Bonn - Die Belastungen der Postbank im dritten Quartal sind horrend: Allein 364 Millionen Euro Miese machte die Bank wegen ihres Engagements bei der US-Pleitebank Lehman Brothers, insgesamt belaufen sich die Verluste vor Steuern von Juli bis September auf 449 Millionen Euro.
Postbank: Die Übernahme wird für die Deutsche Bank teurer
Weil durch die Verluste die Eigenkapitalquote auf 5,5 Prozent und damit deutlich gesunken ist, will sich die Postbank
durch eine Kapitalerhöhung neues Geld beschaffen. Die Ausgabe neuer Aktien soll mindestens eine Milliarde Euro bringen. Das ist nötig, da die Eigenkapitalquote entscheidend für die Kreditvergabe einer Bank ist.
Die Postbank-Mehrheitseignerin Deutsche Post
erklärte, sie werde sich an der deshalb notwendigen Kapitalerhöhung gemäß ihrem Anteil von gut 50 Prozent der Aktien beteiligen und die Papiere zu einem Bezugspreis von 18,25 Euro zeichnen. Außerdem sei sie bereit, auch die anderen neu auszugebenden Aktien der Postbank zu diesem Preis zu übernehmen, sollten sich keine Abnehmer finden.
Dies würde einer Kapitalspritze von maximal einer Milliarde Euro entsprechen. Die Maßnahme soll noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Daher steigt der Post-Anteil an der Postbank vorübergehend von gut 50 Prozent auf maximal 62,52 Prozent. Die Deutsche Post erklärte, sie sei "fest überzeugt" von der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells der Postbank und von deren Wachstumsaussichten.
Auch die Deutsche Bank
, die mit der Post eine schrittweise Übernahme der Postbank vereinbart hat, soll neben den vereinbarten 29,75 Prozent an der bisherigen Postbank im
ersten Quartal 2009 auch den gleichen Anteil an den neu ausgegebenen Aktien übernehmen. Zu den vereinbarten 2,8 Milliarden Euro kommen nach der Postbank-Kapitalerhöhung 300 Millionen Euro hinzu, wie die Deutsche Bank am Montag bestätigte.
Das Banken-Rettungspaket der Bundesregierung nimmt die Deutsche Postbank damit offenbar vorerst nicht in Anspruch. "Wir haben uns für eine private Lösung entschieden", sagte Finanzchef Marc Hess am Montag. Die Postbank prüfe aber grundsätzlich alle Möglichkeiten des Hilfsfonds der Bundesregierung. Neben der Kapitalerhöhung will die Postbank ihre dünner gewordene Eigenkapitaldecke auch dadurch erhöhen, dass sie für dieses Jahr keine Dividende auszahlt
Um angesichts der Finanzkrise weniger abhängig von den Schwankungen an den Märkten zu werden, will die größte deutsche Filialbank in den nächsten Jahren ihr Handelsgeschäft deutlich zurückfahren. Die Risiken sollten damit reduziert werden, kündigte Hess an. Im Gegenzug will die Bank das klassische Kundengeschäft ausbauen.
Neben dem Engagement bei der Pleitebank Lehman machte der Postbank auch der Absturz der Aktienmärkte zu schaffen: Wertkorrekturen auf Aktien- und Investmentfondsbestände belasteten die Bank mit 65 Millionen Euro. Faule Kredite und Derivate in diesem Markt bescherten dem Institut ein zusätzliches Minus von 248 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten des Jahres machte die Postbank damit einen Verlust von 112 Millionen Euro vor Steuern.
Angesichts des schlechten Geschäfts im dritten Quartal wegen der Finanzkrise gab die Deutsche Post zudem eine Gewinnwarnung ab. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern nur noch mit einem Vorsteuergewinn von 2,4 Milliarden Euro, zehn Prozent weniger als im Vorjahr und rund 17 Prozent weniger als bislang erwartet.
Die Wachstumsaussichten seien "in Folge der globalen Finanzkrise und der sich abschwächenden Wirtschaft alles andere als berechenbar", erklärte die Post. Im dritten Quartal verdiente der Konzern demnach um Sondereffekte bereinigt mit 468 Millionen Euro rund acht Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Die Aktienkurse von Deutscher Post und Postbank brachen nach den negativen Nachrichten schwer ein und verloren jeweils deutlich mehr als 15 Prozent.
cvk/dpa-AFX/Reuters/AFP
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