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Konjunkturkrise "Obama darf nicht mit alten Rezepten reagieren"

2. Teil: "Obama hat nicht sehr vielversprechend angefangen"

SPIEGEL ONLINE: Die Krise begann in den USA, für die Welt hängt nun viel davon ab, wie die Vereinigten Staaten die Situation meistern. Kann der künftige Präsident Barack Obama die Wende bringen?

Snower: Obama hat nicht sehr vielversprechend angefangen. Sein Vorstoß zur Rettung der Autoindustrie war sicher nicht glücklich. Das ist immerhin eine Branche, die ihm im Wahlkampf geholfen hat. Wenn man im Sinne einzelner Interessengruppen agiert, kann ein Konjunkturprogramm nicht gelingen. Es geht um Lösungen für die gesamte Wirtschaft.

SPIEGEL ONLINE: Aber die US-Autoindustrie steht vor dem Kollaps: Ford, Chrysler und General Motors brauchen Milliarden-Staatskredite - und zwar möglichst schnell. Millionen Jobs hängen von der Entscheidung ab.

Snower: Wenn jetzt den Autobauern geholfen wird, stehen bald eine Menge ineffizienter Produzenten Schlange, die sagen: Wir haben auch unsere Arbeit sehr schlecht gemacht, könnten wir jetzt was bekommen? Wenn das Obamas Hilfskriterium wird, sehe ich schwarz für die Vereinigten Staaten.

SPIEGEL ONLINE: Die Erwartungen an Obama sind sehr hoch. 2009 wird aber die Nettoneuverschuldung der USA laut ersten Prognosen über sechs Prozent der gesamten Wirtschaftskraft liegen. Kann er mit dieser Schuldenlast überhaupt viel ausrichten?

Snower: Wenn man noch die impliziten Schulden der Bankenrettung dazurechnet, beträgt das Minus die Hälfte des amerikanischen Nationalprodukts. Da kommt ein enormes Risiko auf die US-Wirtschaft zu. Das sollte und wird Obama aber nicht davon abhalten, die Wirtschaft zu stimulieren. Nur mit staatlicher Hilfe können die realwirtschaftlichen Folgen der Bankenkrise noch unter Kontrolle gebracht werden. Ich hoffe nur, dass Obama auch einen Plan entwickelt, damit die Märkte wissen, dass er die Staatsschulden mittelfristig wieder abbaut.

SPIEGEL ONLINE: Das Wirtschaftsteam von Obama nimmt Konturen an: Finanzminister wird Timothy Geithner, Chefberater Larry Summers und Haushaltsdirektor Peter Orszag. Kann diese Truppe etwas bewegen?

Snower: Die genannten Experten haben in der Vergangenheit Fehler gemacht. Aber sie sind gescheit genug, um zu verstehen, wo sie gute Arbeit geleistet haben und wo es Probleme gab. Zu unseren Lebzeiten haben wir noch nie eine solche Krise gesehen. Wichtig ist jetzt, dass das Obama-Team nicht mit alten Rezepten auf die neuen Probleme reagiert.

SPIEGEL ONLINE: Wann haben wir die Krise der Weltwirtschaft überstanden? Schon 2009 oder erst später?

Snower: Es wird länger dauern, als die meisten glauben. Die Gesamtkrise ist noch nicht gemeistert. Uns fehlt immer noch eine gute internationale Regulierung. Besonders in Europa dauert es lange, bis die realwirtschaftlichen Konsequenzen überwunden sind. Börsenwerte und Immobilienpreise sind enorm eingebrochen. Mit ziemlich langer Verzögerung sinkt der Konsum, und dann knickt die Beschäftigung ein. Es kommen noch mehr schlechte Nachrichten auf uns zu. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es mehr als ein Jahr dauern wird, um die Krise zu überwinden.

Das Interview führte Jan Hauser

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