Von Anne Seith, Frankfurt am Main
Frankfurt am Main - Die deutschen Börsianer machten bei der Party schon nicht mehr mit. An der Wall Street war der Dow Jones
nach der spektakulären Zinssenkung von US-Notenbankchef Ben Bernanke am Dienstag noch mit einem Plus von 4,2 Prozent aus dem Handel gegangen. Der Dax
aber drehte kurz nach dem Handelsstart am Mittwochmorgen schon wieder ins Minus. Ein frustrierendes Ergebnis, bedenkt man die historische Einmaligkeit von Bernankes Zinsschritt.
Auf einen Korridor von null und 0,25 Prozent hat der Fed-Chef den Leitzins gesenkt - das ist der tiefste Stand seit den siebziger Jahren. Mit einer derart drastischen Entscheidung hatten die wenigsten Experten gerechnet. Und dabei soll es nicht bleiben. Auch der breit angelegte Kauf von Staatsanleihen werde in Betracht gezogen, verkündete Bernanke. So kann die Fed der Regierung Geld für Konjunkturprogramme zur Verfügung stellen. Zudem will die Notenbank den Ankauf von Schuld- und Hypothekenpapieren ausweiten. Das Programm ist allerdings nicht nur an den Börsen umstritten.
An der Dramatik der Situation in den USA zweifelt freilich niemand: Nach offiziellen Daten steckt die US-Wirtschaft bereits seit geraumer Zeit in der Rezession. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,7 Prozent und damit so hoch wie zuletzt in den dreißiger Jahren - und die Lage spitzt sich weiter zu. Der private Konsum lasse immer mehr nach, erklärte Bernanke die Fed-Beschlüsse. Ebenso gingen Investitionen und die Industrieproduktion zurück.
Doch nach der Verkündung des Fed-Plans fragen viele Experten, ob die Waffen der Fed nicht längst stumpf geworden sind im verzweifelten Kampf gegen diese Krise.
Schließlich sind schon die bisherigen Zinsschritte der Bank - zehn an der Zahl seit Juni 2007 - weitgehend wirkungslos verpufft. Ähnlich folgenlos werde die jetzige Aktion bleiben, warnt Dirk Schiereck, Finanzexperte an der TU Darmstadt. "Der Preis des Geldes ist derzeit nicht das Problem, sondern das mangelnde Vertrauen." Deshalb könne eine Notenbank mit Zinsinstrumenten nichts ausrichten, schon die verhaltene Reaktion der Börse zeige: "Das ist der finale Offenbarungseid der Fed."
Kritiker wie Schiereck warnen gar, die Fed lege jetzt die Basis für die nächste Krise. Schon nach dem Platzen der Dotcom-Blase habe die Notenbank über Jahre hinweg eine Niedrigzinspolitik verfolgt - und die Investoren hätten das billige Geld im Eiltempo auf den US-Immobilienmarkt getragen, wo dann die nächste Blase heranwuchs. Noch dazu ruft der jüngste drastische Zinsschritt automatisch Erinnerungen an Japan hervor: Dort wurde der Zins in einer ähnlichen Krise vor über einem Jahrzehnt quasi auf null gesenkt - ohne nennenswerten Erfolg.
"Aggressiv, nicht verzweifelt"
Trotzdem setzen viele Ökonomen große Hoffnungen auf Bernanke. Dessen Vorgehen sei "aggressiv, nicht verzweifelt", sagt etwa der US-Ökonom Michael Burda, der an der Berliner Humboldt-Universität lehrt.
Japan habe den Fehler gemacht, es weitgehend bei der Zinssenkung zu belassen, erklärt er. "Die Banken dort wurden nicht zur Ehrlichkeit gezwungen." So wären die faulen Wertpapiere einfach in den Büchern geblieben. Wahrscheinlich sei Bernankes Plan genau deshalb sehr viel breiter angelegt. Auch Peter Spahn von der Universität Hohenheim hält es für sinnvoll, wenn die US-Notenbank nun Staatsanleihen aufkauft und dem Staat damit neue Liquidität für Konjunkturmaßnahmen zur Verfügung stellt.
Ganz risikofrei ist das Verfahren indes nicht: Denn letztendlich bezahlt die Fed die Staatsanleihen wohl mit "neuen Dollars", wie es Spahn beschreibt. "In letzter Konsequenz heißt das, dass die Fed Geldpolitik jetzt über die Notenpresse betreibt", sagt Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. Das kann dem aktuellen Trend zum Preisverfall in den USA schnell ein Ende setzen - und zu starker Inflation führen.
Weniger als null geht nicht
Auch in Europa wird sich die jetzt eingeschlagene Strategie der Fed bemerkbar machen. Schon unmittelbar nach der Entscheidung reagierte der Dollar mit kräftigen Abschlägen gegenüber dem Euro. "Den deutschen Exporteuren, wie zum Beispiel der angeschlagenen Autoindustrie, wird das Kopfschmerzen bereiten", sagt Ökonom Schiereck.
Zudem wird der politische Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) nun wohl weiter steigen, dem Trend zur Zinssenkung weiter nachzugeben. Die Notenbanker der Gemeinschaft hatten bereits Anfang Dezember den Leitzins um 75 Basispunkte auf 2,5 Prozent gesenkt. Der deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte die Bank am Mittwoch prompt auf, sich einen "weiteren Ruck" zu geben.
Selbst Burda aber mahnt, nicht allzu eilig dem US-Beispiel zu folgen: Die Situation in Europa sei eine andere, deshalb sei es vielleicht besser, die zur Verfügung stehenden Instrumente zögerlicher einzusetzen. Manchmal sei es besser, "dass Pulver trocken zu halten" und nicht gleich alles zu verschießen.
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Endlich haben sie es kapiert. 0 Prozent gebe ich mir auch und bringe jeden Monat mein Geld NICHT zur Bank. Ich überlege, ob ich mir Ende d. J. einen Bonus dazulegen. Als Belohnung sozusagen.... Irgendwann werde ich auf meiner [...] mehr...
Systemende? Lachhaft, weder das Eigentum wird abgeschafft werden, noch werden die Menschen aufhören Güter herzustellen und diese am Markt anzubieten. Wenn dieses Platzen einer Blase schon "der Jahrhundertfehler" [...] mehr...
Hallo lieber Freund, ich bin aus Frankreich und ich wollen das Wissen in Deutschland zu mehr...
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