Wirtschaft



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14.11.2008
 

Autokrise

Daimler-Chef erwägt Einführung von Kurzarbeit

Die Finanzkrise trifft Daimler mit voller Wucht: Wegen der dramatisch gesunkenen Absatzzahlen denkt Unternehmenschef Zetsche darüber nach, Kurzarbeit einzuführen - und staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Berlin - Daimler-Chef Dieter Zetsche schließt wegen der eingebrochenen Auto-Nachfrage staatliche Hilfen nicht aus, um sich frisches Geld auf dem Kapitalmarkt zu besorgen. Wenn es längerfristig nicht möglich sei, sich am Finanzmarkt mit Geld zu versorgen, müsse auch die Automobilindustrie den Staat um Unterstützung bei der Finanzierung fragen, sagte er der "Bild"-Zeitung. Vorerst will Daimler jedoch keine Hilfe in Anspruch nehmen. "Wir wollen die Krise allein meistern", sagte Zetsche.

Daimler-Chef Zetsche: "Produktion der Nachfrage anpassen"
Getty Images

Daimler-Chef Zetsche: "Produktion der Nachfrage anpassen"

Deutlicher zieht Zetsche aber Kurzarbeit in den Daimler-Werken in Erwägung: "Wir müssen unsere Produktion der gesunkenen Nachfrage ständig anpassen", sagte er dem Blatt. Je nachdem wie es weitergehe, könnten Arbeitszeitverkürzungen ein weiterer Schritt sein. Über einen möglichen Arbeitsplatzabbau äußerte sich Zetsche zurückhaltend. Derzeit seien keine Prognosen möglich.

Das Unternehmen hatte wegen der

eingebrochenen Nachfrage bereits angekündigt, über Weihnachten die Produktion für fünf Wochen zu stoppen. Zetsche lobte, dass die Bundesregierung die schwierige Lage der Autoindustrie erkannt habe. Kritisch äußerte er sich jedoch über die geplante Kfz-Steuerbefreiung von Neuwagen, um den Absatz anzukurbeln. Die Höhe der Entlastung sei sicher zu gering, um dem Markt richtig Schwung zu verleihen. Auch Rabattaktionen lehnte er ab, das werde die Kunden nicht auf Dauer überzeugen. Das beste Rezept in schwierigen Zeiten seien überzeugende Autos.

Derzeit stecken Autobauer weltweit in einer schweren Krise: Der Absatz ist im Oktober in fast allen Ländern Westeuropas geschrumpft. Nach Angaben des Herstellerverbandes ACEA legten die Pkw-Neuzulassungen nur in Österreich zu. Europaweit sackten die Verkaufszahlen um 14,5 Prozent ab auf 1,134 Millionen Fahrzeuge, wie der Verband am Freitag mitteilte. Auch im lange boomenden osteuropäischen Markt ging der Absatz um drei Prozent zurück. Im bisherigen Verlauf des Jahres hinken die Verkaufszahlen europaweit um 5,4 Prozent hinter dem Vorjahresniveau her.

In Deutschland konnten die Konzerne zwar zehn Monate lang von hohen Zulassungszahlen zehren. Doch neun Wochen genügten, die Umsatzeinbrüche im September und Oktober waren so heftig, dass die Autobauer ein Wachstum oder wenigstens mit einer schwarzen Null in diesem Jahr nicht mehr rechnen können. Von den Herstellern hierzulande hielt sich im Oktober die Volkswagen-Gruppe mit einem Minus von 6,9 Prozent noch relativ gut, BMW verbuchte ein Minus von 10,3 Prozent, bei Daimler Chart zeigen sackten die Verkaufszahlen sogar um 17,2 Prozent ab. Die GM-Marken Opel und Vauxhall setzten mehr als ein Viertel weniger ab als ein Jahr zuvor.

cvk/AP/dpa-AFX/Reuters

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