Wirtschaft



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21.11.2008
 

Gestörter Welthandel

Reedereien meiden Suezkanal aus Angst vor Piraten

Die Piratenüberfälle vor der somalischen Küste stören den Welthandel. Immer mehr Tanker-Reedereien meiden den Suezkanal. Stattdessen schicken sie ihre Schiffe um die Südspitze Afrikas - Kunden müssen zwei Wochen länger auf ihre Fracht warten. Die Transportkosten dürften deutlich steigen.

Hamburg - Die zunehmende Piraterie im Golf von Aden zwingt Schiffe auf der Strecke zwischen Europa und Asien zu langen Umwegen. Immer mehr Reedereien verzichten auf die Passage durch den Suezkanal sowie durch das Rote Meer und den Golf von Aden und leiten ihre Schiffe stattdessen ums Kap der Guten Hoffnung, die Südspitze Afrikas, herum. Aktueller Anlass ist die Kaperung eines saudi-arabischen Supertankers vor der Küste Somalias mit Öl im Wert von 100 Millionen Dollar an Bord.

Spaziergänger am Suezkanal: Umleitung aus Angst vor Piraten
AP

Spaziergänger am Suezkanal: Umleitung aus Angst vor Piraten

Allein die dänische Reederei Maersk, die bisher mehr als 100 Schiffe pro Monat durch den Suezkanal schickte, hat ab sofort aus Furcht vor Piraten den Kurs ihrer Tanker auf dem Weg nach Asien geändert. Betroffen seien aber nicht Containerschiffe, da diese mit "mindestens 25 Knoten" zu schnell für Piratenangriffe seien, sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE. Umgeleitet würden langsame Tanker und Schiffe "mit nicht allzu hohen Bordwänden". Wie viele Schiffe die Routenänderung exakt betreffe, wollte der Sprecher nicht sagen.

Er bestätigte aber, dass "eine gewisse Zahl an Schiffen" nicht mehr den Kanal und den sich anschließenden Golf von Aden benutzen dürfe, wenn sie zwischen Europa und Fernost verkehren. Stattdessen müssen sie den um ein Vielfaches längeren Weg um Afrika herum nehmen. Wegen der starken Zunahme der Überfälle durch Piraten sei die Nutzung der Route durch den Suezkanal nur mit Eskorte von Kriegsschiffen möglich, teilte Maersk mit. Nach der Verlegung der Route müssen Kunden etwa zwei Wochen länger auf ihre Fracht warten.

Reedereiverband fordert "klares Mandat" gegen Piraten

Die norwegische Tankerreederei Frontline teilte mit, sie erwäge ebenfalls eine Änderung der Route für ihre Schiffe. Aus dem Reedereiverband Intertanko war zu hören, dass mehrere Unternehmen diesen Schritt planten. "Wir begrüßen diese Entscheidung", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes. Man nehme die zunehmende Piraterie vor Somalia mit Erschrecken zur Kenntnis und sei um die Sicherheit aller Seeleute besorgt. Den Reedereien sei es nicht mehr möglich, ihre Fracht sicher ans Ziel zu bringen, heißt es weiter.

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Sonntag, 22.40 Uhr, RTL
Intertanko forderte "sofortige Aktionen von Regierungen", um die wichtige Transportverbindung durch den Suezkanal und durch den Golf von Aden zu schützen. "Robuste Aktionen" mit größerer Unterstützung durch das Militär, insbesondere durch Marineschiffe sowie das "klare Mandat", eingreifen, Piraten verhaften und vor Gericht bringen zu dürfen, seien dringend nötig. Der Maersk-Sprecher erklärte, seine Reederei rechne mit einer "vernünftigen Lösung" für das Problem zunehmender Piraterie vor Somalias Küste im Laufe "einiger Monate".

Ein Sprecher der chinesischen Containerreederei Cosco sagte SPIEGEL ONLINE, man nutze den Suezkanal weiterhin, da Containerschiffe wegen ihrer Geschwindigkeit und ihrer Größe nicht so sehr durch Piraten gefährdet seien. Müssten auch Containerschiffe umgeleitet werden, müssten wegen der längeren Fahrzeit mehr Schiffe eingesetzt werden, um den Liniendienst aufrechterhalten zu können, was wiederum den Transport verteuere. "Dann stellt sich die Frage, ob sich Importe beispielsweise von Turnschuhen oder Kleidung aus Fernost nach Europa noch lohnen."

Ein Sprecher der Verwaltung des Suezkanals widersprach hingegen Berichten, dass wegen der Piratenkrise weniger Schiffe den Kanal passieren. "Unsere Zahlen zeigen eindeutig, dass der Verkehr in keiner Weise abgenommen hat", sagte Tarek Hassanein SPIEGEL ONLINE. "Im Gegenteil, in den vergangenen Tagen hat das Transportaufkommen sogar zugenommen." So liege die durchschnittliche Tonnage pro Tag bei rund 2,4 Millionen Tonnen. Am Dienstag hätten jedoch 70 Schiffe mit insgesamt 2,8 Millionen Tonnen Tonnage den Kanal passiert, am Donnerstag seien es ebenfalls 70 Schiffe mit insgesamt 3,5 Millionen Tonnen gewesen. "Weder die Zahl der Schiffe noch das Volumen der Tonnage geht zurück", sagte Hassanein. Der saudi-arabische Tanker wurde weiter südlich, vor der somalischen Küste, gekapert. Dies zeige, dass die Route ums Kap nicht sicherer sei als eine Fahrt durchs Rote Meer und den Suezkanal, sagte Hassanein.

Kostenanstieg um 25 bis 30 Prozent

Nach Angaben der Internationale Maritime Organisation (IMO) dauert eine Seereise ums Kap der Guten Hoffnung etwa zwölf Tage länger als der Weg durch den Suezkanal. Die Fracht komme entsprechend später am Ziel an, zudem koste der Transport 25 bis 30 Prozent mehr. IMO-Chef Efthimios Mitropoulos warnte vor einer "Serie von Auswirkungen", sollten immer mehr Reedereien den langen Umweg wählen. Mitropoulos forderte den Uno-Sicherheitsrat auf, sich stärker im Kampf gegen Piraterie zu engagieren.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte bei einem Treffen mit Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon eine weitere Beteiligung Deutschlands am internationalen Kampf gegen Piraterie vor Somalias Küste zu. Für den Umgang mit Piraten brauche die internationale Gemeinschaft einen klaren Operationsplan, betonte Jung am Donnerstag (Ortszeit) in New York. Zunächst wolle man aber eine nationale Rechtsgrundlage schaffen. Politiker von SPD und FDP sehen dagegen überhaupt keinen Regelungsbedarf für einen Anti-Piraten-Einsatz der Bundeswehr am Horn von Afrika, da dieser bereits rechtlich gedeckt sei.

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Der italienische Zerstörer ist ein 5000-Tonnen-Mehrzweckkriegsschiff. Es dient der Abwehr von Luft- und U-Boot-Angriffen - letztere werden im Golf natürlich keine Rolle spielen. Bei Landgang und Küstenbombardierungen kann der Zerstörer Schützenhilfe leisten. Dieses erste Schiff der De-la-Penne-Serie wurde 1993 in Betrieb genommen. Der italienische Admiral Giovanni Gumiero führte den Nato-Flottenverband, bevor das Schiff zur Anti-Piraterie-Mission geschickt wurde.

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