SPIEGEL ONLINE: Herr Ritter, als Inhaber einer der größten Schokoladenmarken Deutschlands sagen Sie, mit Betriebswirtschaft könne man kein Unternehmen führen. Meinen Sie das ernst?
Ritter: Natürlich muss ich als Unternehmer auch auf das Geld achten. Aber das alleine reicht nicht. Ein Unternehmen steht im sozialen Austausch mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten. Diese Aspekte deckt die reine Betriebswirtschaftslehre nicht ausreichend ab.
SPIEGEL ONLINE: Das klingt nach Kollegenschelte. Blenden andere Manager und Unternehmer aus Ihrer Sicht die sozialen Faktoren zu sehr aus?
Ritter: Jeder soll es so machen, wir er es für richtig hält. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen: Ein gutes Verhältnis der Firmenleitung zu den Mitarbeitern, ist von unschätzbarem Wert, wenn es darum geht am Markt erfolgreich zu bestehen. Deshalb haben wir bei Ritter die unteren Lohngruppen des Tarifvertrages abgeschafft, die Leute werden besser bezahlt.
SPIEGEL ONLINE: Dennoch müssen Sie als Unternehmer ja immer noch Gewinne erzielen. Wie vereinbaren Sie das mit Ihrem sozialen Führungsanspruch?
Ritter: Es gibt eine gerechtfertigte Gewinnerwartung, die ein Unternehmen erfüllen kann, ohne andere zu schädigen. Das ist mein Weg. Und es gibt ein Renditestreben, das nur darauf baut, jemanden über's Ohr zu hauen. Dazu zähle ich beispielsweise die hohen Gewinnziele von Banken und Hedgefonds der vergangenen Jahre. Die Fixierung auf diese Vorgaben ist ein Grund für die Finanzkrise, die wir jetzt erleben. Das musste irgendwann schiefgehen.
SPIEGEL ONLINE: Wer muss für die Fehler der Finanzbranche zahlen?
Ritter: Wenn ein Markt nur um fünf Prozent wächst, das Unternehmen aber 25 Prozent Gewinn anstrebt, muss es diesen Profit irgendwem abnehmen. Das sind dann in der Regel: Geschäftspartner, Mitarbeiter oder Kunden.
SPIEGEL ONLINE: Wie sieht denn Ihr Gegenentwurf einer nachhaltigen Unternehmenspolitik aus?
Ritter: Der Dreiklang aus sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten muss stimmen. Ein Unternehmen, aber auch eine Volkswirtschaft sollte so funktionieren, dass niemand geschädigt wird - weder heute noch morgen.
SPIEGEL ONLINE: Tragen die Erfahrungen der Finanzkrise dazu bei, dass diese Einschätzung an Boden gewinnt?
Ritter: Zumindest hat das Kalkül, im Finanzsektor gigantische Extrarenditen zu erzielen, einen Dämpfer erhalten. Dieser neue Realismus dürfte einige Zeit überdauern. Das ist ein Segen.
SPIEGEL ONLINE: Wird eine langfristige, nachhaltige Unternehmenspolitik die Orientierung auf schnellen Gewinn ablösen?
Ritter: Das bezweifele ich. Börsennotierte Aktiengesellschaften müssen weiterhin jedes Vierteljahr ihre Zahlen veröffentlichen. Der Zwang zur Quartalsbilanz ist aber der Feind jeder langfristigen Orientierung. Denn Investition und Planung mit Weitblick gehen oft auf Kosten des kurzfristigen Ertrages. Ich als Inhaber eines nicht börsennotierten Familienunternehmens kann ohne den Berichtszwang arbeiten.
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Schade, mich hätten auch Ihre Antworten auf die anderen Dinge interessiert. So hat es doch irgendwie fast den Eindruck als hätten sie sich nur das heraus gesucht, wozu sie gerade eigene Argumente greifbar haben. ---Zitat--- [...] mehr...
Lieber Eisenboss, ich hatte zwar schon eine antwort geschrieben , werde sie aber nicht posten. nur zu den letzten absätzen sehen sie sich mal den Film an "We feed the world" der ist sehr ideologisch und da kommt zum [...] mehr...
Was sie sagen ist sicherlich weitestgehend richtig und spiegelt auch im großen und Ganzen meine Meinung wieder.... allerdings mit einer Ausnahme: Ich würde die Vorteile nicht am kleinen Bioladen, sondern am kleinen Hofladen [...] mehr...
Das dürfte mit Sicherheit die bessere Alternative sein. 100% Sicherheit gibt es allerdings nie! In JEDER Branche gibt es schwarze Schafe. Bei uns in der Umgebung wurde vor 2 Jahren ein Bioladen geschlossen weil er auch [...] mehr...
Bio aus dem Supermarkt und dann noch aus irgendeinem fernen Land ist für mich nicht Bio, sondern BLÖDE. Wir kaufen nur Ware aus dem Bioladen. mehr...
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