Konjunkturhilfe
Regierung plant Entlastung für Spritschlucker und Jahreswagen-Käufer
Klimaschutz ist in der Krise offenbar zweitrangig: Die Bundesregierung will die Abwrackprämie nun auch für geleaste Fahrzeuge gewähren - und einem Zeitungsbericht zufolge spritschluckende Autos künftig bei der Kfz-Steuer begünstigen.
Berlin - Provokation für Umweltschützer: Was die Bundesregierung bei Abwrackprämie und Kfz-Steuer plant, steht den erklärten Klimaschutzzielen deutlich entgegen.
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Chrysler-Neuwagen: Prämien für Spritfresser
Laut Regierungsplänen könnte die Abwrackprämie nicht nur beim Kauf von Neuwagen, sondern auch für geleaste Fahrzeuge gezahlt werden. Nach dpa-Informationen gibt es in der Bundesregierung derartige Überlegungen. Das ARD-Hauptstadtstudio hatte berichtet, die zuständigen Ministerien für Umwelt, Finanzen, Verkehr und Wirtschaft hätten sich in einer "Richtlinie zur Förderung des Absatzes von Personenkraftwagen" bereits geeinigt, auch Leasing-Neufahrzeuge in die Umweltprämie mit aufzunehmen. Jahreswagen sollten dann gefördert werden, wenn sie auf einen Kfz-Händler, eine Autobank, ein Vermietungsunternehmen oder eine Leasinggesellschaft zugelassen waren.
Wer seinen mehr als neun Jahre alten Gebrauchtwagen verschrottet und dafür einen Neuwagen erwirbt, erhält den bisherigen Plänen zufolge rückwirkend für Käufe ab dem 14. Januar eine Prämie von 2500 Euro. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) drängt die Branche darauf, dass die Regelung auch für geleaste Fahrzeuge gilt. VDA-Präsident Matthias Wissmann sagte am Mittwochabend beim Neujahrsempfang seines Verbandes in Berlin, dass dank der Prämie die Nachfrage nach Neuwagen inzwischen wieder anziehe.
Außerdem will die Regierung laut "Süddeutscher Zeitung" die Fahrer großer, spritschluckender Fahrzeuge steuerlich begünstigen. Das sehe ein Kompromissvorschlag des Finanzministeriums vor, berichtet das Blatt in seiner Donnerstagausgabe. Danach müssten künftig ausgerechnet große Spritschlucker weniger Kraftfahrzeugsteuer zahlen als bisher. Dies laufe den Klimaschutzzielen der Regierung zuwider. Das Finanzministerium gab am Mittwochabend auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AP keine Stellungnahme ab.
ABWRACKPRÄMIE: SO BEKOMMEN SIE DIE 2500 EURO
Die Prämie erhält, wer ein mindestens neun Jahre altes Auto
verschrottet, das mindestens ein Jahr lang in seinem Besitz war, und
zudem einen Neu- oder Jahreswagen kauft oder least.
Konkret bedeutet das: Die Erstzulassung muss mindestens neun Jahre vor dem Zeitpunkt der Verschrottung erfolgt sein. Das Fahrzeug muss – zurückgerechnet vom Zeitpunkt der Verschrottung – für die Dauer von mindestens einem Jahr durchgehend auf den Namen des Antragstellers in Deutschland zugelassen gewesen sein.
Wer ein prämienfähiges Auto erbt, kann ebenfalls den Bonus beantragen. Dazu muss der Antragssteller den Erbschein vorlegen.
Das alte Fahrzeug muss verschrottet werden. Diesen Vorgang muss sich der Halter genau dokumentieren lassen. Ohne einen Verwertungsnachweis und den alten Fahrzeugbrief gibt es kein Geld.
Die Verschrottung des Altfahrzeugs muss zwischen dem 14. Januar 2009 und dem 30. Juni 2010 erfolgen. Der Erwerb des Neuwagens muss zwischen dem 14. Januar 2009 und dem 31. Dezember
2009 erfolgen.
Am 8. April hat das Bundeskabinett beschlossen, die Mittel von ursprünglich 1,5 Milliarden auf insgesamt fünf Milliarden Euro aufzustocken. Das Budget reicht nun für bis zu zwei Millionen Anträge.
Für die Abwrackprämie muss nach dem neuen, ab dem 30. März 2009 geltenden Verfahren zunächst ein Online-Reservierungsantrag beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) eingereicht werden.
Dies geschieht über die Web-Seite
www.ump.bafa.de. Neben den persönlichen Daten des Antragstellers muss als Anlage im PDF-Format eine Kopie des Kauf- oder Leasingvertrags oder der verbindlichen Bestellung eines Neufahrzeugs beiliegen.
Von der Bafa erhält der Antragsteller dann eine schriftliche Bestätigung über seine Reservierung. Später muss er noch weitere Unterlagen auf dem Postweg nachreichen - darunter Verwertungsnachweis, Farzeugschein und -brief.
Die vollständige Liste der notwendigen Unterlagen liegt der Reservierungsbestätigung bei und ist auch auf der
Web- Seite des Bafa einsehbar.
Nach einem positiven Bescheid überweist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) die 2500 Euro Prämie auf das Konto des Antragstellers.
Gut 16 Millionen ältere Wagen sind laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) prämienfähig. Nach den letzten verfügbaren Daten von Januar 2009 wären das rund 29 Prozent des gesamten Fahrzeugbestands von 55 Millionen Autos.
Neuwagenkäufer können sich eine Prämie reservieren und die Bescheinigungen über die Neuzulassung eines Pkw später nachreichen.
Nein - es gibt keine Anforderungen bezüglich Kraftstoffverbrauch oder CO2-Ausstoß. Der Wagen muss lediglich die Abgasnorm Euro 4 (oder höher) erfüllen, was bei allen in Deutschland verkauften Neufahrzeugen der Fall ist.
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hat unter der Telefonnummer
030-346465470 eine Hotline für interessierte Bürger geschaltet. Detaillierte Infos zum Verfahren finden Sie außerdem
auf der Bafa- Web- Seite.
Ursprünglich sollte die Steuerreform das Gegenteil bewirken. Die Ausrichtung an den Kohlendioxidemissionen sollte dazu führen, dass Autos mit hohem Verbrauch im Vergleich zu sauberen Fahrzeugen wesentlich teurer werden.
Doch internen Berechnungen der Bundesregierung zufolge, die der "Süddeutschen Zeitung" eigenen Angaben zufolge vorliegen, wären für eine Luxuslimousine vom Typ Audi A8 - mit 4,1-Liter-Maschine und einem Kohlendioxidausstoß von 249 Gramm je Kilometer - vom 1. Juli an nicht mehr 648 Euro Steuern fällig, sondern nur noch 558 Euro. Das Ziel der Steuerreform wäre damit ins Gegenteil verkehrt.
Nach Informationen der Zeitung sind die Pläne auf Regierungsebene schon weit gediehen. Eine Staatssekretärsrunde habe sie Anfang der Woche besprochen - allerdings in Abwesenheit des Bundesumweltministeriums. Danach sei der Entwurf in die Ressortabstimmung gegangen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will den Koalitionskompromiss laut "Süddeutscher Zeitung" so nicht billigen.
Damit allerdings müsste er sich auch gegen seine Parteifreunde Peer Steinbrück und Wolfgang Tiefensee stellen. Der Finanz- und der Verkehrsminister tragen den Entwurf dem Bericht zufolge mit.
Auch in der SPD-Fraktion regt sich Widerstand. "Das eine umweltorientierte CO2-Steuer zu nennen, wäre lächerlich", sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber der Zeitung zufolge. Stattdessen könne etwa der Steuersatz für den CO2-Ausstoß ab einer bestimmten Grenze steigen. Die Bundesregierung ringt schon seit drei Jahren um eine Reform der Kfz-Steuer.
cvk/dpa/Reuters/ddp