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12.12.2008
 

Pannenserie

KfW-Chef will Förderbank umkrempeln

Von Anne Seith, Münster

Lehman-Desaster, Island-Pleite und der Staatsanwalt ermittelt auch - KfW-Chef Schröder hat einen Job wie einen Alptraum. Nun geht der Institutsleiter in die Offensive und sagt, wie er die Pannenbank zum Vorzeigeinstitut reformieren will.

Münster - Vielleicht ist es der rabenschwarzer Humor, der Ulrich Schröder zurzeit über viele dunkle Momente hinweghilft. Die KfW sei noch nie so bekannt gewesen, erklärt der Banker trocken: 60 Prozent wüssten in Umfragen etwas anzufangen mit den drei Buchstaben der Förderbank. "Ich weiß nicht, ob wir mit 320 Millionen Euro Werbeetat da ausgekommen wären", ulkt der KfW-Chef. Die Zuhörer glucksen.

KfW-Chef Schröder: "Alles kluge Leute"
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KfW-Chef Schröder: "Alles kluge Leute"

Rund 320 Millionen hatte die KfW im September an die US-Investmentbank Lehman Brothers überwiesen - da lief deren bevorstehende Pleite in den Nachrichten schon rauf und runter. Es ist der peinlichste Skandal in der Geschichte des Hauses, den Schröder da in dem Hörsaal der Uni Münster mit launigen Worten beschreibt - und wahrscheinlich sein persönlicher Alptraum.

Gerade einmal zehn Tage war der 56-Jährige im Amt, als das Debakel passierte. Jetzt beschäftigt der Vorgang die Staatsanwaltschaft, die auch Schröder selbst ins Visier nimmt. Die "Bild"-Zeitung zieht genüsslich über die "dümmste Bank" und ihre "Dumm-Banker" her. Die Polizei veranstaltete in der KfW eine peinliche Razzia. Inzwischen kam auch noch raus, dass die KfW mit Hunderten Millionen bei Pleitebanken in Island engagiert ist.

Offenbar bleibt Schröder nur die Selbstironie, um den Image-Schaden wieder auszubügeln. "Wie dumm ist die KfW?", schlug der frischgebackene Förderbank-Chef also forsch als Thema vor, als ihn seine ehemalige Hochschule um einen Vortrag bat. Die KfW-PR-Abteilung versuchte noch abzumildern, formulierte nachträglich mühsam um: "Wie dumm ist die KfW - wirklich? Rolle und Aufgabe jenseits der Medienbetrachtung." Da waren die roten und gelben Ankündigungszettel in der Uni aber schon gedruckt und ausgehängt.

Vielleicht ist der Skandalreigen sogar ein Glück für Schröder. Denn der 56-jährige Jurist mit dem sauberen Seitenscheitel und dem tadellosen blauen Anzug will jetzt nicht nur witzig sein: Er hat Pläne, die manchem ziemlich rigoros erscheinen werden. Also muss öffentlicher Druck her. Schließlich müssen die meisten Entscheidungen von der Politik gefällt werden - die KfW gehört zu 80 Prozent dem Bund und zu 20 Prozent den Ländern. Nun ist der Hörsaal in Münster proppenvolle, alle Sitze sind belegt, an den offenen Türen haben sich Menschentrauben gebildet. Es ist schon einmal ein ziemlich gutes Forum.

Sicher, erst muss das "sehr solide Geschäftsmodell" erklärt werden, schließlich ist das hier ein Uni-Vortrag und keine Lobby-Veranstaltung. Doch es dauert nicht allzu lang, da kommt Schröder auf die Baustellen in der KfW zu sprechen, an die er ran will. Das seltsame Konstrukt des Verwaltungsrats zum Beispiel. 37 Leute sitzen in dem Aufsichtsgremium: Bundes- und Länderminister, Parlamentarier, Vertreter der Industrie und der Gewerkschaften. "Alles kluge Leute", sagt Schröder. Die breite Repräsentation findet er sinnvoll.

Aber eine vernünftige Entscheidungsfindung in dieser Mega-Runde? "Nach einer Stunde hauen die ersten ab, nach eineinhalb Stunden muss man aufpassen, dass die Beschlussfähigkeit nicht verlorengeht", überspitzt der KfW-Chef humorvoll. Auf die Hälfte könnte man das Aufsichtsgremium seiner Ansicht nach schon zusammenstreichen. Später schiebt er nach: Natürlich müsse das die Politik entscheiden.

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