Riga - Lange war Lettland die am stärksten wachsende Wirtschaft Europas - jetzt steht der Staat unter den 27 EU-Mitgliedstaaten am schlechtesten da: Das lettische Bruttoinlandsprodukt ist in den ersten neun Monaten des Jahres um 0,6 Prozent gesunken, im Herbstquartal ging die Wirtschaftsleistung sogar um 4,6 Prozent zurück. Das teilte das Statistische Amt am Dienstag in Riga mit.
Die desolaten Daten wurden kurz vor einer wichtigen Kabinettssitzung veröffentlicht. Auf dieser soll über tiefe Einschnitte in den Haushalt beraten werden, die Grundlage für Nothilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union sind. Lettland hofft auf Hilfen über insgesamt rund fünf Milliarden Euro, um die Wirtschaft stützen zu können.
Das Land ist von der Finanzkrise stark betroffen. Anfang November intervenierte die Regierung, um die zweitgrößte Bank des Landes vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Die Regierung und der IWF erwarten, dass die lettische Wirtschaft 2009 um 5 Prozent schrumpft. 2007 gab es noch ein Wachstum von 10,3 Prozent.
Angesichts der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise rechnen immer mehr EU-Staaten im kommenden Jahr mit einer Rezession. Neben Lettland gaben auch Österreich und Finnland düstere Prognosen für 2009 ab.
In Österreich wird für 2008 nach einem starken ersten Halbjahr zwar noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent gerechnet. 2009 werde das Bruttoinlandsprodukt aber um 0,3 Prozent sinken, erklärte die Notenbank in Wien am Dienstag. Durch den weltweiten Abschwung habe sich eine "sehr ernste Situation" für die österreichische Wirtschaft entwickelt. Für 2010 sei wieder eine leichte Erholung zu erwarten.
Ähnliche Prognosen kamen aus Finnland. Für 2009 wurde ein wirtschaftlicher Rückgang um 0,5 Prozent vorausgesagt, nachdem im September noch mit einem Wachstum von 1,3 Prozent gerechnet worden war. Für 2010 sei dann wieder ein Plus von 0,7 Prozent zu erwarten, teilte die Notenbank mit. Für 2008 wurde das erwartete Wachstum von 2,8 auf 2,1 Prozent korrigiert.
In Großbritannien ist das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2008 möglicherweise etwas stärker geschrumpft als zunächst berechnet. Die Wachstumsraten der Industrieproduktion für die vergangenen Monate seien nach unten angepasst worden, teilte das nationale Statistikamt zum Bericht über die Produktion im Gewerbe und der Industrie mit. Dies könne dazu führen, dass das BIP für das dritte Quartal von minus 0,5 auf minus 0,6 Prozent noch weiter revidiert werden müsse. Die Industrieproduktion steuert rund 20 Prozent zum britischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei.
ssu/AP/dpa-AFX
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