Bonn - Die Deutsche Post zieht sich teilweise aus ihrem defizitären USA-Geschäft zurück. Zum 30. Januar 2009 werde das inländische Luftfracht- und Bodentransportgeschäft der US-Tochter DHL Express eingestellt und es würden zusätzlich 9500 Stellen gestrichen, teilte der Logistikkonzern am Montag in Bonn mit. Seit Anfang des Jahres würden bereits 5400 Arbeitsplätze in den USA abgebaut.
Post-Chef Appel: Schweigen über die Höhe des Verlustes
Auch sei die Post auf einem "guten Wege", die angestrebten 500 Millionen Euro an Gewinnsteigerung und Einsparungen durch ihr Wertsteigerungsprogramm dieses Jahr zu erreichen, sagte der Post-Vorstandschef Frank Appel. Ziel sei es, die Profitabilität im gesamten Konzern zu verbessern, indem operative und nicht operative Kosten weiter gesenkt würden. "Ich bin zuversichtlich, dass auch in schwierigster wirtschaftlicher Zeit die Weichen für langfristiges Wachstum des Konzerns gestellt sind", betonte Appel.
Der Umsatz der Post und Postbank-Mutter erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,3 Prozent auf 40,5 Milliarden Euro. 70 Prozent der Erlöse wurden nach Unternehmensangaben außerhalb Deutschlands erwirtschaftet. In den ersten neun Monaten verbuchte die Post nach eigenen Angaben eine Steigerung des Ebits vor Einmaleffekten von 1,3 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro.
Unter dem Strich werde aber wegen der zusätzlichen Kosten für die Restrukturierung des US-Geschäftes und anderer Einmalkosten aller Voraussicht nach ein Nettoverlust ausgewiesen, kündigte Appel für das Gesamtjahr an. Dazu gehörten Einmalbelastungen aus anderen Geschäftseinheiten zwischen 400 und 500 Millionen Euro sowie mögliche Abschreibungen auf Goodwill und immaterielle Vermögenswerte von rund einer Milliarde Euro. Es wäre der erste Verlust seit mehr als einem Jahrzehnt bei dem Unternehmen. Zur Höhe des Minus machte Appel keine Angaben. Die Restrukturierung des US-Geschäfts soll nach Post-Angaben insgesamt 3,0 Milliarden Euro kosten.
Die Gewerkschaft Ver.di rechnet damit, dass die Deutsche Post langfristig auch Stellen in Deutschland streicht. Post-Chef Appel habe weitere Sparmaßnahmen angekündigt, sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende Andrea Kocsis zur Begründung. Sie forderte Appel auf, anstatt zu sparen, in gut laufende Sparten zu investieren. Als Beispiel nannte sie den Logistikbereich und das deutsche Briefgeschäft, in dem es in der Vergangenheit Klagen über mangelnden Service gegeben habe. Dies müsse durch gezielte Investitionen behoben werden.
Schwache Entwicklung der Sparte Express
Wie in den ersten sechs Monaten konnte die Post auch im dritten Quartal ihren Gewinn ausbauen. Nach 350 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum stieg dieser auf nunmehr 805 Millionen Euro.
Analysten hatten hingegen mit einem höheren Nettogewinn von 993 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz von Juli bis September erhöhte sich um rund 500 Millionen auf 13,8 Milliarden Euro. Analysten waren im Mittel lediglich von 13,2 Milliarden Euro ausgegangen. Das Ebit stieg von 469 auf 962 Millionen Euro. Ausschließlich im Bereich Express fiel das Ebit von 69 Millionen Euro auf minus 2 Millionen Euro.
Ende Oktober hatte die Post, die weltweit etwa 470.000 Beschäftigte hat, für das Gesamtjahr die Prognose reduziert. Damit reagierte der Konzern vor allem auf die schwache Entwicklung der Sparte Express. Sie sei am stärksten von der Verschlechterung des Marktumfelds in den USA betroffen. Damals senkte das Unternehmen seine Ebit-Erwartungen um 17 Prozent. Die nun prognostizierten 2,4 Milliarden Euro Ebit vor Einmaleffekte liegen zehn Prozent unter dem Vorjahreswert.
Einen detaillierten Ausblick auf das kommende Jahr gab die Post am Montag nicht ab. Das werde erst geschehen, wenn die weitere Wirtschaftsentwicklung klarer zu beurteilen sei, hieß es. "Langfristig ist unsere Perspektive ausgezeichnet", betonte Appel. Die Post-Aktie legte kräftig zu.
kaz/ddp/dpa
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