Frankfurt am Main/Berlin - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann musste am Mittwochabend nach einem Kreislaufkollaps in Berlin vorübergehend in einem Krankenhaus behandelt werden. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Kreisen der Bank, die damit einen Bericht des "Berliner Kurier" bestätigten.
Ackermann wurde von einem Rettungswagen am Abend gegen 21 Uhr von der Filiale der Deutschen Bank am Prachtboulevard Unter den Linden in Berlin-Mitte in das Bundeswehrkrankenhaus gebracht, hieß es aus Kreisen der Berliner Einsatzkräfte.
"Ich kann bestätigen, dass Josef Ackermann zu einem kurzen ärztlichen Check in einem Krankenhaus war", sagte Deutsche-Bank-Sprecher Ronald Weichert. Anschließend sei er in sein Hotel zurückgekehrt. "Jetzt arbeitet er wieder", sagte Weichert.
Die Nachricht sorgte an der Börse für einen kurzen Einbruch bei der Aktie der Deutschen Bank
. Im weiteren Verlauf erholte sich der Wert wieder.
Die Deutsche Bank hatte am Mittwoch einen Milliardenverlust eingeräumt. In der weltweiten Finanzmarktkrise ist auch der deutsche Branchenprimus tief in die roten Zahlen gerutscht. Wie das Institut mitteilte, wird das abgelaufene Geschäftsjahr wahrscheinlich mit einem Nettoverlust von 3,9 Milliarden Euro abgeschlossen.
Wegen der gefallenen Aktienkurse verhandelte das Finanzhaus auch die Übernahme der Postbank
nach. Diese verläuft nun zwar "kapitalschonender", dafür steigt aber die Konzernmutter Deutsche Post
mit einem Anteil von acht Prozent bei der Deutschen Bank ein und mit ihr die Bundesregierung als Post-Großaktionär.
Warnende Worte beim Empfang
Am Abend hielt sich Ackermann bei einem Neujahrsempfang der Bank in Berlin auf. Auf dem Treffen warnte er davor, die weltweite Finanzkrise für beendet zu erklären. Die akute Notfallhilfe der Staaten zeige inzwischen erste Wirkungen, sagte er. "Von einer Entwarnung zu sprechen, wäre jedoch verfrüht." Die Finanzkrise sei in ihrer Dimension nicht vorhersehbar gewesen. "Der Geldkreislauf trocknete aus, ein Infarkt des globalen Finanzsystems stand kurz bevor."
Ackermann lobte die Entscheidungen der internationalen Finanzpolitik und der Zentralbanken zur Stabilisierung. Sie hätten in dem historischen Moment Handlungsfähigkeit bewiesen. Ackermann verwies darauf, dass das schwierige Marktumfeld auch einige Schwächen in der Deutschen Bank aufgezeigt habe.
Nun sei die Finanzbranche aufgerufen, ihre besondere Verantwortung wahrzunehmen und das Vertrauen wiederherzustellen. "Wir werden, wir müssen aus unseren Fehlern lernen." Letztlich werde die soziale Marktwirtschaft gestärkt aus der Krise hervorgehen. Der nächste Aufschwung komme ganz sicher - "vielleicht schneller als wir heute glauben", so Ackermann.
suc/dpa-AFX/ddp/Reuters
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