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Kredithilfe Stotter-Start in die Staatswirtschaft

2. Teil: Der Staat spielt Bank

Doch damit nicht genug. Weil trotz aller Hilfen für die Banken die Furcht vor einer kommenden Kreditklemme umgeht, greift der Staat noch direkter ins Geldgeschäft ein.

"Wir werden dafür Sorge tragen, dass dort, wo die Banken ihre Aufgaben nicht ausreichend erfüllen - das ist bei längerfristigen Krediten und Anleihen im Augenblick der Fall -, seitens des Staats geholfen werden kann", verspricht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Das 15 Milliarden Euro schwere Kreditprogramm der Förderbank KfW für kleine und mittlere Unternehmen (Konjunkturpaket I) wird mit dem Konjunkturpaket II auf Großunternehmen ausgedehnt. Hinzu kommen Bürgschaften von 100 Milliarden Euro.

Von Details wissen weder die KfW noch das Bundesfinanzministerium zu berichten, Merkel spricht von den "bewährten Methoden". Doch tatsächlich beschreitet die Regierung Neuland, wenn sie als Ziel ausgibt, "gesunden Großunternehmen" zu helfen, die für die Volkswirtschaft wichtig sind, unverschuldet in eine Kreditklemme geraten sind und eine Perspektive haben.

Wer aber soll eigentlich über die Vergabe der Hilfen entscheiden? Damit spielt die Bundesregierung Bank. Die Beamten müssen Urteile über Kreditwürdigkeit und Geschäftspläne fällen.

Sauberer wäre es wohl gewesen, direkt ausgewählte Unternehmen zu verstaatlichen. Diese Möglichkeit hatte der CDU-Vorstand beschlossen, doch die Kanzlerin will das Paket als "ein Konzept gegen Exzesse der Märkte genauso wie gegen sozialistische Experimente" verkaufen. Das könnte man als Seitenhieb auf ihren Parteifreund Jürgen Rüttgers verstehen. Der NRW-Ministerpräsident hatte den Vorschlag im SPIEGEL-Interview als "eine Art Marshall-Plan für die Unternehmen" beworben und über eine Beteiligung an "fünf bis zehn Dax-Unternehmen" spekuliert.

Wenn der Staat sich direkt um die Finanzierung der Firmen kümmert, stellt sich zudem die Frage, warum er sich die Rettung der Commerzbank mit ihrem Mittelstandsgeschäft so viel kosten lässt - und nicht gleich auf stärkere öffentliche Institute setzt, denen er problemlos Vorgaben für die Geschäftspolitik machen kann.

Freilich vergibt die KfW nicht selbst Kredite. Sie übernimmt - so ist es jedenfalls im Mittelstandsprogramm - lediglich bis zu 80 Prozent des Kreditrisikos der Hausbanken. Zu denen wolle man keine Konkurrenz aufbauen, betont die Kanzlerin. Sie bekämen lediglich "eine Ermunterung und Ermutigung".

Dieses Prinzip aber macht den Rettungsschirm wiederum löchrig. Aus dem seit Dezember laufenden KfW-Mittelstandsprogramm wurden bislang nur rund 600 Millionen Euro beantragt und dem Vernehmen nach kaum Hilfen bewilligt.

Ein bitteres Resümee zieht Heinz Gottschild, Inhaber eines Kleinbetriebs aus Westfalen, der Maschinen für die Möbelindustrie entwickelt, aus seinen Erfahrungen. Wegen der Krise und der weggebrochenen Aufträge könne er keine Sicherheiten mehr bieten, "die Reserven sind eben aufgebraucht". Deswegen gebe es aber keinen Bankkredit mehr, auch nicht mit KfW-Hilfe. Es komme ihm so vor "wie beim Hauptmann von Köpenick": "Ohne Ausweis keine Arbeit, ohne Arbeit kein Ausweis". Er müsse die Firma trotz guter Konzepte für die Krise "total runterfahren". Die Regierung muss das Bankgeschäft wohl erst lernen - oder zumindest klären, welche Rolle sie darin spielt.

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insgesamt 19 Beiträge
Baikal 17.01.2009
Tja, da hätte jemand seinen analytischen Sachverstand als Prophet vergolden können - wenn er denn auf seine alten Tage nicht als Rechtsausleger die Politik zu beglücken glauben müßte. Aber es war Hans-Ulrich Kose, der kurz vor [...]
Zitat von sysopCommerzbank, demnächst Hypo Real Estate, vielleicht auch die Deutsche-Bank-Beteiligung Postbank: Ein Institut nach dem anderen fällt in die Hände der Steuerzahler. Die deutsche Wirtschaft mit Kredit zu versorgen, ist jetzt Regierungssache - doch der Staat muss seine neue Rolle erst finden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,601722,00.html
Tja, da hätte jemand seinen analytischen Sachverstand als Prophet vergolden können - wenn er denn auf seine alten Tage nicht als Rechtsausleger die Politik zu beglücken glauben müßte. Aber es war Hans-Ulrich Kose, der kurz vor seinem Sturz als Erster Bürgermeister Hamburgs die wahren Worte sprach: der Staat ist der Reparaturbetrieb des Kapitalismus. Diese aus den frühen 80ern des letzten Jahrhunderts stammende EDrkenntnis in Politik umgesetzt und Klose wäre der politische König geworden (und hätte uns allen so manchen Tort erspart). Merke: Zu seinen Erkenntnissen stehen kann der Zukunft das Dunkel abringen.
derosa 17.01.2009
Staatsbetriebe prima funktioniert, aber die gestaltende politische Klasse wollte die Privatisierung um jeden Preis, und heute ist Zahltag. Ewig in Erinnerung bleibt mir der damalige N-TV Bericht über die Eisenbahnunglücke in [...]
Staatsbetriebe prima funktioniert, aber die gestaltende politische Klasse wollte die Privatisierung um jeden Preis, und heute ist Zahltag. Ewig in Erinnerung bleibt mir der damalige N-TV Bericht über die Eisenbahnunglücke in England. Da fragte das N-TV Börsenmädel den Mann in London, warum denn so viele Unglücke passieren, die Bahn sei doch privatisiert. Die Antwort:"Genau deshalb". Das Börsenmädel hat den Mund nicht mehr zu bekommen. So ist es es überall: Post, Gagafah, hess.Kliniken etc.;die Kunden und Bediensteten sind verraten und verkauft worden. Und die Schuldigen sind teils immer noch an der Macht.
Noodles 17.01.2009
dem wir diese Erkenntniss zu verdanken haben. Sondern eben jener Herr http://www.buchredaktion.de/pics/product/teaser/gr---gott--da-bin-ich-wieder.%7B971%7D.jpg
Zitat von BaikalTja, da hätte jemand seinen analytischen Sachverstand als Prophet vergolden können - wenn er denn auf seine alten Tage nicht als Rechtsausleger die Politik zu beglücken glauben müßte. Aber es war Hans-Ulrich Kose, der kurz vor seinem Sturz als Erster Bürgermeister Hamburgs die wahren Worte sprach: der Staat ist der Reparaturbetrieb des Kapitalismus. Diese aus den frühen 80ern des letzten Jahrhunderts stammende EDrkenntnis in Politik umgesetzt und Klose wäre der politische König geworden (und hätte uns allen so manchen Tort erspart). Merke: Zu seinen Erkenntnissen stehen kann der Zukunft das Dunkel abringen.
dem wir diese Erkenntniss zu verdanken haben. Sondern eben jener Herr http://www.buchredaktion.de/pics/product/teaser/gr---gott--da-bin-ich-wieder.%7B971%7D.jpg
vidapura 17.01.2009
probiermaamoi des schrauferl, gib amoi des kabel her, da muss noch ein regal hin, komm hol eins bei ikea... so ein gefühl kommt auf, als hätte da keiner wirklich ahnung, was er da macht...? na, der mächtigste mann der welt war [...]
probiermaamoi des schrauferl, gib amoi des kabel her, da muss noch ein regal hin, komm hol eins bei ikea... so ein gefühl kommt auf, als hätte da keiner wirklich ahnung, was er da macht...? na, der mächtigste mann der welt war alkoholiker, was will man da von den anderen viel erwarten...
Ben Major 17.01.2009
DDR 2.0. Wo das endet wissen wir ja, nur nicht, ob es nochmal 40 Jahre dauert. Die Banker dürfen sich beglückwünschen, was die Linke in Deutschland nie geschafft hat, das haben sie nun vollbracht. Wie fühlt man sich eigentlich [...]
DDR 2.0. Wo das endet wissen wir ja, nur nicht, ob es nochmal 40 Jahre dauert. Die Banker dürfen sich beglückwünschen, was die Linke in Deutschland nie geschafft hat, das haben sie nun vollbracht. Wie fühlt man sich eigentlich so als Totengräber einer ganzen Industrie? Herr Ackermann, wenn Sie auch Forist sind, bitte ich um Antwort.
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