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09.12.2008
 

Insolventer Mediengigant

Deutsche Bank lieh Tribune mehr als eine halbe Milliarde Euro

Die spektakuläre Pleite der Tribune Company hat auch in Deutschland Folgen: Die Deutsche Bank hat dem US-Medienriesen 572 Millionen Euro geliehen. Verluste muss das Institut Finanzkreisen zufolge aber nicht erwarten.

Hamburg - Die Deutsche Bank ist von der Pleite der Tribune Company betroffen: Sie hat dem Medienhaus Kredite in Höhe von umgerechnet 572 Millionen Euro gewährt.

Redaktionsgebäude der "Chicago Tribune": "Es ist alles zusammengekommen"
AFP

Redaktionsgebäude der "Chicago Tribune": "Es ist alles zusammengekommen"

Nach der US-Bank JP Morgan Chase, die dem US-Medienhaus 811 Millionen Euro lieh, ist die Deutsche Bank damit der zweitgrößte Gläubiger von Tribune. Das Geldinstitut wollte den Vorgang auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren.

Die Tribune Company ist das bislang prominenteste Opfer der amerikanischen Medienkrise: Das Medienhaus, zu dem auch die "Los Angeles Times" und die "Chicago Tribune" gehören, hat am Montagabend Insolvenz angemeldet. Grund seien der nicht nachlassende Leserschwund und ein einbrechendes Anzeigengeschäft. Das Verlagshaus hat derzeit 12,97 Milliarden Dollar Schulden, wie es in dem Insolvenzantrag heißt.

Kreditausfälle drohen der Deutschen Bank durch die Riesenpleite offenbar nicht. Aus Finanzkreisen war zu hören, dass die Tribune-Kredite gut abgesichert seien.

Wie alle amerikanischen Medienunternehmen musste Tribune im vergangenen Jahr einen zweistelligen Einbruch bei den Werbeeinnahmen hinnehmen. Außer den sinkenden Einnahmen im Print-Geschäft erwartet der Konzern auch einen drastischen Abfall der Werbeeinnahmen bei seinen 23 Fernsehsendern.

"Es ist - um es vorsichtig zu sagen - alles zusammengekommen", schrieb Tribune-Eigner Sam Zell in einem Brief an seine Belegschaft. "Ein steiler Absturz der Einnahmen und eine raue Wirtschaftslage haben es zusammen mit der Kreditkrise extrem schwer gemacht, unsere Schulden weiter zu bedienen. Unsere gesamten Werbekanäle haben dramatisch gelitten."

"Ein Tag mehr mit enttäuschenden Nachrichten"

Tatsächlich war die Lage der Tribune-Gruppe schon länger angespannt: Im vergangenen Monat hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass die Schulden von 9,4 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 11,8 Milliarden Dollar in diesem Jahr gestiegen sind. Allein für das dritte Quartal hat die Tribune Company im operativen Geschäft einen Verlust von 124 Millionen Dollar ausgewiesen, nach einem Gewinn von 84 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz ging um zehn Prozent auf eine Milliarde Dollar zurück.

"Es gab in der letzten Zeit so viele schlechte Nachrichten, dass momentan jeder einfach nur mit den Schultern zuckt", sagte ein betroffener Redakteur in Chicago. "Es ist wieder ein Tag mehr mit enttäuschenden Nachrichten."

Der Tribune-Konzern wurde erst im vergangenen Dezember vom Immobilienmogul Zell übernommen. Der Konzern besitzt 23 TV-Sender, zwölf Zeitungen sowie das Baseballteam Chicago Cubs. Die "Los Angeles Times" hatte im September eine Auflage von 739.000 Exemplaren, die "Chicago Tribune" von 542.000.

In den vergangenen Monaten hat Tribune laut einem Bericht der "New York Times" fieberhaft versucht, das Baseballteam Chicago Cubs zu verkaufen, ebenso das Stadion und den konzerneigenen Anteil an einem regionalen Kabelkanal. Der Deal könnte Tribune mehr als eine Milliarde Dollar einbringen. Er wurde jedoch wegen der Finanzkrise mehrfach verschoben.

sam/ssu/Reuters

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