Wirtschaft



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09.12.2008
 

Altersvorsorge

Warum die Deutschen der Riester-Rente misstrauen

Von Corinna Kreiler

Die Enttäuschung ist offenbar groß: Fast eine Million Menschen haben ihre Riester-Verträge bereits nach wenigen Jahren wieder gekündigt. Mit gutem Grund, sagen Verbraucherschützer - und mahnen bei der Altersvorsorge zur Vorsicht.

Berlin - Der stets freundlich-zerknitterte Ex-Arbeitsminister Walter Riester (SPD) hat sich bei vielen Deutschen ins Gedächtnis eingebrannt: Als Erfinder der Riester-Rente, der staatlich bezuschussten privaten Altersversorge. Fast zwölf Millionen Menschen haben sich seit dem Jahr 2001 für die Riester-Rente entschieden, 9,3 Millionen davon wählten einen privaten Rentenversicherungsvertrag. Die übrigen haben Bank- oder Fondsparverträge abgeschlossen.

Ex-Arbeitsminister Riester: Rund eine Million Verträge wurden schon wieder gekündigt
DPA

Ex-Arbeitsminister Riester: Rund eine Million Verträge wurden schon wieder gekündigt

Obwohl die Kontrakte lange Laufzeiten von bis zu 30 Jahren haben, sind eine Million Bürger ihre Versicherungsverträge schon wieder losgeworden: Das Sozialministerium bestätigte, dass zwischen dem Start der Riester-Reform 2001 und Ende 2007 rund 950.000 Verträge aufgelöst, gewechselt oder ruhen gelassen wurden - Bank- und Fondssparer nicht eingeschlossen.

Verbraucherschützer verwundert diese Quote nicht: "Die privaten Rentenversicherungsverträge sind oft wahnsinnig intransparent und teuer", sagt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Demnach haben viele Menschen Anfangs keinen Überblick, wie hoch die Gebühren wirklich sind.

"Bei der privaten Rentenversicherung fallen vom ersten Tag an immens hohe Provisionen an", sagt die Verbraucherschützerin. Ihrer Meinung nach ist das auch der Grund, weshalb Banken und Sparkassen diese Produkte so gern verkaufen. "Für viele Kunden bedeutet Riester private Rentenversicherung, das ist aber nicht richtig", sagt Castello. Sie rät wegen der geringeren Gebühren eher zu einem Banksparplan, also zu einem speziellen Sparbuch. Weniger Risikoscheue sollten laut Castello einen Fondsvertrag abschließen.

Wer sich informieren will, kann Stiftung Warentests zu Rate ziehen. Die vergleichen allerdings nur Produkte wie Fonds untereinander, nicht aber die unterschiedlichen Produktgruppen wie Fonds und private Rentenversicherungen. "Das gibt keinen umfassenden Überblick", sagt Castello.

Der Gesamtverband der Versicherer (GDV) weist Kritik an den Riester-Rente jedoch zurück: "Die Zahl der Kündigungen ist eher geringer als bei nicht-staatlich geförderter Altersvorsorge", sagte ein Sprecher.

Beschwerden nehmen zu

Die Bundesfinanzaufsicht (Bafin) registrierte jedoch 2008 eine Zunahme von Beschwerden über Riester-Verträge, wie ein Sprecher der Behörde bestätigte. Allein im ersten Halbjahr 2008 gingen 240 Beschwerden ein, fast so viele, wie im gesamten Vorjahr: Damals waren es 290. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft betonte, das sei nicht besonders viel. Es entspreche nur einer Beschwerde auf 40.000 Verträge.

Verbraucherschützer raten Inhabern von privaten Rentenversicherungen dennoch in den meisten Fällen zum Wechsel: "Selbst 1000 Euro Wechselkosten können sie im Lauf von 30 Jahren verdienen, wenn die Rendite nur um 0,1 Prozentpunkte höher ist", sagt Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. So kann es sich dem Experten zufolge durchaus lohnen, einen Vertrag zu kündigen und einen besseren abzuschließen.

Seiner Meinung nach haben sich viele Menschen darauf verlassen, dass der Staat die von ihm geförderten Produkte reglementiere. Dabei sei zum Beispiel die Höhe der Provisionen nicht gedeckelt, sagte Nauhauser. In Beratungsgesprächen zeige sich dann häufig, dass die Menschen oft erschrocken seien über die Zusatzkosten, die zum Teil über den staatlichen Zulagen lägen.

Die Opposition fordert nun die Bundesregierung zum Handeln auf: Gerade bei den Riester-Renten müsse die Aufsicht viel genauer hinschauen, ob sich ein Vertrag überhaupt lohnt", sagte Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel der "Bild"-Zeitung. Doch die Regierung wiegelte bereits ab: "Die meisten Bürger sind mit ihren Verträgen zufrieden", teilte ein Sprecher mit.

Mit Material von AP und AFP

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insgesamt 94 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
13.09.2009 von dogs:

Es handelt sich in beiden Fällen um die gleiche sprachliche und damit einhergehend sachliche Unrichtigkeit: Ebensowenig wie "die Rentenversicherung" unterstützt wird, würde in einem solchen Fall "die Familie" [...] mehr...

13.09.2009 von schensu:

Natürlich! Sie oder ich in dieser Situation erfahren Unterstützung, wenn Sie oder ich das nicht aus Eigenmitteln schaffen. Es sei denn, es werden Leistungen des Staates übernommen, für die es eine Entschädigung gibt. Nur, was [...] mehr...

13.09.2009 von Frank´N´Furter:

Das kommt auf das Produkt an. Bei Riesterrentenversicherung haben sie 2,25 % GARANTIERT. + einen Überschuss, den die Unternhemen zahlen. Bei meiner sind z.Z insgesamt 4,8 % Zinsen. (2,25% garantiert + z.Z. 2,55% [...] mehr...

13.09.2009 von **Kiki**:

Garantiert ist bei Riester GAR NICHTS außer dem Erhalt des Betrags, den man selbst eingezahlt hat plus der staatlichen Zulagen. Mehr nicht. Es gibt keine garantierte Rendite. Das sagen einem die Anbieter allerdings nicht so [...] mehr...

13.09.2009 von britta: Gewinner ist der Staat

Es ist ja so, daß die zukünftigen Rentenauszahlungen gerade Grundsicherungsniveau haben werden. Wer mit seiner Rente über der Grundsicherung liegt, kann die private Zusatzversorgung behalten. Wer mit der Rente unter der [...] mehr...

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