Berlin - Deutschland und China wollen angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise ihre Wirtschaftsbeziehungen ausbauen. Bei einem Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Berlin sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), in "offener und konstruktiver Weise" sei man übereingekommen, die deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen zu erhalten und möglicherweise zu steigern.
Krisenmanager Merkel, Wen: "Strategische Beziehungen intensivieren"
Nach einer monatelangen Eiszeit betonte der chinesische Regierungschef mehrfach die guten Beziehungen zu Deutschland. Wen sagte, man habe in "offener und ehrlicher Atmosphäre" Meinungen ausgetauscht, "wie Deutschland und China Hand in Hand die Finanzkrise überwinden können". Er gab sich zuversichtlich, dass dies den beiden größten Exportnationen der Welt gelingen werde.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) unterschrieb bei dem Treffen im Kanzleramt ein Abkommen mit dem Baumaschinenhersteller Sany, der hundert Millionen Euro in dem Bundesland investieren will. Sany plant nach Angaben aus Düsseldorf unter anderem den Bau eines Baumaschinen-Werks und eines Forschungs- und Entwicklungszentrums.
ThyssenKrupp unterzeichnete mit dem Transrapid-Betreiber in Shanghai eine Absichtserklärung über einen Technologieaustausch. Die Nutzfahrzeugsparte des Daimler-Konzerns vereinbarte mit der Beijing Foton Motor eine Kooperation bei der Lastwagenproduktion.
Weiter vereinbart wurde, dass zur Förderung des bilateralen Handels die Reisemöglichkeiten erleichtert und der Schutz geistigen Eigentums gewährleistet werden soll. Auch will man gemeinsam beim G-20-Gipfel in London Anfang April auf konkrete Ergebnisse dringen. Auch andere deutsche und chinesische Partner beschlossen anlässlich des Besuchs von Ministerpräsident Wen Jiabao gemeinsame Projekte:
Außerdem verabredeten Deutschland und China eine engere Kooperation beim Klimaschutz. Eine neue Klimaschutz-Arbeitsgruppe beider Regierungen soll nach Angaben des Bundesumweltministeriums voraussichtlich im Juni bei einer China-Reise von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in Peking zusammenkommen.
Der Besuch ist seine erste Europareise, seit Peking aus Protest gegen die europäische Tibet-Politik Ende November ein Gipfeltreffen zwischen China und der EU abgesagt hatte. Nach einem "kalten Winter" könne man im Frühjahr mit Stolz auf die gute Zusammenarbeit blicken, sagte Wen. "Mein Besuch in Deutschland bereitet mir wirklich eine gute Laune." Er wollte am Nachmittag noch mit Bundespräsident Horst Köhler zusammenkommen und gemeinsam mit der Kanzlerin ein deutsch-chinesisches Dialogforum für wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit eröffnen.
Merkel sprach bei den Gesprächen auch die Tibet-Frage an. Deutschland habe ein "intensives Interesse" daran, dass die Gespräche mit den Vertretern des Dalai Lama "in Gang kommen", sagte die Kanzlerin. Sie bekräftigte zugleich die Unterstützung Deutschlands für die Ein-China-Politik, nach der Tibet seit der chinesischen Besatzung 1951 als Bestandteil der Volksrepublik betrachtet wird.
Vor dem Kanzleramt demonstrierten während des Besuchs rund 50 Vertreter der Tibet Initiative Deutschland. Sie schwenkten tibetische Flaggen und forderten auf Transparenten mehr "Freiheit für Tibet" und "Tibet den Tibetern". Nach Polizeiangaben versammelten sich außerdem rund 30 Anhänger der in China verbotenen Falun-Gong-Bewegung zu einer Protestaktion im Regierungsviertel. Auf Plakaten forderten sie ein Ende der Verfolgung von Falun Gong in China.
ssu/AFP/ddp/Reuters
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