New York - Die Stimmung ist denkbar schlecht: JP-Morgan-Chef Dimon sieht im vierten Quartal noch keine Entspannung in der Finanzkrise. Der November sei ein "schrecklicher" Monat im Handelsgeschäft gewesen, und auch der Dezember laufe schlecht, sagte Dimon dem Fernsehsender CNBC. "Es wird ein hartes Quartal." Dabei sei es schwer, die weitere Entwicklung vorherzusehen. Es sei durchaus möglich, dass die Häuserpreise in den USA um weitere 10 oder 20 Prozent einbrechen. Mit etwas Glück könnten sich die Märkte nach zwei weiteren Quartalen wieder erholen. "Aber wir bereiten uns auf ein hartes Jahr 2009 vor."
Finanztitel erlitten nach diesem düsteren Kommentar an der New Yorker Börse kräftige Verluste. Die Aktien von JP Morgan sackten am Donnerstag bis Handelsschluss um 10,68 Prozent auf 29,94 US-Dollar ab und waren somit das Schlusslicht im Dow-Jones-Index.
Zum Börsenstart in Europa ging die Talfahrt der Finanztitel weiter: Die Aktien der Deutschen Bank
gaben zeitweise fast sechs Prozent nach, Commerzbank-Titel
verbilligten sich mehr als sechs Prozent. Gleichzeitig gab der Dax
um mehr als vier Prozent nach.
Zudem gibt es weiter schlechte Nachrichten aus der Branche: Die Bank of America
plant nach eigenen Angaben nach der Integration von Merrill Lynch
einen Stellenabbau von 30.000 bis 35.000 Arbeitsplätzen in den kommenden drei Jahren. Damit wäre mehr als ein Zehntel der gesamten Belegschaft von den Entlassungen betroffen. Die Bank of America beschäftigt 247.000 Mitarbeiter, Merrill Lynch 61.000. Bis Anfang kommenden Jahres will das Institut die endgültige Zahl nennen und einen detaillierten Plan vorlegen. Der Abbau werde beide Institute betreffen und sich durch alle Geschäftsbereiche ziehen, hieß es. Ziel sei es, "Überschneidungen" zu vermeiden. Ein weiterer Grund für die Maßnahme sei das "aktuell rezessive Marktumfeld".
Beide Institute haben in den zurückliegenden Monaten mehrere tausend Arbeitsplätze gestrichen, um Kosten zu sparen und die Belastungen aus dem Zusammenbruch von Immobilienkrediten zu bewältigen. Die Aktionäre hatten die Übernahme in der vergangenen Woche abgesegnet.
Die meisten anderen amerikanischen Geldhäuser haben bereits ähnliche Schritte angekündigt. So ist die Citigroup
dabei, rund 23.000 Jobs zu streichen, Morgan Stanley
hat schon 4400 Stellen abgebaut. Experten rechnen mit noch mehr Kürzungen, da die Gewinne aufgrund der anhaltenden Konjunkturkrise weiter einbrechen.
Zudem reagierten die Anleger schockiert, nachdem der
Rettungsplan für de US-Autoindustrie gescheitert war. Die Börsen verbuchten daraufhin weltweit Verluste:
In Tokio fiel der Nikkei
-Index um 5,6 Prozent und schloss bei 8235 Punkten. Die US-Börsen hatten angesichts der wachsenden Zweifel über eine Verabschiedung des Rettungspakets im Senat ihre Verluste ausgeweitet. Der Dow Jones
fiel um 2,2 Prozent, der Nasdaq Composite
um 3,7 Prozent. Beide Indizes hatten am Nachmittag nur leicht im Minus notiert.
Nach vielen Gesprächen zwischen Regierung, Kongress und den drei Autobauern GM, Chrysler und Ford waren Überbrückungshilfen von 14 Milliarden Dollar bis Ende März ausgehandelt worden. Eigentlich hatten die Autobauer insgesamt um 34 Milliarden Dollar gebeten. Das US-Repräsentantenhaus winkte die Notkredite am Mittwoch durch. Im Senat fand der Plan am Donnerstag auch nach stundenlangen Verhandlungen jedoch keine Mehrheit. Damit bestehen nur noch geringe Chancen auf Notkredite noch in diesem Jahr.
cvk/dpa/Reuters
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