Wirtschaft



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18.11.2008
 

Rezession

Autokrise bedroht Zehntausende Jobs bei Zulieferern und Händlern

Von Corinna Kreiler

Opel ist nur der Anfang - die Krise von Autoherstellern wie GM und Ford bedroht nicht nur Zehntausende Jobs in Werken wie Rüsselsheim und Bochum, sondern auch bei Händlern, Zulieferern und Werkstätten. Branchenexperten warnen vor weitreichenden Folgen für eine deutsche Vorzeigebranche.

Hamburg - Die Autoindustrie ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, jetzt steckt sie in ihrer schwersten Krise seit langem. 388.000 Menschen in Deutschland arbeiten bei Autokonzernen, 332.000 bei Zulieferern und sogar fast 470.000 im Kfz-Gewerbe - also bei Automobilhändlern und -werkstätten. "Es wird oft vergessen, wie viele Jobs dort bedroht sind", sagt Stefan Reindl, Auto-Experte vom Internationalen Automobilinstitut in Nürtingen.

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Den Autokonzern Opel hat es am härtesten erwischt - er droht, zusammen mit der US-Mutter GM in den Abgrund zu rutschen. Ohne deutsche Staatshilfe bedrohte die Opel-Krise hunderttausend Arbeitsplätze in Deutschland, schätzt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Denn nicht nur die 26.000 Jobs in den deutschen Werken sind bedroht. Mit Opel würden auch zahlreiche Zulieferer, Händler, Werkstätten und gastronomische Betriebe schließen müssen.

Selbst wenn die Bundesregierung das Unternehmen mit einer Milliardenbürgschaft rettet, ist das noch kein Grund zur Entwarnung. Wenn sich die Krise weiter verschärft, hält Dudenhöffer es für möglich, dass trotz Bürgschaft nur 30 Prozent der Arbeitsplätze bewahrt werden können. Es gilt unter Experten als extrem unwahrscheinlich, dass die Werke in Deutschland nach einer GM-Pleite zu hohen Kosten weitergeführt werden.

Opel hat die Schieflage nur zum Teil selbst verschuldet. "Die Schuld an der Misere liegt zu 80 Prozent bei General Motors", sagt Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Denn GM habe jahrelang die strategisch falschen Entscheidungen getroffen, für die Opel jetzt büßen müssse - so wurden in den USA jahrelang Modelle entwickelt, die in Zeiten hoher Spritpreise zu Ladenhütern geworden seien.

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Die Wurzeln

Die Krisenzeiten

Das Werk in Rüsselsheim

...Bochum

...Kaiserslautern

...Eisenach

Nicht nur Opel ist betroffen - alle amerikanischen Hersteller stecken tief in der Krise. Deutschland trifft das besonders hart, denn kein anderer ausländischer Hersteller hat wie die Amerikaner Werke in der Bundesrepublik. Auch Ford, Mutterkonzern der Autowerke in Köln, schreibt tiefrote Zahlen.

"Ford ist der nächste Wackelkandidat", sagt Pieper. Seiner Meinung nach sind dort etwa so viele Arbeitsplätze bedroht wie bei Opel. "Vielleicht auch zehntausend weniger." Auch bei Ford wurden laut Pieper jahrelang die Weichen falsch gestellt. Jahrelang verdiente der Konzern in der amerikanischen Provinz gut, obwohl die Qualität der Autos mittelmäßig war. Auch Chrysler wankt, der Konzern hat aber keine Werke in Deutschland und nur ein relativ dünnes Vertriebsnetz. "Da hängen höchstens tausend Arbeitsplätze dran", sagt Pieper.

Nicht nur die Pleite amerikanischer Hersteller könnte Folgen für die deutsche Wirtschaft haben - auch Konzerne wie Renault oder Peugeot sind von der Krise betroffen. Das betrifft auch deutsche Zulieferer, die für den französischen Markt produzieren. "Einige tausend Arbeitsplätze" sieht Pieper deshalb in Gefahr. Bislang sind die Franzosen recht glimpflich davongekommen, da sie kleinere Autos bauen, die derzeit noch eher gefragt sind. Dennoch: "Die Krise wird wohl keinen Autohersteller in Europa verschonen", sagt Auto-Experte Reindl.

Immerhin: Den deutschen Herstellern Porsche und VW geht es derzeit gut. Trotz Krise lieferte Volkswagen von Januar bis Oktober 5,3 Millionen Autos aus - sogar 2,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. BMW dagegen betrachtet Pieper als potentiellen Krisenfall: Um den Verkauf anzukurbeln, hat das das Unternehmen im abgelaufenen Quartal im Autogeschäft schon kein Geld mehr verdient. "Das Unternehmen hat zu aggressiv mit Leasingverträgen um Kunden geworben und das wird BMW jetzt zum Verhängnis", sagt Pieper.

Dass die Krise bald vorüber ist, glauben Experten nicht - zumal sie nicht sonderlich überraschend kommt. Bereits zu Beginn des Jahres kritisierte eine EU-Studie die Innovationsschwäche europäischer Autobauer und die schwache Leistung bei der Hybrid-Technologie. Falls sich daran nichts ändere, so die Autoren der Studie, werde es zu einer "massiven Umstrukturierung der Branche" kommen.

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