Washington/New York - Die Bank of America plant einen massiven Stellenabbau. Als Folge der Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch sollen in den nächsten drei Jahren voraussichtlich 30.000 bis 35.000 Arbeitsplätze wegfallen, teilte das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit.
Damit wäre über ein Zehntel der gesamten Belegschaft von den Entlassungen betroffen. Die Bank of America beschäftigt 247.000 Mitarbeiter, Merrill Lynch 61.000.
Bis Anfang kommenden Jahres will das Institut die endgültige Zahl nennen und einen detaillierten Plan vorlegen. Der Abbau werde beide Institute betreffen und sich durch alle Geschäftsbereiche ziehen, hieß es. Ziel sei es, "Überschneidungen" zu vermeiden. Ein weiterer Grund für die Maßnahme sei das "aktuell rezessive Marktumfeld".
Beide Institute haben in den zurückliegenden Monaten mehrere tausend Arbeitsplätze gestrichen, um Kosten zu sparen und die Belastungen aus dem Zusammenbruch von Immobilienkrediten zu bewältigen. Die Aktionäre hatten die Übernahme in der vergangenen Woche abgesegnet.
Die meisten anderen amerikanischen Geldhäuser haben bereits ähnliche Schritte angekündigt. So ist die Citigroup dabei, rund 23.000 Jobs zu streichen, Morgan Stanley hat schon 4400 Stellen abgebaut. Experten rechnen mit noch mehr Kürzungen, da die Gewinne aufgrund der anhaltenden Konjunkturkrise weiter einbrechen.
2007 hatte die Bank of America für 2,5 Milliarden Dollar das angeschlagene Unternehmen Countrywide Financial
gekauft. Im September 2008 wurde dann die Übernahme der damals drittgrößten Investmentbank Merrill Lynch
für 50 Milliarden Dollar bekannt. Merrill Lynch stand damals am Rande der Pleite. Der Kauf von Lehman Brothers
, der zu dieser Zeit viertgrößten Investmentbank der USA, wurde hingegen abgesagt - am selben Tag meldete Lehman Brothers Insolvenz an.
JP-Morgan-Chef: "Schreckliches Quartal"
Der Aktienkurs der Bank of America war am Donnerstag um knapp elf Prozent auf 14,91 Dollar gefallen. Zunehmende Sorgen um ein Scheitern des Rettungspaketes für die amerikanische Autobranche hatten die US-Börsen ins Minus gedrückt. Auf dem Markt lasteten zudem schlechte Konjunkturdaten. Der Anstieg des Ölpreises konnte den Abwärtstrend im Handelsverlauf nicht aufhalten.
Der Dow-Jones-Index
der Standardwerte fiel um 2,2 Prozent auf 8565 Punkte. Im Tagesverlauf pendelte er dabei zwischen 8512 und 8809 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 2,8 Prozent auf 873 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq
sank um 3,7 Prozent auf 1507 Punkte. In Frankfurt ging der Dax
mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 4767 Zählern aus dem Handel.
Der Chef der US-Bank JP Morgan, Jamie Dimon, sah für das laufende vierte Quartal keine Entspannung der Finanzkrise. Der November sei ein schrecklicher Monat im Handelsgeschäft gewesen und auch der Dezember laufe schlecht, sagte Dimon in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC. "Es wird ein hartes Quartal."
Es sei schwer, die weitere Entwicklung vorherzusehen, betonte Dimon. Es sei durchaus möglich, dass die Häuserpreise in den USA um weitere 10 oder 20 Prozent einbrechen. Mit etwas Glück könnten sich die Märkte nach zwei weiteren Quartalen wieder erholen. "Aber wir bereiten uns auf ein hartes Jahr 2009 vor."
Pessimistische Prognosen von der Weltbank
Nach Einschätzung eines Weltbank-Ökonomen wird sich auch der globale Handel dramatisch abschwächen. "Die Dinge laufen ziemlich schnell in die falsche Richtung", sagte Bernard Hoekman, Direktor für internationalen Handel bei der Weltbank, am Donnerstag. Nach den Prognosen der Förderinstitution wird das Handelsvolumen demnach im kommenden Jahr um rund 2,5 Prozent sinken, bevor es sich 2010 wieder deutlich erholt. Dies wäre der erste Rückgang des internationalen Warenaustausches seit 1982.
Er persönlich sei aber besorgt, dass der Aufschwung länger auf sich warten lasse als von der Bank offiziell angenommen, erklärte Hoekman. Das Risiko eines länger andauernden Abschwungs sei groß, wenn die derzeitige Entwicklung in einigen der größten Handelsnationen anhalte. Als Beispiel nannte er China. Dort fiel der Rückgang der Im- und Exporte im November stärker aus als erwartet.
amz/Reuters/dpa/AP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Finanzkrise ab 2007 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH