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Pannenserie KfW-Chef will Förderbank umkrempeln

2. Teil: Job als Himmelfahrtskommando

Auch der Aufsicht der BaFin soll die KfW endlich unterworfen werden, findet Schröder. Bei regelmäßiger Kontrolle durch die Finanzbehörde wären vielleicht "eine Reihe von Schwächen in unserem Haus" früher erkannt worden. Dass zum Beispiel über 60 Jahre hinweg "der Wirtschaftsprüfer nicht gewechselt hat". Das hat er schnell geändert nach dem Lehman-Debakel.

Schröder, der zuvor bei verschiedenen öffentlichen Banken wie der WestLB und der NRW.Bank agierte, preist sein Institut als "international größte Förderbank mit Standorten in mehr als 60 Ländern". Selbst die berühmte China Development Bank "ist - noch jedenfalls - kleiner als wir", sagt er und meint es positiv. Die KfW fördert Häuslebauer und Studenten, unterstützt mittelständische Unternehmen, Projekte im Bereich erneuerbare Energien, ist in der Entwicklungshilfe tätig - und damit in nichts weniger als in der internationalen Friedenssicherung, lernen die Zuhörer.

Was Schröder freilich verschweigt: Genau diese weltumspannenden Aktivitäten rufen immer mehr Unverständnis hervor. Was etwa hat die KfW in Island verloren? Teile der dort investierten Gelder flossen als sogenanntes Globaldarlehen an eine Bank, die es an eine norwegische Tochter weiterreichte. Solche Kredite sollen den Mittelstand fördern. Dass das auch im in Island und Norwegen passiert ist EU-Politik.

Und trotzdem ziemlich widersinnig, finden viele Ökonomen. Kritiker wie der Darmstädter Professor Dirk Schiereck fordern deshalb "endlich eine breite politische Diskussion, was die KfW noch leisten soll." Zumal die Bank nebenbei noch als eine Art Nebenhaushalt für den Bund diene, der der KfW immer wieder Aktienpakete der Deutschen Post Chart zeigen oder der Telekom Chart zeigen verkauft.

Allein, die Zeit dafür fehlt. Gerade in der aktuellen Mega-Krise braucht der Bund die Förderbank dringend. Rund 20 Milliarden Euro aus dem beschlossenen Rettungspaket sollen über die KfW in die Unternehmen und in die Bevölkerung fließen. Wenn man es bildlich fassen will, muss Schröder den rostigen Riesen-Dampfer steuern, bei voller Fahrt die Lecks reparieren und die Kapazitäten erweitern.

Er klingt zumindest im Münsteraner Hörsaal, als traue er sich das zu. Schon in den ersten Tagen nach Verabschiedung des Rettungspakets habe es 6000 Anfragen bei der KfW gegeben, wirbt der Banker. Auch die Kommunen "rufen nach Hilfe". Deshalb überlege die Bank "ernsthaft, ob wir nicht auch in die Kommunalfinanzierung viel tiefer einsteigen wollen". Seine Begeisterung ist insofern verständlich, als die Krise auch eine Chance ist. Nach dem Aufbau in der Nachkriegszeit und dann in der Nachwendezeit gibt es endlich klare neue Aufgaben.

Trotzdem ist der Druck auf Schröder gewaltig. Das wird schon an der Kritik an seiner Person deutlich, die plötzlich laut wird. Weil er auf 800.000 Euro Gehalt bestand etwa - und damit auf weit mehr, als seine Vorgängerin bekam. Oder weil auch die NRW.Bank unter seiner Führung Milliarden in hochriskante Geschäfte steckte.

Jetzt geht's ums Durchhalten und darum, dass es kein zweites Lehman gibt. Viele Lecks werden nämlich sicher nicht von heute auf morgen gestopft, das weiß auch Schröder. Vor der Bundestagswahl werde die Politik wohl kaum noch über die Verkleinerung des Verwaltungsrats entscheiden oder über die Unterstellung unter die Bankenaufsicht, sagt er nach der Veranstaltung.

Ob sein Job ein Himmelfahrtskommando sei? Schröder zuckt bei der Frage nicht mit der Wimper, zögert aber kurz. Dann erzählt er vom Rat eines Manager-Kollegen: "Räume einfach immer die Steine aus dem Weg, die direkt vor dir liegen." Wenn man den Fehler mache aufzuschauen, wirke der Berg an Geröll vielleicht gigantisch - Schröder blickt gen Decke. Lasse man das einfach, könne man überraschend viel bewegen.

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