Mittwoch, 10. Februar 2010

Wirtschaft



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11.01.2009
 

Kuba in der Krise

Der Fluch des Marabú

Aus Havanna berichtet Bernd Bieberitz

Von Rezession keine Spur: Kubas Wirtschaft soll auch 2009 kräftig wachsen, und das trotz Sturmschäden und Weltwirtschaftskrise. Doch der Optimismus ist von oben verordnet - und steht in krassem Gegensatz zur allgegenwärtige Apathie auf der Insel.

Havanna - Weltweit korrigieren Regierungen und Unternehmen angesichts der globalen Wirtschaftskrise ihre Wachstumsprognosen nach unten - wenn sie überhaupt noch welche abgeben. Auf Kuba herrscht dagegen Optimismus. "Wir werden uns auf die essentiellen Ziele des Landes konzentrieren, um ein Wachstum von sechs Prozent im Jahr 2009 zu erreichen", betonte Wirtschaftsminister José Luis Rodríguez García am 27. Dezember in seiner Rede vor dem kubanischen Parlament.

Revolutionsmalerei in Havanna: Lethargie und Langeweile
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DPA

Revolutionsmalerei in Havanna: Lethargie und Langeweile

Der 62-jährige Politiker ist zumindest formell Kubas oberster Wirtschaftsplaner, denn in seinem Ministerium werden die Jahrespläne erarbeitet, die die Leitlinien für die ökonomische Entwicklung der Insel vorgeben. Und die fällt laut offiziellen Statistiken positiv aus. Seit 2004 ist die kubanische Planwirtschaft im Jahresdurchschnitt um beachtliche acht Prozent gewachsen. Einzig das vergangene Jahr fällt mit 4,3 Prozent Wachstum laut Rodríguez aus dem Rahmen.

Die Gründe für die Delle waren weniger die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise, sondern vor allem die drei verheerenden Hurrikane, die zwischen Ende August und Anfang November über die Insel fegten und Schäden in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar verursachten. Für die kubanische Volkswirtschaft eine beispiellose Naturkatastrophe, die dafür sorgte, dass statt der anvisierten acht Prozent Wachstum nur etwas mehr als die Hälfte erwirtschaftet wurde. So jedenfalls schreibt es der Wirtschaftsminister in seinem Rechenschaftsbericht.

Agonie statt Dynamik

Doch selbst angesichts von vier Prozentpunkten Wachstum reibt man sich überrascht die Augen, wenn man über die Insel fährt. Lethargie und Langeweile prägen nicht nur das Treiben in den Gassen von Havannas Altstadt. Auch auf den Feldern zwischen Matanzas und Santa Clara herrscht Tristesse. Dürres Vieh steht auf den Weiden und dort, wo sich noch Mitte der neunziger Jahre Zuckerrohrfelder bis zum Horizont erstreckten, dominiert heute der Marabú.

Nicht vom bekannten afrikanischen Storchenvogel ist die Rede, sondern von einem überaus widerspenstigen Gestrüpp, das in Kuba längst als Fluch der Landwirtschaft gilt. Auf bis zu einem Drittel der Anbaufläche hat sich die widerstandsfähige Pflanze breitgemacht Das dornige Buschwerk ist zum Symbol des landwirtschaftlichen Niedergangs geworden.

Die Agrarmisere scheint weiter anzuhalten, denn auch die jüngsten Reformbemühungen im Landwirtschaftsektor, wo offiziell immerhin zwanzig Prozent der Erwerbstätigen arbeiten, sind ein Schlag ins Wasser, so Armando Nova: "Die große Agrarreform, auf die wir mehrere Jahre gewartet haben und die groß angekündigt wurde, ist auf halben Weg stecken geblieben. Das Gesetz hat so viele Haken und Ösen, ist so bürokratisch, dass die Bauern kaum Interesse haben Land vom Staat zu übernehmen", kritisiert der Agrarspezialist der Universität von Havanna.

Zwei Millionen der 6,6 Millionen Hektar Ackerland liegen in Kuba brach und das ist der wesentliche Grund für die steigende Abhängigkeit der Insel von Lebensmittelimporten aus den USA, Brasilien und anderen Lieferländern. Über 2,4 Milliarden Dollar mussten laut Wirtschaftsminister Rodríguez für die Importe von Lebensmitteln 2008 aufgewendet werden – gut achthundert Millionen mehr als im Vorjahr.

Der Anstieg sei zwar auch auf die Verluste durch die drei Stürme zurückzuführen, aber das Grundübel sei die fehlende Produktivität in der Landwirtschaft, urteilt Agrarexperte Nova. Mehr Flexibilität ist zwar offiziell gewünscht, doch hinter den Kulissen regt sich Widerstand. "Die Ministerien haben bestenfalls gelernt, Ressourcen zu verteilen, aber eben nicht, sie wirkungsvoll einzusetzen und neue innovative und dezentrale Konzepte zu entwickeln", erklärt ein europäischer Entwicklungsexperte, der lieber anonym bleiben will. Obendrein gehe in den Ministerien die Angst um, obsolet zu werden, weshalb hartnäckig um Pfründe gefeilscht werde. Eben deshalb avancierte die Landwirtschaft zum größten Problemfall in der kubanischen Ökonomie.

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