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12.12.2008
 

Börsenprognose

Anlageprofis fassen schon wieder Mut

Von Karsten Stumm

Selten haben Aktienexperten mit ihren Prognosen so falsch gelegen wie in diesem Jahr. Doch die Auguren zeigen Mut: Trotz Konjunkturmalaise peilen Anlageprofis für 2009 schon wieder den nächsten Börsenaufschwung an.

Hamburg - Das ging daneben. Und zwar richtig: Selten haben sich Wirtschafts- und Börsenexperten so verschätzt, wie mit ihren Konjunktur- und Aktienkursvorhersagen für das Jahr 2008. Bis auf 10.250 Punkte, so glaubten beispielsweise die WGZ-Bank-Analysten noch Ende 2007, könne der Dax Chart zeigen in diesem Jahr zulegen; verglichen mit dem vergangenen Jahresendstand wäre das ein schönes Plus von rund 27 Prozent gewesen. Es ist anders gekommen. Am Freitag notierte der Leitindex gerade mal bei rund 4660 Punkten.

Börsianer in Frankfurt: "V" statt "U"-Konjunkturformation
DPA

Börsianer in Frankfurt: "V" statt "U"-Konjunkturformation

Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer hat im laufenden Jahr bereits mehr als 40 Prozent seines Wertes eingebüßt. Von Gewinnen und Gewinnern also keine Spur. Die WGZ-Truppe steht mit ihrem Prognosendesaster nicht mal alleine: Die Cominvest beispielsweise rechnete für 2008 mit einem Dax-Plus von knapp sieben Prozent auf rund 8600 Zähler.

Immerhin: In der Vergangenheit gab es noch größere Fehlschläge der Börsenpropheten. Die Auguren lagen nach Berechnungen von Thomson Financial im Krisenjahr 2002 sogar im Schnitt um etwa 50 Prozent neben der Aktienkursentwicklung, die später tatsächlich eintrat - der Dax verlor damals binnen Jahresfrist 44 Prozent. Aber beide Fälle weisen noch mehr Parallelen auf als das Ausmaß der Abweichung.

Börse Frankfurt: Wende bleibt bisher aus
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Die Analysten haben offenbar immer dann Schwierigkeiten, auf Kurs zu bleiben, wenn Trends wegbrechen. Mit anderen Worten: Sie liegen mit ihren Vorhersagen vergleichsweise gut, sofern sich die Börse oder die Gesamtwirtschaft einigermaßen stetig entwickelt. Mit plötzlichen Ausbrüchen dagegen haben sie so ihre Schwierigkeiten, und das trotz des immensen Einsatzes an Personal, Technik und der teils sisyphushaften Auswertung Tausender Marktdaten.

"Wir haben noch nie eine so harte Korrektur unserer Prognose machen müssen wie jetzt", sagte dieser Tage Roland Döhrn, oberster Konjunkturexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Die Essener Ökonomen senkten in dieser Woche ihre Konjunkturprognose für 2009 um sage und schreibe 2,7 Prozentpunkte auf nunmehr minus 2,0 Prozent.

Noch sind viele Experten gar nicht damit nachgekommen, ihre Prognosen für die wichtigsten deutschen Aktiengesellschaften der befürchteten Wirtschaftsentwicklung anzupassen. Das heißt aber auch, dass "die Gewinnschätzungen der Unternehmen für die Jahre 2009 und 2010 noch um 20 bis 30 Prozent überhöht sind und wohl bis zum zweiten Quartal 2009 nach unten geschraubt werden müssen", sagt Matthias Jörss, leitender Aktienstratege der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim - mit entsprechenden Folgen für den Aktienmarkt.

Entsprechend benommen wirken derzeit die Börsenanalysten. Die Cominvest etwa, die im laufenden Jahr wie so viele andere so kräftig daneben lag, möchte dieses Mal lieber gar keine exakte Dax-Prognose abgeben. Zu groß scheinen ihren Experten die Unwägbarkeiten geworden zu sein.

Doch so vorsichtig die Experten auch sind, es gibt Zeichen für Optimismus. "Punktprognosen für den Dax im Jahr 2009 bleiben angesichts der anhaltend hohen Volatilitäten zwar nach wie vor wenig sinnvoll. Die Cominvest geht jedoch davon aus, dass die weltweit wichtigsten Aktienmarktindizes am Jahresende 2009 auf höheren Niveaus liegen werden als derzeit", sagt Ingo Mainert, Geschäftsführer und Chief Investment Officer der Cominvest.

Bange machen lässt sich die Gilde der Börsen- und Wirtschaftspropheten also dennoch nicht. Und manche zeigen sogar schon wieder Mut: Während andere Wirtschaftsforscher ihre bisherigen Prognosen noch der Rezession anpassen, wagt der Chefvolkswirt der Allianz-Dresdner-Gruppe schon einen Blick auf die mögliche nächste Erholung. "Dafür, dass sie im Verlauf von 2009 kommt, sprechen die weltweit sehr expansive Geldpolitik, gewaltige fiskalische Stützungspakete sowie die historisch niedrigen Zinsen", sagt Michael Heise. Und seiner Meinung ist auch Christian Heger: "Die voluminösen globalen Konjunkturprogramme werden die Nachfrage 2009 deutlich stimulieren", ergänzt der Chefstratege von HSBC Investments.

Behalten die beiden recht, bliebe den Bundesbürgern eine langwierige Stagnationsphase erspart, die Deutschland zum Beispiel von 2003 bis 2005 im Griff hatte. Stattdessen könnten sie auf eine schnellere Erholung hoffen: eher eine "V"- als eine "U"-Konjunkturformation also.

Und was hieße das für den Dax? "Zur Jahresmitte 2009 könnte er bei 6000 Punkten stehen", sagt Matthias Jörss, leitender Aktienstratege bei Sal. Oppenheim. Man wird sehen.

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