Peking - Im Skandal um verseuchtes Milchpulver aus China haben sich die beschuldigten Firmen zu Entschädigungszahlungen bereit erklärt. Insgesamt würden 22 Unternehmen den betroffenen Familien Schadenersatz zahlen und die Behandlungskosten für die erkrankten Kinder übernehmen. Das meldet die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag.
Die Höhe der gesamten Entschädigungssumme wurde nicht genannt. Der Verband der chinesischen Milchindustrie schrieb, dass die Unternehmen hofften, durch die Zahlungen "das Verständnis und die Vergebung" der Familien zu erlangen.
Der Skandal um mit der Industriechemikalie Melamin versetztes Milchpulver aus der Volksrepublik war im September aufgeflogen. Das stickstoffhaltige Melamin wurde offenbar verwendet, um einen höheren Eiweißgehalt der Milch vorzutäuschen. Bei Kindern kann Melamin in hoher Konzentration zu Nierenversagen führen. Nach amtlichen Angaben starben mindestens sechs Babys, Hunderttausende wurden zum Teil schwerkrank.
Am Freitag begannen die Verfahren gegen sechs Verdächtige. Die Hauptverdächtige Tian Wenhua, die Ex-Chefin des Herstellers Sanlu, soll ab Mittwoch vor Gericht stehen. Sanlu war das erste Unternehmen, dem der Verkauf des verseuchten Produktes nachgewiesen wurde. Wird Wenhua für schuldig befunden, könnten ihr mindestens zehn Jahre Haft, lebenslange Haft oder sogar die Hinrichtung drohen. Das sagte der Anwalt Li Xiongbing, der eine Reihe möglicher Kläger vertritt.
Sanlu ist inzwischen insolvent. Ein Gericht in Shijiazhuang gab am Mittwoch einem entsprechenden Konkursantrag statt, wie Xinhua berichtete. Sanlu hat demzufolge rund 1,1 Milliarden Yuan (114 Millionen Euro) Schulden. Anwälte der Familien, deren Kinder aufgrund verseuchter Milchprodukte erkrankten, fürchten nun Schwierigkeiten bei der Entschädigung.
ssu/AFP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH