SPIEGEL ONLINE: Was werden Sie zum Beispiel konkret in der HypoVereinsbank ändern?
Weimer: Wir haben bereits in den vergangenen Jahren begonnen, uns noch stärker auf den Kunden zu konzentrieren. Wir haben 40 Millionen Privatkunden und 400.000 Firmenkunden in der Gruppe – das ist ein starkes Fundament. Die Geschäftsmodelle der Banken werden sich in Folge der Kreditkrise deutlich ändern. Bei der HVB passen wir uns laufend an die neuen Gegebenheiten an, eine Konsequenz ist die Restrukturierung unseres Investmentbankings.
SPIEGEL ONLINE: Ist das nicht hart für Sie? Immerhin ist das Investmentbanking innerhalb der UniCredit fast komplett bei der HVB konzentriert und damit ein wichtiger Teil Ihres Zuständigkeitsbereichs.
Weimer: Natürlich ist der Bereich Markets- und Investmentbanking ein wichtiges Geschäftsfeld der HVB, daran wird sich auch nichts ändern. Aber mein Job bei der HVB ist es auch, alles zu tun, damit die UniCredit als Gruppe vorankommt und noch stärker aus dieser Krise hervorgeht. Dafür benötigen wir im Investmentbanking ein verändertes Geschäftsmodell – noch näher am Kunden orientiert. Geschäfte, deren Risiken wir in Zukunft nicht mehr nehmen möchten, werden wir zurückführen oder ganz aufgeben.
SPIEGEL ONLINE: Ihre Investmentbanker müssen also besonders bangen bei dem Stellenabbau, den Sie für 2009 anvisieren?
Weimer: Wir bauen kommendes Jahr im Investmentbanking weltweit 700 von insgesamt gut 3500 Arbeitsplätzen ab. Die Mitarbeiter in dem Bereich werden damit vom Stellenabbau verhältnismäßig stärker betroffen sein als andere Bereiche der Bank. Ein großer Teil von ihnen hat allerdings in den vergangenen Jahren auch stärker profitiert - also besser verdient.
SPIEGEL ONLINE: Sie waren vor Ihrer Zeit bei der HVB selbst bei der Investmentbank Goldman Sachs - also auch einer jener Banker, die risikoreiche Geschäfte betrieben haben und nach dem Ausbruch der Krise oft am Pranger standen. Müssen Sie sich derzeit deswegen viel Kritik gefallen lassen?
Weimer: Ja, ohne Zweifel, man sieht sich beruflich und privat mit harten und zum Teil bohrenden Fragen konfrontiert. Und zum Spott kommt die Häme. Aber Lamentieren ist nicht meine Sache. Wir müssen verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und uns doppelt anstrengen. Ich handle nach dem Motto, wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.
SPIEGEL ONLINE: Wie stark trifft Sie die Krise persönlich? Werden Sie weniger verdienen als Ihr Vorgänger?
Weimer: Ich habe mit dem Aufsichtsrat noch gar nicht ausgehandelt, was ich verdienen werde.
SPIEGEL ONLINE: Wären 500.000 Euro im Jahr ausreichend für Sie?
Weimer: 500.000 Euro sind viel Geld. Dass die Banken, die Probleme haben, Hilfe vom Staat nur für Gegenleistungen bekommen, ist zudem absolut legitim. Was mich betrifft: Gehen Sie davon aus, dass die allgemeine Lage bei der Gehaltsfestsetzung berücksichtigt werden wird. Aber das hat im Moment sicherlich keine Priorität für mich. Die Hurrazeiten in der Branche sind jedenfalls vorbei.
SPIEGEL ONLINE: In der Deutschen Bank wird ein neues Entlohnungssystem entworfen, das stärker an langfristige Erfolge gebunden sein soll. Das könnten Sie und andere Banken doch übernehmen - um mit gutem Beispiel voranzugehen.
Weimer: Dass in der Vergangenheit der ein oder andere Investmentbanker bei den reinrassigen Investmentbanken zweistellige Millionenbeträge oder mehr verdient hat, war sicherlich eine Übertreibung. Man hätte solche Auswüchse systemisch erst gar nicht entstehen lassen sollen. Aber: Sie werden Banken nicht dazu bringen können, gemeinsame Gehaltsregeln zu entwerfen. Das Gehalt ist eines der wichtigsten Instrumente im Wettbewerb um Personal, wobei der Wettbewerb ohnehin dafür sorgen wird, dass die Gehaltssysteme sich angleichen. Viel entscheidender als die Höhe des Gehalts ist doch, dass mit der Vergütung die richtigen langfristigen Anreize gesetzt werden. Und dass wir nachhaltige Lehren aus der Krise ziehen.
SPIEGEL ONLINE: Zum Beispiel?
Weimer: Wirtschaft ohne Krisen wird es nie geben, Krisen sind unvermeidbar. Mit kontrollierten Auf- und Abschwüngen verdienen Banken normalerweise sogar gutes Geld. Aber die Schnelligkeit und Vehemenz, mit der die Finanzkrise eskaliert ist, hat niemand vorhersehen können. Diese Krise war die erste, bei der eine Kernschmelze des Finanzsystems in greifbare Nähe gerückt ist. Solche Extreme müssen in Zukunft vermieden werden.
Das Interview führte Anne Seith.
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