München - Angesichts der Absatzkrise stoppt nun auch BMW in mehreren Werken die Bänder zu Weihnachtszeit. So sollen im BMW-Werk in Regensburg zum Jahreswechsel für einen Monat die Bänder stillstehen. Durch den Produktionsstopp von 8. Dezember 2008 bis 7. Januar 2009 würden 9000 Autos weniger gebaut als ursprünglich geplant, sagte eine Sprecherin und bestätigte damit einen Bericht des Bayerischen Rundfunks.
BMW-Produktion in Regensburg: Verlängerte Weihnachtsferien für die Belegschaft
Auch im Münchner Stammwerk sollen die Werksferien verlängert werden, sagte ein Konzernsprecher und bestätigte damit einen Bericht des "Münchner Merkur". Demnach ist eine Weihnachtspause von 15. Dezember 2008 bis 9. Januar 2009 in dem Münchner Werk bereits beschlossen. Überlegt werde auch hier ein Ferienbeginn bereits am 8. Dezember, berichtete die Zeitung.
Die Autobauer befinden sich in einer schweren Absatzkrise. Im Gesamtjahr 2008 wird der Weltautomarkt Berechnungen zufolge um vier bis fünf Prozent schrumpfen. Seit 1948 hat es einen solchen Rückgang nur ein einziges Mal gegeben: 1993 war das, zur Zeit der letzten großen Konsumrezession. 2009 könnte die Nachfrage noch weiter einbrechen.
Nicht nur durch die Finanzkrise kaufen Kunden weniger Autos. Deutschlands Vorzeigebranche steckt zudem in einer Strukturkrise. Kunden wählen zusehends kleinere Modelle, fahren insgesamt weniger Auto, und noch hat kein deutscher Hersteller ein zukunftsweisendes Auto für die Zeit nach Benzin und Diesel im Programm.
Mit den Produktionsstopps setzt BMW nun die von Konzernchef Norbert Reithofer angekündigte Drosselung der Produktion um. Letztlich werden davon alle Werke betroffen sein, sagte ein BMW-Sprecher. Die einzelnen Standorte könnten aber individuell planen. Neben der Verlängerung von Werksferien komme beispielsweise auch der Ausfall einzelner Schichten in Frage. BMW will die Produktion um 40.000 Fahrzeuge zurückfahren. Ursprünglich wollte das Unternehmen 25.000 Autos weniger herstellen. Auch andere Autobauer kündigten zuletzt Produktionsstopps an, um die Nachfrageeinbrüche auszugleichen (siehe Info-Box).
Fragt sich, ob die Drosselung der Produktion ausreicht, um die nachlassende Nachfrage abzufedern. Im Oktober hatte BMW erneut einen Absatzeinbruch von 8,3 Prozent auf 113.000 Fahrzeuge hinnehmen müssen. Auch sein ursprüngliches Ziel, in diesem Jahr mehr als 1,5 Millionen Autos zu verkaufen, gab das Unternehmen auf. Konzernchef Reithofer schloss zuletzt den Abbau weiterer Zeitarbeitsplätze nicht aus. BMW hatte bereits am Jahresanfang die Streichung von mehr als 8000 Stellen angekündigt, darunter 5000 Zeitarbeitsplätze. Sollte sich die Lage nicht verbessern, könnten nun nochmals bis zu 2500 Stellen in Deutschland auf dem Prüfstand kommen, hieß es.
Autozulieferer geraten in Finanznot
Der schwere Absatzeinbruch und die Finanzkrise bringen auch die Autozulieferer zusehends in Bedrängnis. "Wir haben schon mehrere Anfragen auf dem Schreibtisch, ob wir kurzfristig aushelfen könnten", sagte BMW-Einkaufsvorstand Herbert Diess dem "Handelsblatt". Viele Banken seien noch immer sehr zurückhaltend, weshalb einige Zulieferer nun in Liquiditätsschwierigkeiten gerieten. "Natürlich versuchen wir, Versorgungsprobleme zu vermeiden, indem wir gemeinsam mit anderen Herstellern in solchen Fällen kurzfristige Stützungen ins Auge fassen." Eine Finanzspritze könne aber nur die Ausnahme sein, sagte Diess.
Nach Informationen aus Branchenkreisen befindet sich der Autoverband VDA in Gesprächen mit der Bundesregierung über eine Hilfsaktion für angeschlagene Lieferanten. "Der VDA hat bereits frühzeitig darauf hingewiesen, dass es durch die Fin anzmarktkrise zu Liquiditätsengpässen bei Zulieferunternehmen kommen könnte", sagte der Geschäftsführer des Autoverbands VDA, Klaus Bräunig, dem Handelsblatt. "Deshalb führt der VDA Gespräche mit allen Beteiligten, um dies zu verhindern und damit die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Realwirtschaft, die gerade im Bereich der mittelständischen Zulieferindustrie stark aufgestellt und gut strukturiert ist, einzudämmen." Fertige Konzepte gebe es allerdings noch nicht.
ssu/AP/dpa
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