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Abschwungsängste Experten erwarten für 2009 Konsumflaute

Noch sind die Verbraucher im Kaufrausch - doch damit dürfte es bald vorbei sein: Im kommenden Jahr werden die vermutlich zunehmende Arbeitslosigkeit und die sich verschärfende Rezession den Konsum ersticken, prognostizieren Experten.

Berlin - Nach einem stabilen Weihnachtsgeschäft rechnet der deutsche Einzelhandel spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2009 mit einem Rückgang des privaten Konsums. "Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, dann ist der Konsum betroffen", sagte Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), im "Tagesspiegel". "Im zweiten Halbjahr könnte es sehr viel schlechter aussehen."

Berliner Einkaufszentrum: Kauflaune dürfte bald abebben
REUTERS

Berliner Einkaufszentrum: Kauflaune dürfte bald abebben

Von einer deutlichen Eintrübung des Konsums gehen auch viele Ökonomen aus. "Wir erwarten für 2009 einen Rückgang um 0,5 Prozent", sagte Analyst Sebastian Wanke von der Deka-Bank. "Die Rezession ist unglaublich scharf, das ist bei vielen Verbrauchern noch gar nicht angekommen." Noch profitiere der Konsum von den guten Tarifabschlüssen dieses Jahres und der stark gesunkenen Inflationsrate. Die Zahl der Arbeitslosen werde aber im Laufe des kommenden Jahres ansteigen, der private Konsum voraussichtlich schon im zweiten Quartal zurückgehen, erwartet der Experte.

Die Prognosen, die führende Wirtschaftsinstitute im Dezember für den Arbeitsmarkt veröffentlicht haben, sind in der Tat düster: Laut Ifo-Institut werden im Verlauf von 2009 gut 540.000 Personen arbeitslos, bis 2010 könnten es fast eine Million werden. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) rechnet damit, dass 2009 etwa 600.000 Jobs wegfallen.

Experten erwarten 2009 einen kräftigen Konjunktureinbruch. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr um 2,7 Prozent schrumpft. Das Wirtschaftsministerium hält im schlimmsten Fall sogar ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um drei Prozent für möglich. Im bisher schwächsten Jahr 1975 ging das Bruttoinlandsprodukt um 0,9 Prozent zurück. Fast jedes dritte Unternehmen rechnet in der Folge im kommenden Jahr mit Stellenabbau.

Konjunkturexperte Marcus Kappler vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sagte dazu: "Die Wirkung der Rezession auf die Inflationsrate ist unmittelbar im Geldbeutel spürbar. Das Geld, das an der Zapfsäule gespart wird, hat man sofort zur Verfügung." Das habe offensichtlich positive Auswirkungen. Die düsteren Prognosen dagegen richteten sich mehr auf die nahe Zukunft. "Die Nachrichten, die uns jetzt schocken, sind Dinge, die für 2009 gelten. Wir dürfen nicht vergessen: Wir stecken zwar in der Rezession - die eigentliche Krise wird aber noch kommen."

Auch die Commerzbank ist pessimistisch. "Es ist schwer, für 2009 überhaupt einen Zuwachs beim privaten Konsum zu sehen", sagte Einzelhandelsanalyst Jürgen Elfers dem "Tagesspiegel".

Noch schlagen Rezession und Finanzkrise den Deutschen allerdings nicht aufs Gemüt: Das Konsumklima werde im Januar konstant bleiben, prognostizierten die Marktforscher der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Montag nach einer Umfrage unter 2000 Deutschen. Das GfK-Barometer bleibe mit 2,1 Punkten unverändert. Im November und Dezember war es jeweils leicht gestiegen.

Die Konjunkturaussichten schätzen die Verbraucher indes schon jetzt schlechter ein. Das entsprechende Barometer sank im Dezember auf minus 32,4 Zähler, das sind 2,3 Punkte weniger als im November. "Die konjunkturelle Entwicklung stimmt die Konsumenten nachdenklich", sagte Gfk-Chef Klaus Wübbenhorst. Derzeit gebe es kaum Anlass, diesen Pessimismus aufzugeben, schrieb die GfK.

Zur Stabilisierung des Konsums forderte die GfK staatliche Maßnahmen: "Wir brauchen ein zusätzliches Konjunkturprogramm", sagte Wübbenhorst. Dabei müsse die Regierung "klotzen und nicht kleckern". Er plädiert für ein "schnelles und entschlossenes" Handeln. Der Umfang des Programms sollte dabei im zweistelligen Milliardenbereich liegen.

Die Bundesregierung hat bereits Pläne für ein zweites Konjunkturprogramm geschmiedet. Nach SPIEGEL-Informationen soll es 40 Milliarden Euro groß sein. Die Milliarden sollen unter anderem in die Infrastruktur investiert werden, vor allem Schulen und Kindergärten sollen profitieren.

ssu/AP/dpa/ddp/Reuters

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