Von Arvid Kaiser und Kai Lange
Maria-Elisabeth Schaeffler hat Nerven. Wie wäre es mit Krediten vom Bund? Oder Bürgschaften? Brancheninsider erzählen von dem Vorschlag, der Staat solle ihrem Unternehmen auch Aktien des Übernahmeziels Continental
abkaufen. So würde der Steuerzahler den beiden Unternehmen die Last von 22 Milliarden Euro Schulden in der Absatz- und Finanzkrise erleichtern. Vor allem würde er der Milliardärin die gewagte Übernahme von Continental sichern.
Finanzminister Peer Steinbrück sperrt sich noch gegen solche Forderungen. "Wir können doch keinem Menschen erklären, Unternehmen, hinter denen Milliardenvermögen stehen, mit Steuergeldern zu unterstützen", sagte er der "Berliner Zeitung". Doch die Landesregierungen von Bayern und Niedersachsen drängen auf Hilfen, sie sorgen sich um Hunderttausende Arbeitsplätze. Auch Wirtschaftsminister Michael Glos scheint entschlossen, Schaeffler unter die Arme zu greifen - der Konzern müsse nur ein tragfähiges Konzept vorlegen.
Die Chancen für Schaeffler stehen also nicht schlecht - zumal Steinbrück in den vergangenen Monaten schon gezeigt hat, dass sein klares Nein durchaus zu einem Ja werden kann - Bankenhilfe und Konjunkturpaket lassen grüßen.
Ein Einstieg bei Schaeffler/Conti wäre ein deutliches Signal: "Too big to fail" gelte nicht nur für Banken. Auch Industriekonzerne, die sich übernommen haben, könnten auf die helfende Hand des Staats hoffen, sofern sie nur wichtig genug für die deutsche Wirtschaft sind. Im Konjunkturpaket II der Bundesregierung sind schon 100 Milliarden Euro für die Unternehmen eingeplant - allerdings als Bürgschafts- und Kreditprogramm. Auch einer direkten Kapitalbeteiligung hat Kanzlerin Angela Merkel keine prinzipielle Absage erteilt.
Es fällt also nicht schwer, sich vorzustellen, was passiert, wenn sich die Krise weiter verschärft und eine Branche nach der anderen in Mitleidenschaft zieht. Noch ist das beschriebene Szenario reine Fiktion - aber unwahrscheinlich ist es nicht, dass einiges davon Wirklichkeit wird.
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