Berlin - Anstößige Wortwahl: Der Zentralrat der Juden hat die Verwendung der Nazi-Vokabel "reinrassig" durch den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne am Mittwoch scharf kritisiert.
Kühne hatte ein Käuferkonsortium für die TUI-Reederei Hapag-Lloyd organisiert. Auf einer Podiumsdiskussion in Berlin hatte er erklärt, es gebe keine Pläne, Marktführer Maersk an der Hamburger Traditionsfirma zu beteiligen. "Wir wollen uns möglichst reinrassig deutsch halten", sagte Kühne.
Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, sagte dazu: "Die Vokabel ist skandalös." Ihre Verwendung sei an den Tagen um den Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November besonders geschmacklos.
"Schockierend ist auch, dass das Publikum offenbar geschwiegen hat", sagte Graumann. Bei Gedenktagsreden werde immer wieder darauf hingewiesen, wie verwerflich Wegschauen sei. Den Mut und Willen, bei der fahrlässigen Verwendung von Nazi-Begriffen laut das Wort zu ergreifen, brächten dennoch zu wenige Menschen auf.
Einige Zuhörer der von der Deutschen Nationalstiftung organisierten Podiumsdiskussion "Wie national soll die Wirtschaft in Deutschland sein?" hatten die Äußerungen des 71-Jährigen zwar mit Kopfschütteln bedacht. Zwischenrufe gab es allerdings nicht.
Kühne hatte den Begriff nach Angaben einer Sprecherin völlig unbedacht verwendet. "Wenn, ist es ihm versehentlich rausgerutscht", sagte die Sprecherin.
ssu/Reuters
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