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11.11.2008
 

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China rekrutiert geschasste Banker aus dem Westen

Im Westen bangen Banker um ihre Jobs, in Fernost werden sie gebraucht: China sucht derzeit dringend Wirtschaftsexperten aus Europa und den USA. Shanghai will in wenigen Jahren in der Liga der wichtigsten Finanzzentren der Welt mitspielen.

Peking - Go East: Diesem Ruf folgen möglicherweise schon bald viele Finanzexperten, deren steile Karrieren in New York und London mit der Wirtschaftskrise jäh endeten. Denn die aufstrebende Finanzwelt Chinas rekrutiert dringend benötigtes Personal neuerdings gern unter den geschassten Investmentbankern und Börsenmaklern in den beiden Geld-Metropolen. 165.000 Arbeitsplätze in New York und 194.000 in London könnte die Finanzkrise binnen zwei Jahren Schätzungen zufolge kosten. In der Volksrepublik sieht das anders aus: China wirbt an.

Finanzplatz Shanghai: Stadtverwaltung sucht 80 Finanzspezialisten
Getty Images

Finanzplatz Shanghai: Stadtverwaltung sucht 80 Finanzspezialisten

So sucht der mit 200 Milliarden Dollar ausgestattete chinesische Staatsfonds CIC derzeit 30 Finanzexperten im Ausland. Der Fondsanbieter Fortune SGAM, ein Joint Venture der französischen Société Générale und der chinesischen Baosteel, schickt nach eigenen Angaben ein Team in die USA, um Führungskräfte anzuwerben. Und auch die Stadtverwaltung von Shanghai, dem Wirtschaftszentrum Chinas, will in London und New York mindestens 80 Finanzspezialisten rekrutieren.

Mehr als 600 Firmen der Finanzwelt - Banken, Versicherungen, Makler, Vermögensverwalter - waren in Shanghai zu Jahresbeginn mit Büros vertreten. Die Arbeitsplätze im Finanzsektor machen hier aber bislang nur 2,4 Prozent von 9,1 Millionen aus, verglichen mit elf Prozent in London und 12,7 Prozent in New York. "Seit der Krise gibt es Kündigungen an der Wall Street, aber der chinesische Finanzsektor steckt noch in den Anfängen und verlangt nach Talenten", betont Pei Changjiang von Fortune SGAM.

Shanghais Bürgermeister Han Zheng schätzte vor der Krise, seine Stadt werde im Jahr 2010 die Infrastruktur eines internationalen Finanzzentrums haben und 2020 in einer Reihe mit London und New York stehen. Nun gehen die Vertreter der Stadt davon aus, dass es schneller gehen könnte. Auch Wirtschaftsrat Tu Guangshao sagt: "Die Krise wird die Etablierung von Shanghai als Bühne der Weltfinanz vorantreiben." Ein ehemaliger Regierungsvertreter drückt es so aus: "Die USA sind zu dick und brauchen Schlankheitspillen, aber China ist noch mager." Die Volksrepublik müsse sich einen kräftigen Körper erst noch schaffen.

Ein echtes Hindernis für frischen westlichen Wind in Chinas Finanzwelt könnte allerdings die staatliche Regelungswut sein. "Die Finanzanalysten werden sich schwer tun, für staatliche Firmen zu arbeiten, solange diese nicht über mehr Autonomie verfügen", sagt Menzie Chinn, Wirtschaftsexperte an der US-Universität Wisconsin. Dennoch sei China mit Devisenreserven von 1,9 Billionen in einer privilegierten Situation, betont Linda Stewart vom Headhunter-Büro Epoch in Boston: "Im Moment hat China alle Karten in der Hand - und alle US-Reserven."

Joan Feng, AFP

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