dauert allerdings eine Weile, bis diese Preissenkung sich auch auf die Gaspreise auswirken wird: Die allgemeine Lage werde sich erst nach der aktuellen Heizperiode wieder etwas beruhigen, "wenn die momentane Ölpreisentwicklung letztendlich auf dem Gasmarkt ankommt", sagte Verbraucherschützer Bohg.
Die Bundesnetzagentur setzt inzwischen ihren Kampf für niedrigere Gaspreise fort: Sieben weitere Gasnetzbetreiber müssen binnen zwei Monaten ihre Kosten offenlegen und sich ab 2010 die Preise für die Gas-Durchleitung deckeln lassen, wie die Behörde am Dienstag in Bonn mitteilte. Bei den Unternehmen handle es sich um die Gas-Transport-Firmen Eni Gas, Dong Energy Pipelines, Erdgas Münster, Gaz de France, Ontras-VNG, RWE und StatoilHydro. Die Firmen stehen für ein Drittel der deutschen Gasferntransporte. Bereits vor wenigen Wochen hatten mit E.on-Gastransport, Gasunie und Wingas die großen Drei des deutschen Gastransports einen entsprechenden Bescheid erhalten.
Die Forderung nach Offenlegung der Kosten soll die sogenannte Anreizregulierung vorbereiten, der sich die Firmen ab 2010 unterwerfen müssen. Dabei legt die Netzagentur den Gewinn fest, den die Betreiber machen dürfen, diese müssen ihre Netzentgelte dann entsprechend kalkulieren. Dabei orientiert sich die Vorgabe der Netzagentur an den effizientesten Firmen der Branche.
Die Bundesnetzagentur kritisiert, dass es beim Gastransport in Deutschland kaum Wettbewerb gebe. So werde das Gros der Pipeline-Kapazitäten meist von den Mutterfirmen der Gas-Transport-Unternehmen reserviert. Außerdem bemühten sich die Gasnetzfirmen nicht, ihr Angebot an Pipelines aktiv zu vermarkten.
cvk/ddp/AP/dpa/dpa-AFX/Reuters
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