New York/Washington/Frankfurt am Main - Die US-Notenbank Fed hat erneut den Leitzins gesenkt. Der zuständige Offenmarktausschuss setzte den Satz am Dienstag von bislang 1,0 Prozent auf eine fluktuierende Rate im Bereich zwischen null Prozent und 0,25 Prozent hinab, wie es in einer in Washington veröffentlichten schriftlichen Erklärung hieß. Damit erreichte der Satz neue Tiefstwerte.
Der Zinsschnitt sei nötig, weil sich die Wirtschaftslage "weiter verschlechtert" habe, hieß es in der Erklärung. Die Fed sagte zu, "alle zur Verfügung stehenden Instrumente zu nutzen, um die Rückkehr zu einem nachhaltigen Wachstum zu fördern und die Preisstabilität zu wahren". Der Fokus werde dabei weiter auf der Stabilisierung der Finanzmärkte liegen. Die Zinssätze würden insgesamt "für einige Zeit außergewöhnlich niedrig" liegen, heißt es in der Erklärung. Zudem kündigte die Fed an, in den kommenden Monaten "in großem Umfang" hypothekengestützte Wertpapiere aufzukaufen, um die Lage auf dem angespannten Immobilien- und Hypothekenmarkt zu verbessern.
Beobachter und Börsianer hatten mit einer Korrektur nach unten gerechnet. Lediglich über das Ausmaß bestand Unsicherheit. Überwiegend gingen Ökonomen allerdings nur von einer Senkung um einen halben Prozentpunkt auf 0,5 Prozent aus. schon dies wäre das niedrigste Zinsniveau in den USA seit der erstmaligen Festlegung der "Fed Funds Rate" im Jahr 1971. Einige Experten hatten dagegen mit einem noch stärkeren Schritt bis hin zur Reduzierung auf null Prozent gerechnet.
Die US-Börsen reagierten positiv auf die unerwartet hohe Korrektur. Der US-Leitindex Dow Jones legte deutlich zu und beendete den Handel am Dienstag mit einem Plus von 4,2 Prozent bei 8924 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 lag bei Börsenschluss mit 5,13 Prozent im Plus bei 913 Punkten, die Technologiebörse Nasdaq Composite
verbuchte einen Zuwachs von 5,4 Prozent auf 1590 Punkte.
"Es ist ein ziemlich unorthodoxer und kreativer Schritt", sagte Michael Woolfolks, Währungsstratege bei der Bank of New York-Mellon. "Wir denken, es ist die bestmögliche Entscheidung für Verbraucher und Finanzmärkte." Die Zinssenkung sei definitiv deutlicher ausgefallen, als viele erwartet haben, sagte auch Analystin Jocelynn Drake von Schaeffer Investment Research. "Das hilft den Märkten."
Die Fed reagiert mit der Zinssenkung auf die weiterhin schlechte Wirtschaftslage der Vereinigten Staaten. "Es zeigt sich, dass die USA nicht so schnell aus der Krise kommen wie von vielen bislang gedacht", fasste Mario Mattera von der Metzler Bank die Stimmung zusammen. Nach offiziellen Daten steckt die US-Wirtschaft bereits seit geraumer Zeit in der Rezession. Zuletzt gingen im großen Stil Arbeitsplätze verloren.
Laut aktuellen Konjunkturdaten steht es um die US-Wirtschaft noch schlechter als von vielen zuletzt angenommen. So brachen die Wohnbaubeginne im November um fast 19 Prozent ein. Die Baugenehmigungen stürzten um 15,6 Prozent ab. Beide Statistiken fielen schlechter als von Analysten erwartet aus.
"Das spiegelt wider, wie schlecht es um die Wirtschaft bestellt ist", erklärte ein Analyst. "Es gibt kein Anzeichen einer Stabilisierung. Die Hoffnung, wir könnten die Talsohle erreicht haben, schwindet", erklärte ein anderer.
Wegen der Wirtschaftskrise sind die Verbraucherpreise in den USA zudem rasant gefallen. Wie das US-Arbeitsministerium am Dienstag in Washington mitteilte, sanken die Preise auf Monatssicht um 1,7 Prozent. Dies ist der stärkste monatliche Preisrückgang seit Beginn der Erhebung im Jahr 1947. Die sinkenden Verbraucherpreise hatten den Zinsspielraum für die Fed zusätzlich vergrößert. Der Inflationsdruck habe sich "spürbar verringert", erklärte die Notenbank.
Der designierte US-Präsident Barack Obama versicherte am Dienstag erneut, mit einem umfangreichen Investitionsprogramm des Staates die Konjunktur wieder ankurbeln zu wollen. Im Kampf gegen die Rezession "gehen uns allmählich die Mittel Aus", sagte er in Chicago mit Blick auf die Fed-Entscheidung und die ohnehin schon extrem niedrigen Zinsen. "Wir gehen derzeit durch die härteste Zeit seit der großen Depression", betonte Obama, der am 20. Januar das Präsidentenamt übernimmt.
suc/dpa-AFX/Reuters/AFP/dpa
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