New York/Hamburg - US-Börsianer, die auf einen Obama-Effekt gehofft hatten, wurden am Mittwoch enttäuscht. Nach dem Wahlsieg des Demokraten bei der Präsidentschaftswahl blieb das erhoffte Kursfeuerwerk aus. Zum Handelsauftakt notierte der Leitindex Dow Jones
mit rund einem Prozent im Minus, erholte sich im weiteren Handelsverlauf aber wieder etwas. Auch der breiter gefasste S&P-Index und die Technologiebörse Nasdaq Composite
rutschen in die Verlustzone.
"Nun ist wieder der Alltag mit Finanzkrise und Rezession eingekehrt", sagte ein Händler auf dem New Yorker Parkett. Erneut gerieten entsprechend die Sorgen über das Ausmaß der Konjunkturabkühlung in den Fokus der Anleger. So bleibt der Ausblick auf die US-Wirtschaft düster: Einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge haben US-Firmen wegen der Finanzkrise im Oktober deutlich mehr Stellen abgebaut als erwartet. Demnach fielen in der Privatwirtschaft mit 157.000 Stellen so viele Arbeitsplätze weg wie zuletzt im November 2002.
Für Schlagzeilen im US-Finanzsektor sorgten die US-Anleihenversicherer Ambac
und MBIA
. Diese rutschten wegen Abschreibungen im Zuge der Finanzkrise zuletzt noch tiefer in die roten Zahlen. Die Ambac-Aktie fiel zu Handelsbeginn etwa 30 Prozent, die MBIA-Aktie verlor über zehn Prozent.
Damit verpufft der Obama-Effekt an den Kapitalmärkten. Noch am Dienstag hatte die Hoffnung auf mehr Klarheit über den künftigen US-Wirtschaftskurs an den Börsen für Gewinne gesorgt. Die Aktienmärkte in Fernost schlossen noch am Mittwoch mit teils deutlichen Gewinnen. In Europa aber erlitten fast alle Indizes Verluste. Der deutsche Leitindex Dax schloss nach Vortagesgewinnen mit einem Minus von 2,11 Prozent und notierte bei 5167 Zählern. Auch MDax
und TecDax
beendeten den Handel mit Verlusten
Händler in Frankfurt betonten, der Wahlsieg des 47-jährigen Demokraten verbessere zwar die Stimmung an den Börsen, komme aber wie erwartet und habe schon an den Vortagen für Kursgewinne gesorgt. Nun gebe es Gewinnmitnahmen. "Für eine schnelle Trendumkehr wird Obama ganz gewiss nicht sorgen", kommentierte Börsenbeobachter Klaus Schrüfer von der SEB Bank.
"Die Party wurde an den Börsen schon vor der Wahl gefeiert - jetzt muss Obama sein Motto 'Yes, we can!' erst mal umsetzen", erklärte Robert Halver von der Baaderbank. Für die Börse sei der Wahlsieg von Obama aber im Vergleich zum Kontrahenten John McCain zu begrüßen, da nun eher eine Stimmungsverbesserung besonders bei den Konsumenten zu erwarten sei, betonte Halver. Mit Obama verbinde sich ein ähnlicher Optimismus wie mit Ronald Reagan, dessen Wahl 1980 nach einer Wirtschaftskrise neue Hoffnung ausgelöst hatte.
Parallel zu den verhaltenen Börsenvorgaben fiel auch der Ölpreis am Mittwoch nach Obamas Wahl wieder: Nach den deutlichen Kursgewinnen am Vortag sank er erneut unter die 70-Dollar-Marke. Die Kursverluste seien in erster Linie auf Gewinnmitnahmen nach Kursgewinnen von über sieben Dollar am Vortag zurückzuführen, sagten Händler.
suc/dpa-AFX/AP/dpa
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