Wirtschaft



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31.01.2009
 

Streiks abgewendet

Einigung im Tarifkonflikt bei der Bahn

Bei den Tarifverhandlungen für rund 150.000 Beschäftigte der Deutschen Bahn AG haben sich die Verhandlungspartner geeinigt. Die Beschäftigten erhalten 4,5 Prozent mehr Lohn und mehr freie Wochenenden - Streiks sind damit abgewendet.

Frankfurt/Main - Der Tarifkonflikt ist beigelegt: Gewerkschaften und Bahn haben sich am Samstagabend nach einem fast 40-stündigen Verhandlungsmarathon geeinigt. Die Gewerkschaftsvertreter erklärten, sie würden das letzte Angebot der Bahn ihren Tarifkommissionen zur Annahme empfehlen. Transnet-Chef Alexander Kirchner sagte, man habe es geschafft, den Arbeitgeber zum Einlenken zu bringen und habe bessere Arbeitsbedingungen durchgesetzt. Streiks sind damit abgewendet.

ICE in Frankfurt am Main: Mehr Lohn, mehr freie Wochenenden für die Bahn-Mitarbeiter
AP

ICE in Frankfurt am Main: Mehr Lohn, mehr freie Wochenenden für die Bahn-Mitarbeiter

Vorgesehen ist eine Lohnerhöhung um insgesamt 4,5 Prozent in zwei Stufen. Zum 1. Februar gibt es eine Erhöhung um 2,5 Prozent, zum 1. Januar 2010 eine Erhöhung um weitere zwei Prozent. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages beträgt 18 Monate. Außerdem wurde eine Einmalzahlung von 500 Euro im Dezember ausgehandelt.

Auch die Forderung bezüglich mehr freien Wochenenden sei durchgesetzt worden, erklärten übereinstimmend Vertreter der Gewerkschaften. Künftig werde den Mitarbeitern ein freies Wochenende im Monat garantiert, sagte Bahn-Sprecher Uwe Herz. Auch bei der Regelung der Ruhetage gibt es Verbesserungen, sie müssen nun mindestens einen kompletten Kalendertag betragen. Ebenso werde der Schichtzusatzurlaub erhöht.

Rund 80 Prozent der tarifgebundenen Bahn-Mitarbeiter sind im Schichtdienst tätig. Unterschiede nach Geschäftsfeldern flossen zwar in die Verhandlungen ein, wurden aber nicht separat verhandelt. Bis zuletzt drohten die Verhandlungen an den Arbeitszeitfragen zu scheitern, die Frage nach dem Geld wurde fast zur Nebensache. Die Einigung betrifft insgesamt rund 150.000 Bahn-Mitarbeiter, Transnet und GDBA verhandelten für 130.000 Beschäftigte, die Lokführergewerkschaft GDL für 20.000 Arbeitnehmer. Gremien beider Seiten müssen dem Verhandlungsergebnis noch zustimmen, dies gilt allerdings nur als formaler Schritt.

"Die Beharrlichkeit hat sich gelohnt", sagte der Chef der Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel. Die Bahn habe zunächst die Wichtigkeit der sozialen Fragen unterschätzt. Bahn-Personalvorstand Norbert Hansen meinte, die schnelle Einigung sei wichtig für die künftige Verhandlungskultur im Unternehmen Bahn. Diese sei in der wirtschaftlichen Krise entscheidend. "Wir möchten alle Mitarbeiter an Bord halten", versprach der frühere Transnet-Chef. Das Ergebnis gehe deutlich über die zu erwartende Inflation hinaus. Es sei respektabel für die Beschäftigten und akzeptabel für das Unternehmen. Transnet-Chef Kirchner sagte, der Abschluss sei auch ein gutes Zeichen für die Konjunktur, wenn die Arbeitnehmer mehr Geld für den Konsum hätten.

Die kleine, separat verhandelnde Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) war mit einer Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn in die Verhandlungen gegangen und erreichte zusätzlich die tarifliche Regelung der zukünftigen Ausbildungsstandards für Lokführer.

Transnet und GDBA hatten vergangenen Donnerstag einen Warnstreik organisiert und damit den Druck auf den Arbeitgeber erhöhen wollen. "Nadelstiche" habe man gesetzt und damit die Bahn in Bewegung gebracht, sagte Kirchner. In der vorausgegangenen Tarifrunde hatte die kleinere GDL noch für ihre letztlich erfolgreiche Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag mehrfach den Schienenverkehr nahezu lahmgelegt. Erst nach neun quälend langen Monaten mit Streiks, immer neuen Ultimaten und Gerichtsverhandlungen hatten sich die Lokführer dann im März 2008 mit der Bahn geeinigt.

Am Freitagabend hatte die Bahn ihr bisheriges Tarifangebt aufgestockt und gestaffelte Einkommenserhöhungen in Höhe von insgesamt 4,5 Prozent bei 18 Monaten Laufzeit angeboten. Dazu sollte eine Einmalzahlung in Höhe 400 Euro kommen. Zurückgenommen wurde die zuvor verlangte Bindung einiger Erhöhungen an den Unternehmenserfolg - die Gewerkschaften hatten dies strikt abgelehnt.

ore/AP/AFP/dpa/Reuters

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