Frankfurt am Main - Der Dax
ist am Freitag massiv eingebrochen. Das Börsenbarometer fiel bis Freitagmorgen zeitweise um mehr als elf Prozent und näherte sich dabei bedrohlich der 4000-Punkte-Marke. Mittlerweile mäandert er bei minus acht bis zehn Prozent. Die schlechten Vorgaben belasten auch die US-Börsen: Der Dow Jones
steht vor Handelsstart mit sechs Prozent im Minus.
"Das ist keine Panik mehr, das ist schon eine Kapitulation", kommentierte ein Marktexperte die neuen Verluste. "Der Anleger fällt in die stabile Seitenlage und kann nur noch zuschauen." Ein zweiter Händler sagte, ihm fehle mittlerweile die Fantasie, wie weit es noch nach unten gehen könnte. "Aktuell gilt am Markt das Motto: Alles muss raus!"
Konsternierter Börsenhändler: Rezessionspanik belastet Europas Börsen
Chefvolkswirte einiger deutscher Banken sehen nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung Deutschland schon jetzt in einer Rezession. Nach Berechnungen der DekaBank ist die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft. Die Postbank
sieht dem Bericht zufolge ein Minus von 0,1 Prozent. Schon im zweiten Quartal war das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozent gesunken.
Als weiteren Grund für den Absturz nannten Händler, den sich immer weiter verteuernden Yen. "Das gibt dem Markt den Rest", sagte ein Stratege. "Die ehemals zu Traumkonditionen aufgenommenen Yen-Kredite - die sogenannten Carry-Trades - werden durch die massive Aufwertung der japanischen Währung zu teuer. Sie werden nun kompromisslos zurückgefahren."
Durch die Kursstürze der vergangenen Monate haben die Dax-Unternehmen seit Jahresbeginn rund die Hälfte ihres Börsenwertes eingebüßt. Das Minus beläuft sich zusammengerechnet auf knapp 500 Milliarden Euro - also in etwa dem Volumen des Rettungspaketes der Bundesregierung für die angeschlagene Finanzbranche.
Besonders hart traf es die Bankentitel: Sie verloren in diesem Zeitraum durchschnittlich drei Viertel ihres Wertes. Aktuell machen Commerzbank
, Deutsche Bank
und Hypo Real Estate
nur noch knapp fünf Prozent der Marktkapitalisierung aller Dax-Firmen aus. "Die Klassifizierung des Dax als 'finanzlastiger' Index hat sich im Zuge der Subprime- und Finanzkrise erübrigt", stellten Analysten fest.
Börsen in ganz Europa tief im Minus
Auch über andere europäische Aktienmärkte fegte der Börsensturm hinweg. Der Leitindex EuroStoxx 50
verlor zeitweise mehr als zehn Prozent . Für den Londoner FTSE 100
ging es um mehr als acht Prozent nach unten. Der französische CAC 40
sackte um neun Prozent ab.
Vor allem Aktien von Automobilunternehmen sorgten mit gesenkten Prognosen für trübe Stimmung. Die Aktien des französischen Autobauers Renault
brachen um fast 19 Prozent ein. Peugeot
-Titel fielen um mehr als 14 Prozent, Volvo
-Papiere um mehr als 21 Prozent. Auch Bankwerte litten unter den Sorgen um eine wirtschaftliche Abschwächung. So fielen die Titel der britischen Bank HSBC um mehr als elf Prozent, und die Aktien des spanischen Instituts Santander
verloren mehr als 13 Prozent.
Ein weiterer Grund für die Kursstürze in ganz Europa ist nach Angaben von Händlern die schlechte Ökonomie in Großbritannien. Nach amtlichen Zahlen schrumpfte dort die Wirtschaft erstmals seit 16 Jahren. Die Statistikbehörde teilte am Freitag mit, das BIP sei im dritten Quartal um 0,5 Prozent gesunken. Das Land könnte in eine Rezession rutschen, wenn das Wachstum auch im folgenden Quartal noch ausbleibt.
Euro im Sinkflug
Der Euro
setzte seinen Sinkflug gegenüber dem Dollar fort. Die Gemeinschaftswährung notierte gegen Mittag teils unter der 1,25-Dollar-Marke - so tief wie seit mehr als zwei Jahren nicht.
Zuvor hatte schon der Nikkei
in Tokio erneut fast zehnprozentige Verluste hinnehmen müssen. Er fiel auf nur noch 7649 Punkte. Zuletzt hatte der Index im Mai 2003 unter 8000 Punkten gelegen. Grund für den Ausverkauf war das Erstarken des Yens, was Exporte für japanische Unternehmen verteuert.
Die Börse in Südkorea schloss mit einem Minus von 10,6 Prozent erstmals seit mehr als drei Jahren unter 1000 Punkten: Der Leitindex in Seoul fiel um 110 Punkte auf 938 Zähler. Vor allem schlechte Prognosen in den Quartalsbilanzen zahlreicher Unternehmen nähren weiter Rezessionsängste.
ssu/AP/dpa/ddp/Reuters
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