München - Drastische Einschnitte bei der BayernLB: Von den weltweit rund 19.200 Stellen werden 5600 gestrichen, bestätigte die Bank am Montagvormittag. Zuvor hatten Insider dieses bereits berichtet - unter Berufung auf ein Schreiben, das der Vorstand am Montag an die Mitarbeiter verschickte.
Der Stellenabbau, der sich über die kommenden fünf Jahre bis 2013 erstrecken werde, sei unvermeidbar, hieß es. Er solle fair und transparent umgesetzt werden. In der Kernbank seien rund 1000 Arbeitsplätze betroffen.

BayernLB-Zentrale in München: Hohe Belastungen durch die Finanzkrise
Auch strategisch soll sich das Institut neu ausrichten. Die Bank werde sich künftig auf ihr Kerngeschäft zur Mittelstandsfinanzierung konzentrieren, hieß es. Damit sei die Zukunft der Auslandsaktivitäten sowie des Investmentbankings in Frage gestellt. Geplant ist nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa, sich von ganzen Geschäftseinheiten zu trennen. Deren Beschäftigte könnten von den neuen Eigentümern übernommen werden.
Ein Sprecher der BayernLB wollte die Information auf Anfrage nicht kommentieren und verwies auf eine am Vormittag geplante Pressekonferenz in München.
Erst am Freitag hatte die BayernLB bekanntgegeben, dass sich ihr Bedarf an Eigenkapital in den vergangenen sieben Monaten um zehn Milliarden Euro erhöht hat. Der Freistaat Bayern will der Bank sieben Milliarden zuschießen, weitere drei Milliarden sollen vom Finanzmarktstabilisierungsfonds des Bundes (Soffin) bereitgestellt werden.
Notfalls, sagte Seehofer, werde der Freistaat die Rettung seiner Bank auch ohne Hilfe aus Berlin stemmen. Der Knackpunkt dürfte sein, in welcher Form der Soffin die Bundesgelder zur Verfügung stellt. Aus Bayern heißt es, der Bund werde die drei Milliarden als stille Einlage zahlen - dann aber hätte die Bundesregierung keine Mitspracherechte bei der BayernLB. Sie bezöge lediglich Zinszahlungen von der Bank, mit einem Satz von etwa zehn Prozent.
Der Soffin selbst weist dies zurück. Es sei noch überhaupt nicht entschieden, ob die Hilfen an die BayernLB überhaupt bewilligt werden - geschweige denn in welcher Form. Eine Sprecherin sagte, man werde den Antrag "ohne Zeitdruck" prüfen.
Aus dem Umfeld des Soffin erfuhr SPIEGEL ONLINE, dass es als recht unwahrscheinlich gilt, dass die BayernLB stille Einlagen vom Bund erhält. Eine Lösung, bei der der Staat zahlt, ohne hinterher etwas zu melden zu haben, wirke wie Wunschdenken aus Bayern. Der Soffin könnte ein Exempel statuieren, indem er Gelder nur unter der Bedingung gewährt, dass der Bund künftig bei dem Institut mitregiert. Dann würde Bayern wahrscheinlich auch noch die drei Milliarden des Bundes übernehmen.
Landesbanken machen 63 Milliarden Euro Schulden
Bei den Landesbanken nimmt das Milliardendesaster nach SPIEGEL-Informationen immer größere Ausmaße an. Insgesamt haben die Institute, die allesamt über wenig tragfähige Geschäftsmodelle verfügen, im Verlauf der Finanzkrise Rettungsbeihilfen aus öffentlichen Kassen in Höhe von knapp 25 Milliarden Euro zugesagt bekommen oder bereits erhalten. Dazu kommen beantragte und teilweise bereits bewilligte Garantien für Schuldtitel in Höhe von 63 Milliarden Euro.
Nicht ausgeschlossen ist, dass das Risiko für den Steuerzahler zum Schluss noch größer ausfällt. So hat die Landesbank Baden-Württemberg bislang nur einen Kapitalbedarf von rund fünf Milliarden Euro angemeldet – doch in der Branche glaubt kaum jemand, dass diese Summe ausreichen wird. Denn die Fehlbeträge steigen monatlich an.
In München wurde für die kommende Woche eine zusätzliche Kabinettssitzung anberaumt, am Mittwoch schon soll ein Nachtragshaushalt im Landtag beraten werden. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) stellt sich die Finanzierung der Zehn-Milliarden-Spritze so vor: Sieben Milliarden sollen vom Freistaat kommen, drei Milliarden vom Soffin.
Eine Konsolidierung der deutschen Landesbanken scheint jedenfalls bitter nötig. Durch das Nebeneinander der sieben regionalen Institute entstehen an vielen Stellen Reibungsverluste und doppelte Kosten. Und manche Landesbanken-Dienste sind inzwischen sogar gänzlich überflüssig.
ssu/AP/dpa/ddp
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