Hamburg - Der Auftragsbestand der deutschen Autobauer ist nach Angaben von Matthias Wissmann auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken. "Die Inlandsbestellungen der deutschen Hersteller lagen um 21 Prozent unter dem Vorjahresniveau", sagte der Präsident des Branchenverbandes VDA dem Magazin "auto motor und sport". Der Auftragsbestand liege um elf Prozent unter dem Vorjahreswert und damit auf dem niedrigsten Niveau seit Ende der achtziger Jahre.
Automontage in Wolfsburg: Auftragsbestand massiv gesunken
Die von der Bundesregierung vorgeschlagene Verschrottungsprämie für Altautos sei ein "ergänzendes Element", aber nicht ausreichend, um die Autokonjunktur anzukurbeln. Nötig sei die kurzfristige Einführung der CO2-basierten Kfz-Steuer, "am besten noch zum 1. Juli 2009".
Bislang hatten die deutschen Autobauer mit Kurzarbeit und einer Reduzierung der Zeitarbeitsstellen auf die Krise reagiert. In der Autoindustrie unmittelbar sind 750.000 Beschäftigte tätig. Davon entfallen etwa 330.000 auf Zulieferer.
2008 waren die Absätze großer Hersteller eingebrochen. Bei Daimler ging der Absatz der Autosparte mit den Marken Mercedes-Benz, smart und Maybach im Vergleich zum Vorjahr etwa um 2,3 Prozent auf 1,256 Millionen Fahrzeuge zurück. VW verlor im Jahresverlauf deutlich an Wachstumstempo - schaffte aber unterm Strich noch ein Absatzplus von 0,6 Prozent.
Inzwischen kündigt selbst Porsche-Chef Wendelin Wiedeking "einschneidende Maßnahmen" und eine Produktionskürzung an: "Vor uns liegt ein steiniger Weg, von dem wir noch nicht wissen, wie lang er sein wird", wird er von der "Automobilwoche" zitiert. "Wir alle werden unsere Gürtel etwas enger schnallen müssen."
Merkel fordert Autoindustrie zu mehr Innovationen auf
Die deutsche Automobilindustrie soll nun nach Überzeugung von Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Innovationsanstrengungen erhöhen. In einem Interview mit der Zeitung "Bild am Sonntag" sagte die CDU-Chefin, Deutschland habe vor über hundert Jahren das erste Auto entwickelt. Jetzt müsse sich zeigen, ob die deutsche Industrie in der Lage sei, auch das Auto des 21. Jahrhunderts zu produzieren.
Merkel kündigte in diesem Zusammenhang auch Forschungsaufträge für den Klimaschutz an: "Es gab in Deutschland eine unangefochtene technische Führung beim Ottomotor, der auch weiter gebraucht wird. Aber andere Technologien dürfen darüber nicht vernachlässigt werden." Die Bundesregierung werde dem Klimaschutz durch Forschungsaufträge einen zusätzlichen Impuls geben.
Außerdem kündigte die Kanzlerin weitere Unterstützung für die Autoindustrie an. Bereits das erste Konjunkturpaket enthalte stützende Maßnahmen wie etwa die vorübergehende Aussetzung der Kfz-Steuer. Auch im Rahmen des zweiten Maßnahmepakets, über das am Montag der Koalitionsausschuss entscheide, solle die Automobilnachfrage gestärkt werden, zum Beispiel mit einer CO2-orientierten Kfz-Steuer.
ssu/AFP/dpa/Reuters
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Krise der Autoindustrie 2008/09 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH