Wirtschaft



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10.12.2008
 

Wertlose Zertifikate

Banken blockieren Hilfe für Lehman-Opfer

Geschädigte Lehman-Anleger haben schlechte Karten: Zweieinhalb Monate nach der Pleite der US-Investmentbank warten viele noch immer auf Entschädigung. Die meisten Lehman-Partnerbanken geben sich jedoch uneinsichtig.

Hamburg - Lehman-Opfer brauchen weiterhin viel Geduld: Nach Angabe der Verbraucherzentrale Hamburg verweigern die meisten Partnerbanken des US-Pleiteinstituts geschädigten Zertifikate-Zeichnern die Entschädigung. Das ergab eine Umfrage der Verbraucherzentrale unter fast 400 betroffenen Kunden.

Lehman-Banker: Anleger kämpfen um Entschädigung
Getty Images

Lehman-Banker: Anleger kämpfen um Entschädigung

Nur acht Prozent der untersuchten Fälle hätten demnach Entschädigungsangebote erhalten, sagte Günter Hörmann von der Verbraucherzentrale. Allen voran die Hamburger Sparkasse zeigte sich bemüht. "Alle anderen Geldinstitute verweigern eine Entschädigung", sagte Hörmann.

Auf Grundlage der Befragung hat die Verbraucherzentrale eine Schadenssumme in Deutschland von 692 Millionen Euro ermittelt. Der durchschnittliche Verlust pro Fall liegt demnach bei 17.300 Euro. Insgesamt soll es in ganz Deutschland 40.000 Lehman-Opfer geben. Die Spanne der verlorenen Anlagesumme reicht von 1000 bis 200.000 Euro.

Die Geschädigten sind vor allem Senioren. Das Durchschnittsalter der befragten Kunden lag bei 64, der älteste Betroffene war älter als 90. 94 Prozent der Befragten erklärten, sie hätten nicht gewusst wie ein Zertifikat funktioniert (siehe Kasten).

Nach Ansicht der Verbraucherschützer bestehen weiterhin gute Aussichten für eine Entschädigung der Opfer, auch wenn es zu Gerichtsprozessen käme. "Geschädigte haben Anspruch auf Entschädigung", sagte Hörmann. Edda Castello, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale, fügte hinzu: "Bei der Beratung sind schwerwiegende Fehler gemacht worden." Demnach wurde die Provision verschwiegen, außerdem gab es keine anlegerspezifische Beratung, wie Castello sagte. Auch seien die Produkte, also die Zertifikate, nicht ordentlich erläutert worden.

Die Verbraucherzentrale riet betroffenen Kunden zur Klage, falls die Banken nicht freiwillig entschädigen. "Anfang 2009 werden wir die ersten Prozesse sehen", sagte Hörmann. Ein Urteil des Landgerichts Frankfurt, das einem Lehman-Anleger eine Entschädigung verweigert hatte, ist nach seiner Ansicht nicht wegweisend.

Die Zertifikate der Geschädigten wurden zumeist Ende 2006 verkauft, die Initiative ging in den allermeisten Fällen von den Banken aus. Die Verbraucherzentrale erhob zudem den Vorwurf verbotener Werbeanrufe gegen die Banken, weil 56 Prozent der Opfer per Telefon kontaktiert wurden.

suc/AP

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