Frankfurt am Main - Die Finanzkrise zieht den Dax nach unten - allein Volkswagen stemmt sich mit Wucht gegen den Abwärtstrend. Die Aktie des Autobauers schoss angesichts der geplanten Machtübernahme durch Porsche
um zeitweilig mehr als 200 Prozent nach oben. Am Abend notierte das Papier bei 520 Euro, ein Gewinn von 309 Euro respektive 146 Prozent.
Händler an der Frankfurter Börse: Eine Aktie gegen alle anderen
Ganz oben auf der Verkaufsliste der Anleger standen die Papiere der Postbank
und ihrer Muttergesellschaft Deutsche Post
. Die Postbank-Aktie brach um 24 Prozent auf 14,25 Euro ein, die der Post um 17,4 Prozent auf 7,99 Euro. Die geplante Kapitalerhöhung der Postbank setzt auch der Deutschen Bank
zu: Das größte deutsche Kreditinstitut muss für den geplanten Einstieg bei der Postbank nun mehr bezahlen. Deutsche-Bank-Papiere verloren 15,1 Prozent auf 25,69 Euro.
Zahlreiche Händler hatten in den vergangenen Wochen geliehene VW-Aktien verkauft. Sie wollten sie später zu niedrigeren Kursen zurückkaufen, und erst dann den Besitzern wiedergeben. Sie wurden aber von der Aufstockung der Porsche-Beteiligung an VW auf mehr als 42 Prozent kalt erwischt. Nun haben die Händler das Problem, dass weniger VW-Aktien am Markt sind, als nach den Leerverkäufen zurückgekauft werden müssen. Deshalb ist an der Börse eine regelrechte Jagd auf die Papiere ausgebrochen - und die überhöhte Nachfrage treibt die Kurse.
Porsche hatte am Sonntag angekündigt, den Anteil an VW im nächsten Jahr auf eine Dreiviertelmehrheit aufzustocken, um den Weg für einen Beherrschungsvertrag frei zu haben. Bereits bis Ende 2008 will der Sportwagenbauer das Steuer in Wolfsburg mit über 50 Prozent der Stimmrechte übernehmen. Porsche hält seit Ende vergangener Woche 42,6 Prozent der Stimmen an VW. Weitere 31,5 Prozent der Stammaktien kann Porsche mit einem deutlichen Abschlag zum aktuellen Börsenkurs erwerben, da der Kaufpreis für dieses bei institutionellen Investoren vermutete Paket über Optionen schon vor langer Zeit abgesichert wurde.
Das Land Niedersachsen hält als zweitgrößter Aktionär weitere 20,2 Prozent der Stimmrechte. Daher sind rechnerisch nur noch knapp sechs Prozent der Stimmrechte im Streubesitz. Angesichts dieses niedrigen Anteils könnte die VW-Stammaktie aus dem Dax fallen. Branchenexperten erwarten, dass sie dann durch die stimmrechtslosen Vorzugsaktie ersetzt wird.
Mit einem Beherrschungsvertrag könnte Porsche auf die Barmittel von VW zugreifen und die große Entwicklungsabteilung der Wolfsburger nach seinem Gutdünken steuern. Die Aufstockung auf 75 Prozent sei an die Bedingung geknüpft, dass die wirtschaftlichen Bedingungen dafür stimmten, schränkten die Stuttgarter ein. Branchenexperten halten es für möglich, dass Porsche wegen der Finanzmarktkrise zunächst bei der einfachen Mehrheit bleiben wird. Auch wegen der im VW-Gesetz und der Unternehmenssatzung festgeschriebenen Sonderrechte Niedersachsens kann Porsche
bei Volkswagen
bis auf weiteres nicht frei schalten und walten. "75 Prozent an VW würden Porsche in der jetzigen Situation nichts bringen", sagte der Autoanalyst der NordLB, Frank Schwope.
cvk/Reuters/dpa-AFX/ddp
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