Wirtschaft



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11.01.2009
 

Kuba in der Krise

Der Fluch des Marabú

Aus Havanna berichtet Bernd Bieberitz

2. Teil: Dynamik nach außen, Stagnation im Inneren

Doch nicht nur die Agrarwirtschaft leidet. Kubas geringe Produktivität ist ein Problem in den allermeisten Sektoren. "Letztlich steht einer kleinen produktiven eine große unproduktive Sphäre gegenüber. Zu letzterer gehört auch der soziale Bereich mit dem Gesundheits- und dem Bildungssystem", sagt der kubanische Ökonom Omar Everleny Pérez. Zur produktiven Sphäre zählen neben dem Nickelsektor der Tourismus und die pharmazeutische Industrie.

Der Rest der kubanischen Binnenwirtschaft dümpelt hingegen mit wenigen punktuellen Ausnahmen vor sich hin. "Diese ökonomische Schieflage hat faktisch dazu geführt, dass der Dienstleistungsbereich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Wirtschaftszweig Kubas geworden ist", erklärt Everleny, der als Vizedirektor am Forschungszentrum der kubanischen Wirtschaft (CEEC) arbeitet.

Ein Grund dafür ist der florierende Tourismus, der Kuba im vergangenen Jahr immerhin 2,3 Millionen Besucher bescherte. Vor allem aber Export von Leiharbeitern nach Venezuela, Bolivien oder Brasilien trägt zum Boom bei. Ärzte, Krankenschwestern, aber auch Lehrer, Ingenieure und Sporttrainer schieben im Auftrag der Revolution im befreundeten Ausland Dienst.

Statistiken ohne Transparenz

Das wirkt sich in den offiziellen Statistiken ausgesprochen positiv aus. Doch ob dem satten Zuwachs auch ein konkreter Zufluss an Devisen und Güter gegenübersteht, kann auch Everleny nicht sagen. "Niemand weiß genau, wie die erbrachten Leistungen verrechnet werden", moniert der Wissenschaftler.

Unstrittig ist zwar, dass Venezuela nicht nur Erdöl sondern auch mit Petro-Dollars von den Konten des staatlichen venezolanischen Erdölkonzerns (PdVSA) und manchmal sogar bares Geld für kubanische Dienstleistungen bezahlt, aber wie abgerechnet wird, weiß man wohl nur ganz oben. Das gesamte Geschäft mit dem "Bruderland" ist derart intransparent, dass selbst Experten wie Everleny keine Ahnung haben, wie sie die offiziellen Wirtschaftsstatistiken prüfen sollen.

"Obendrein hat unsere Regierung nur geringe finanzielle Reserven, um die derzeitige Situation zu überstehen und immun gegen die internationale Krise sind wir auch nicht", warnt Everleny. Zur angespannten Haushaltssituation hat nicht nur die Talfahrt des Nickel-Weltmarktpreises beigetragen, sondern auch erste Einbußen beim Tourismus. Beide Wirtschaftssektoren sind von der internationalen Konjunktur abhängig und beim Nickel lagen die Einnahmen 2008 schon gut zweihundert Millionen Dollar unter dem Plan, wie Wirtschaftsminister Rodríguez in seinem Bericht vorrechnete.

Bescheidene Jubiläumsfeiern

Auch das ist ein Grund, weshalb die Feiern zum 50. Jahrestag der Kubanischen Revolution deutlich bescheidener ausfielen als ursprünglich geplant. "Den Gürtel enger schnallen", lautet das Motto von Staatschef Raúl Castro derzeit und auch deshalb entsandten die guten Freunde, allen voran Venezuela, Bolivien und China, keine großen Delegationen, wie einst geplant, sondern schickten nur solidarische Grußbotschaften zu den zentralen Feierlichkeiten am 1. Januar in Santiago de Cuba.

Feierstimmung will da nicht wirklich aufkommen, denn die wirtschaftlichen Probleme drücken allerorten. Nur beim Wirtschaftsminister scheint das noch nicht ganz angekommen zu sein. Doch dessen Aufgabe weniger Tage vor dem Revolutionsjubiläum könnte es natürlich auch gewesen sein, etwas statistischen Glanz im alles anderen als leuchtenden revolutionären Alltag zu verbreiten.

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